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148 Vili. Sudali. VerhältiiiSvS zu Osdndien.
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den Winter fallen; liefern in gewissen Jahren 6—7 Zoll Wasser
Ganz ähnlich ist das Klima der abessinischcn Küste von Massowa^
wo unter Einflüssen des Bodens nnd Reliefs der klimatische Charakter
Sudans aufhört. Nnr auf dem Gebirgszuge von Yemen ist
bis jetzt das normale^ tropische Klima mit dreimonatlichem Sommerregen
nachgewiesen. Und gerade dies ist die Landschaft, deren
Vegetationscharakter Arabien mit Sudan verbindet. Die merkwürdige
Thatsache ^ dass in der Tehama und in den Gebirgen die Niederschläge
in entgegengesetzte Jahrszeiten fallen^ ist eine Folge des im
Sommer herrschenden Seewinds^ der in der Küstenebene noch stärker
erhitzt wird nnd erst am Gebirge seine Feuchtigkeit abgiebt,
während im Winter die Luftströmungen vom Festlande ausgehen
und gelegentlich, aber wenig regelmässig die kalte Luft der Gebirgshöhen
herabsinkt nnd zu den doch nur seltenen Niedersclilägen des
Litorals den Anlass bieten mag. Das tropische Arabien ist ein
kleines Monsungebiet für sich^ wo die See- nnd Landwinde nacli
den Jahrszeiten wechseln, wie in Ostindien, aber in verschiedenen,
durch die Küstenlinien bestimmten Richtungen wehen. In dem
nordwestlichen Theile des indischen Oceans, der die Küste von
Hadramant bespült, wird der Sommermonsun zu einem Südostwinde
^ö), und zu derselben Zeit wird Yemen, also die Westküste
der Halbinsel, im südlichen Theile des rothen Meers durch einen
Nordwestwind getroffen, nnd dieser ist es, der die tropischen Regen
im Gebirge liervorbringt. Die Insel Socotora (12 ^ N. B.), wiewohl
nicht weit entfernt von der arabischen Südküste, liegt schon im Bereich
der indischen Monsune, des Südwest im Sommer, des Nordost
im Winter. Aber so verschiedenartig hier am Ausgange des rothen
Meers die abessinischcn Passatwinde und die arabischen und indischen
Monsune sich berühren, so hängt doch / wie in Sudan, die
Vegetation nicht von dem Zeitpunkt , sondern von der Dauer und
Intensität der Niederschläge ab. Im Gegensatz zu der heissen
Sand- und Felsküste Arabiens ist Socotora ^i) eine grüne Insel mit
bewaldetem Gebirge. Die nördlichen Geliänge tragen einen reichen
Humusboden, üppige Vegetation mit reichlichem Graswuchs. Und
doch fällt auch hier, wie in der Teliama, die Entwickelungsperiode
der Pflanzen in den Winter, weil die Regenzeit der Nordkiiste von
dem winterlichen Monsun A^eranlasst wird. So ist diese Insel als
ein neues Verbindungsglied zwischen der Flora des östlichen Sudana
und des tropischen Arabiens anzusehen, sowie sie auch von Hadramant
die Form der Aloe und der Dracaenen entlehnt, von denen
die letzteren in dem Gebirge [800—3000 Fuss^^)] sehr verbreitet
sind.
Die Verknüpfungen der indischen Flora mit Sudan beruhen nicht
bloss auf natürlicher, durch Arabien vermittelter Einwanderung,
sondern sind durch die Berührung und Vermischung der Völker, die
diese Erdtheile bewohnen, bedeutend erweitert worden. In Kotschys
nubischer Sammlung sind 80 Arten also nicht weniger als
20 Procent enthalten, die auch in Ostindien einheimisch sind, in
Richardis abessinischer Flora sinkt diese Verhältnisszahl indessen
auf 6 bis 7 Procent. Diese Vermischung ist in den meisten Fällen
durch die Verbreitung der tropischen Kulturpflanzen bedingt, und
daher sind nur wenige ilolzgewächse darunter begriffen und auch
diese zum Theil wegen ihrer Benutzung nach Sudan eingeführt. Oft
lässt sich die indische Heimath solcher Gewächse nachweisen: denn
allgemein hat sich R. Browns Ansicht bestätigt, dass die Kulturpflanzen
der Neger, sofern sie auch in Asien gebaut werden, aus
dem Osten abstammen . Mit diesen haben sich auch diejenigen
Gewächse, welche dem Menschen auf seinen Wanderungen folgen
und ihn in seine Ansiedelungen begleiten, grösstentheils in westlicher
Richtung, also von Indien nach Afrika verbreitet. Kulturpflanzen
hingegen, die, ohne Asien anzugehören, in Afrika und
Amerika gebaut werden, sind meist afrikanischen Ursprungs und
also ebenfalls in westlicher Richtung über das atlantische Meer gelangt.
Ausnahmen finden sich an der Westküste, indem die Jesuiten,
die in beiden Kontinenten den Eiugebornen ihre Thätigkeit widmeten,
z. B. nach Angola nicht bloss amerikanische Kulturgev/ächse,
sondern auch Bäume wegen ihres Holzes eingeführt haben sollen.
Hievon abgesehen, beweist die durch den Verkehr vermittelte Vermischung
transoceanischer Vegetationscentren, dass von jeher die
Kultur der Negervölker von Indien und Arabien aus beeinflusst
wurde, und dass der Sklavenhandel sodann in den letzten Jahrhunderten
Amerika mit neuen Pflanzen bereichert hat. Ganz anders
verhält es sich mit der Einwanderung solcher Gewächse, bei denen
eine Mitwirkung des Menschen undenkbar ist^^). Hier ist die Ver