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XIX. Brasilien,
in den offenen Campos mit einem herrlicli blühenden Garten vei'-
gliclien Jiat , so beruht dieser Reichtimm doch nicht so sehr, wie
im Kaplande, anf der klimatischen Abstufung nach dem Niveau,
sondern auf der ungleichartigen, verwickelteii geognostischenUnterlage.
Am üppigsten fand Tschudi in Minas Geraes die Camposvegetation
über den granitischen und Hornblende-Gesteinen, deren
Verwitterungsprodukte den Erdboden befruchten, während die Gold
und Diamanten führenden Formationen der kieselreicheren Sandsteine
(des Itakolumit) und der Schiefer nur einen ärmlichen Pflanzenwuchs
hervorbringen und weder zum Ackerbau noch zur Viehzucht geeignet
sind. Die Städte, welche dem Bergbau ihre Entstehung verdanken,
sind daher keine passende Standpunkte für den sammelnden Botaniker,
und ihr unfruchtbarer Boden ist eine der Ursachen, weshalb
sie, als die Quellen ihres Wohlstandes durch Abnahme der mineralischen
Produktion versiegten, dem Rückschritte verfallen sind. In
fernen Einöden dagegen entfaltet die Vegetation des inneren Brasiliens
den Reiz ihrer Formen, und hier ist ebendaher auch durch
Kolonisation der künftigen Entwickelung des Landes eine bedeutende
Zukunft geöffnet. "
Audi hl den offenen Campos kann die Unterbrechung der
Vegetationsperiode, welche in der trockenen Jahrszeit eintritt, verschwinden,
wenn der Abflnss des Wassers durch das Niveau oder
undurchlassende Erdschichten gestant wird. Solche immergrüne
Snmpflandschaften kommen zuweilen im Innern vor, aber in nocli
grösserem Massstabe wechseln sie mit den Urwäldern in der Küsten-
Landschaft von Maranhao . Unter solchen Bedingungen werden
schwimmende Wiesen aus Cyperaceen gebildet, oder Gruppen von
Palmen [Mauritia vinifera. die Buriti-Palme) erheben sich aus dem
schwammigen Erdreich.
Regionen. Die höchsten Erhebungen Brasiliens liegen in der
Serra do Mar, sie bleiben unter dem Niveau tropischer Baumgrenzen
zurück 4) und sind doch keineswegs bis zu ihrem Gipfel bewaldet.
Am Orgelgebirge hört der geschlossene Tropenwald schon in einer
Höhe von 4000 Fuss auf'^). dann folgt ein Gürtel von Bambusen,
es erscheinen noch Farnbäume, und zuletzt begegnet man unerwartet
genug in der oberen Region jener Campos-Vegetation, welche namentlich
durch die Form der Vellosien (F. Candida) bezeichnet wird.
Serra do Mar. — Gebirge des Tafellandes. 415
Sogar am Corcovado bei Rio, der sich doch nur wenig über 2000
Fuss erhebt, ist schon diese Abnahme hochwüchsiger Baumstämme
deutlich zu erkennen 8) und findet darin seine Erklärung, dass die
steilen Felsgipfel dem Passatwinde zu wenig Masse darbieten, um die
für die volle Ueppigkeit des Tropenwaldes erforderliche Intensität der
Niederschläge zu erzeugen. Deshalb erreichen die Bäume überhaupt
nicht einmal den Gipfel dieses niedrigen Berges, sie werden an den
höheren Abhängen allmälig kleiner, der Wald lichter, die Bambusen
treiben zwar noch schlank ihre Triebe nach aufwärts, aber zuletzt
folgt auch hier, indem der Boden zugleich trocken wird, die Region
der zwerghaften, holzigen Liliaceen. Die fortgesclirittene Entwaldung
hat, wie zur Abnahme des Regens, so auch zur Veränderung
der Vegetation unstreitig ebenfalls beigetragen. Uebrigens beruht
das Auftreten der Vellosien im Küstengebirge, welches man nicht
glücklich mit den alpinen Regionen anderer Länder verglichen hat,
auf denselben Einflüssen, wie die Bildung der Campos selbst, auf der
Dürre des Bodens in den Jahrszeiten, wo die Sonne vom Zenith-
Stande sich entfernt.
Die Erhebung der das Tafelland selbst erfüllenden Bergzüge
und Bodenwellen bleibt noch hinter der des Küstengebirgs zurück.
Hier wird durch die Neigung der Oberfläche und durch die sanfteren
Abhänge, an denen die Feuchtigkeit sich sammelt, die Vegetation
von Holzgewächsen mehr befördert, als zurückgedrängt. Indessen
bringt es der Itambe 32] ^ den man für den höchsten Berg im Innern
hält (5600 Fuss) doch auf seinem Gipfel nur zur Erzeugung von
vereinzelten Zwergbäumen, di-e daselbst mit Vellosien und anderen
Campopflanzen in Gemeinschaft wachsen. Nach abwärts werden
auch hier die Holzgewächse bedeutender, ein Gürtel von Carrascos
nimmt den Raum (etwa 3—5000 Fuss) zwischen jenen kahlen Höhen
]ind der Capoe-Waldung ein, welche den Fuss des Bergs umsäumt.
Im Wechsel feuchter und dürrer Standorte, sowie unter dem Einfluss
der geognostischen Unterlage, fand G a r d n e r a u f einem solchen
Höhenzuge in Minas Geraes, zwischen Lavinha und Diamantina, eine
so reiche Ausbeute verschiedenartiger, seltener und schöner Gewächse,
dass er die Carrascos dieser Serra für den ergiebigsten
Fundort seiner ganzen, weiten Reise durch das Innere Brasiliens
erklärt hat.
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