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420 XX. Flora der tropischen Anden Südamerikas.
Die Vegetation der südamerikanischen Anden behauptet schon
als Gebirgsflora gegenüber den Tiefebenen, mit denen sie sich nnr
in ihren Thaleinschnitten mischen kann, den Charakter abgeschlossener
Selbständigkeit. Innerhalb der Tropen umfasst sie in der
Stufenfolge ihrer Regionen alle Isothermen der Erde bis zur Linie
des ewigen Schnees, aber in diesen Breiten ist sie mannigfaltiger in
den nach dem Niveau gesonderten Formen, als in der Mischung der
zusammenlebenden Arten, weil dem grössten Theil der Oberfläche
eine genügende Bewässerung nicht zu Gebote steht und die Einwanderungen
aus den Nachbarlandschaften durch das Höhenklima gehemmt
sind. Gegen den Reichthum der Waldregionen des Himalaja
stehen die Kordilleren weit zurück, und auch von den mexikanischen
Anden werden die südamerikanischen Gebirgslandschaften an Verschiedenartigkeit
der Erzeugnisse übertroifen.
Am pacifischen Abhänge der westlichen Kordillere Perus ist der
Mangel an Bewässerung am grössten, die Küste selbst ist eine völlig
regenlose Zone, die nur im Winter durch leichte Nebelbildungen,
die Garúas, befeuchtet wird. Da diese Andenkette nirgends durchbrochen
ist, so haben die Flüsse einen kurzen Lauf und sind wasserarm
: an ihren Ufern allein, oder wo ihre Gewässer zu Irrigationen
gesammelt werden, ist die wüste Landschaft gelegentlich, wie bei
Arequipa, zu blühenden Kulturoasen umgestaltet worden. Aber
auch in den höheren Lagen und jenseits der Küstenkordillere ist die
Regenmenge geringfügig oder die Vertheilung der Niederschläge
nicht geeignet, einem kräftigen Pflanzenwuchse Vorschub zu leisten.
Die klimatische Linie, wo diesen dürren Berglandschaften gegenüber
die üppige Natur der Tropen sich entfalten kann, wird erst an der
Wasserscheide der östlichen Kordillere erreicht, an den Abhängen,
die den Tiefebenen Südamerikas zugewendet sind, oder in den Thälern,
welche, diese Kette umsäumend und durchschneidend, in der
Richtung des karaibischen und atkntischen Meers geöffnet sind und
ihre Gewässer zu den grossen Strömen, zum Mag4alena, Orinoko
und Amazonas, ansammeln. Denn diese Abdachung der Anden allein
ist der Einwirkung des Regen bringenden Passats unterworfen, welcher
seine Wasserdämpfe aus fernen Meeren herbeiführt, an der
Kordillere seine Wolken entladet, westlich von deren Kamme hingegen
nicht weiter bemerkt wird. Der mechanische Widerstand, der
Bewässerung. — Waldlosigkeit der peruanischen Küste. 421
hier die allgemeine Luftströmung unterbricht oder in die oberen
Schichten der Atmosphäre ablenkt, ist von so weitgreifender Wirkung,
dass die Seefahrer erst in einer beträchtlichen Entfernung von
der peruanischen Küste den Südostpassat des stillen Meers antreffen.
An der tropischen Westküste Südamerikas selbst herrschen südliche und
nördliche Luftströmungen, welche der Hebungslinie der Anden parallel
wehen und daher keine Elevationsniederschläge erzeugen können.
Allein damit ist noch nicht erklärt, weshalb auch die Solstitialregenzeiten
an der peruanischen Küste fehlen, die doch diesseits des
Aequators unter anscheinend gleichen Bedingungen eintreten.
In diesem Gegensatz von zwei pacifischen Küstenklimaten, deren
Wendepunkt unter dem vierten Grade südlicher Breite liegt'^j, ist
die Ursache enthalten, weshalb die Westküste von Neu-Granada und
Ecuador an der tropischen Vegetation des Isthmus Theil nimmt, die
Abdachung der peruanischen Anden hingegen von Wäldern entblösst
ist. Auch noch weiter über den südlichen Wendekreis hinaus müssen
dieselben Einflüsse wirksam sein, da jenseits der Wüste von Atacama
die chilenischen Anden in einem weiten Umfange ebenfalls der zusammenhängenden
Waldregionen entbehren. Wie die Tropenwaldung
in der Nähe des Kap Blanco (4 o S. B.), gerade da, wo die
Küste Perus nach Südosten umbiegt, völlig aufhört, so kehren die
Bedingungen des Baumlebens überhaupt erst im Süden der chilenischen
Hauptstädte Valparaiso und Santiago (33 ^ S. B.) wieder, und
nun beginnen bald, über Concepción hinaus (36^ S. B.) jene dichten
Wälder, welche dem feuchten Klima von Valdivia und Chiloe entsprechen,
und weiterhin die Bestände der antarktischen Buchen bis
zur Magellanstrasse und zum Kap Horn. Der weite, über 29 Breitengrade
ausgedehnte Zwischenraum von Kap Blanco bis Valparaiso
ist vermöge der Trockenheit des Klimas waldlos, diese Dürre
ist das bestimmende Moment für den Naturcharakter und die Pro- »
duktion von Peru, Bolivien und Chile. Wo der Regen fehlt oder an
Menge und in seiner Dauer unzureichend ist, wo derselbe weder
durch fliessendes Wasser noch durch Thau ersetzt wird, können
Gewächse von langer Vegetationsperiode und grossem Feuchtigkeitsbedürfniss
nicht gedeihen. Die Meinung, als ob die Waldlosigkeit
nicht die Folge, sondern die Ursache des Regenmangels sei, kann da
nicht zur Geltung kommen, wo es möglich ist die Dürre des Klimas