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540 XXIV. Oceanische Inseln.
werden, zu beobacliten, wie die sich selbst überlasseue Natur die
Organismen erhält und anordnet.
Der beständig herrschende Südostpassat verleiht dem Archipel
ein dürres Klima, welches sogar die Palmen fern hält. An den Küsten
regnet es selten, aber die Wolken, welche an den Bergen sich
verdichten, hängen niedrig, und mit ihnen erscheint im Niveau von
etwa 1000 Fuss eine ziemlich üppige Vegetation von Holzgewächsen,
nachdem man über Öde, mit lichtem, wenig belaubtem Zwerggestrüpp
und Cacteen bedeckte Lavafelder hinaufgestiegen. Aber von tropischer
Waldfülle ist hier, unter dem Aequator, auch im Gebirge
keine Spur zu entdecken: dem stehen das Passatklima und das steinige
Erdreich entgegen.
In der Küstenregion wachsen am häufigsten eine holzige Eupliorbia
(7?. vimima), an deren Zweigen man aus der Ferne die ßelaubung
nicht wahrnimmt, weil die bräunlich gefärbten Blätter nur
wenige Linien messen, und eine Opuntie (0. galapagea), deren ovale
Gliederungen aus einem cylindrischen Stamm entspringen. Auch
bei andern Sträuchern, sowohl endemischen (aus der Rhamneengattung
Discaria, der Simarubee Castela), als eingewanderten (z. B.
westindischen Acacien) ist das Laub unterdrückt und von geringer
Grösse. Die Bewaldung in der feuchtern, umwölkten Region besteht
hauptsächlich aus Synanthereen von zweifelhafter, systematischer
Stellung [Scalesia, Macraea, Leeocarpus u. a.), sowie aus Boragineen
[Cordia] , Euphorbiaceen [Croton] , einigen Rubiaceen [Psychotria)
und nicht endemischen Mimoseen. Aber auch'hier ist das Wachsthum
gedrückt, die Bäume bleiben niedrig, selten werden sie über
20 Fuss hoch, und die meisten Holzgewächse bilden nur Gebüsche,
wenn auch den Stämmen weder die Lianen fehlen (z. B. Passiflora,
Ipomoea) noch die Epiphyten [Epidendrum, Viscum) , und an dem
Auftreten von Farnkräutern und Schilfgräsern {Amphochuete) die
feuchtere Luft der Berge zu erkennen ist.
Auf den fünf Inseln, welche bis jetzt untersucht wurden, betrug
die Atisbeute gegen 350 Gefässpflanzen, von denen mehr als
50 Procent endemisch sind77). Mit grösserer Evidenz, als irgendwo
sonst, kann man hier den verschiedenen Ursprung der eingewanderten
Gewächse und der Autochthonen nachweisen. Hooker ^S)
führte diese Untersuchung bei den ersteren zum Abschluss, indem
Galapagos. Endemismus. 541
er sowohl den Weg ihrer Einwanderung bestimmte, als ihre Migrationsfähigkeit
prüfte. Doppelt so gross, als auf den grossen unbewohnten
Inseln, ist ihre Anzahl auf dem kleinen Charles-Island
;i00 A r t e n a u f 21/2 Quadratmeilen], weil hier allein die Kolonisation
ihre Einführung vermitteln konnte. Die natürliche Einwanderung
ging von der Küste des Isthmus aus, wo die nicht endemischen
Pflanzen der Galapagos allgemein vorkommen, und zwar vermittelst
einer lokalen Meeresströmung, welche von der Panama-Bai
nach der Nordostseite des Archipels fliesst, und hier das Meerwasser
oft um mehrere Grade wärmer macht, als an den dem Humboldtstrome
ausgesetzten Südküsten. Auf den nach Nordosten frei liegenden
Inseln Chatham und James wurden mehr kontinentale Pflanzen
gefunden [53 und 47] als auf Albemarle, welches grösser, als
alle übrigen zusammengenommen, aber jener Strömung durch die
südwestliche Lage entzogen ist.
Unter den eingewanderten Pflanzen sind namentlich solche Familien
vertreten, die, wie die Leguminosen und Solaneen, lange Zeit
ihre Keimkraft bewahren und daher auch unter tropischen Sämereien
in europäischen Gewächshäusern am leichtesten aufkommen. Manche
haben feste Schalen, mit denen sie der Einwirkung des Seewassers
sicherer widerstehen können, nur wenige enthalten fette Oele, die
sich leicht zersetzen. Vergleicht man, welche Familien unter den
endemisclien und nicht endemischen Arten die reichsten sind so
werden diese Unterschiede sofort bemerkbar: so sind unter 15 Rubiaceen,
bei denen die Keimkraft des Samens rasch erlischt, nur 2,
unter 13 Solaneen 10 Arten kontinentalen Ursprungs.
Diejenigen, welche annehmen, dass die vikariirenden Arten
aus Umbildungen von eingewanderten hervorgegangen sind, können
auch unter den endemischen Gewächsen der Galapagos Beispiele
genug anführen, dass eine nahe Verwandtschaft dieselben mit Amerika,
als ihrem vorausgesetzten Stammkontinent, verbinde. Aber
allgemein lässt sich dieser Gesichtspunkt nicht durchführen. Gerade
unter den geselligen Holzgewächsen, durch welche die Physiognomie
des Buschwaldes im Gebirge bedingt wird, finden wir die eigenthümlichsten
Erzeugnisse, die Scalesien und andere Synanthereen, die
nach ihrer systematischen Stellung dem Festlande ebenso fremdartig
gegenüber stehen, wie die Loheliaceen des Sandwich-Archipels. Es