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144 VIIL Sudan.
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nach Mann s reicheren, noch unbearbeiteten Sammlungen aus diesem
Gebiete abzuwarten.
Noch unvollständiger ist bis jetzt die Kenntniss der afrikanischen
Savanenflora, von deren Verhältnisszahlen die nubische Sammlung
Kotschys einen ersten Anhaltspunkt gewährte wie viel
einförmiger die Bildungen der Savanen, als der Tropenwälder sind,
ergiebt sich schon daraus, dass die Zahl der darin vertretenen Familien
nur halb so gross ist (56), als in der Niger-Flora (116). Die
Zunahme der Gramineen, sowie der Synanthereen, Euphorbiaceen,
Malvaceen und Convolvulaceen, die bedeutend verringerte Anzahl
dagegen der Rubiaceen sind die hauptsächlichsten Unterschiede zwischen
den Vegetationscentren der östlichen Savanen und denen des
westlichen Tieflands, wogegen die Leguminosen in beiden die reichste
Familie bilden.
Die Verhältnisszahlen in der Flora Abessiniens, wie sie aus
Richard's Werk sich ergeben, sind insofern unbestimmter, als sie
die so ungleichen Organisationen der heissen Flussthäler und des
offenen Hochlands zugleich umfassen. Doch zeigt sich die Verwandtschaft
mit Nubien darin, dass die drei reichsten Familien, die
Gramineen, Leguminosen und Synanthereen dieselben sind, und dass
in beiden Ländern die Cyperaceeu, Malvaceen und Acanthaceen
mehr als 2 Proc.ent der Gesammtsumme enthalten. Der Einfluss des
abessinischen Gebirgsklimas aber ist dadurch bezeichnet, dass, während
die Verhältnisszahl der Gramineen dieselbe bleibt, die Leguminosen
abnehmen und die Synanthereen zahlreicher werden. Zu einer
vollständigeren Einsicht in den Charakter der afrikanischen Gebirgsregionen
gelangt man durch die Vergleichung der abessinischen Flora
mit dem Katalog, den Hooker von den über dem Niveau von
5000 Fuss gesammelten Pflanzen der Westküste zusammengestellt
hat^^i). In beiden Fällen enthalten die Gramineen und Synanthereen
über 10 Procent der Gesammtzahl; unter den übrigen vorherrschenden
Familien finden sich die Cyperaceen, Labiaten und Scrophularlneen;
auf dem Camerún vermindern sich die Leguminosen sehr
erheblicli, und ausserdem unterscheidet sich dieses Gebirge von
Abessinien durch die bedeutend vermehrte Anzahl der Orchideen.
Die Selbständigkeit der Flora von Sudan beruht auf den beiden
Meeren, die Afrikas West- und Ostküsten bespülen, und auf den
liimvanderungon nach Aegypten. — ViM-biudung mit Arabien. ,145
breiten AVüstengürteln, Avelche die Tropen von den gemässigten
Zonen absondern. Obgleich die maritime Entfernung der Kap-
Verden und Madagaskars nicht bedeutend ist, so Averden doch diese
Inseln von dem Kontinente durch Meeresströmtingen getrennt, welche
die Vermischung ihrer Vegetation erschweren. Auch S. Helena und
Ascension stehen durch keine Strömung mit dem tropischen Afrika
in Verbindung und behaupten daher ihre eigenthtimliche Stellung.
Aber an drei Punkten tritt Sudan mit anderen Florengebieten in eine
unmittelbare Beziehung, am Nil, am arabischen Meerbusen und in
Natal. Der Nil ist der einzige afrikanische Fluss, welcher, die
ganze Breite der Sahara durchströmend, an seinen Ufern die Pflanzen
Sudans bis zum Mittelmeer bewegen kann. Das Vorkommen der
Acacien, der Cassien und der Sykomoren in Oberägypten ist die
Folge dieses Verhältnisses, aber die Anzahl nubischer Pflanzen im
unteren Nilthal ist geringfügig, weil die Keime, die der Strom hinabführt
, nicht mehr das Klima ihrer Heimath und nur eine schmale
Strecke geeigneten Bodens finden, die durch den Anbau ihnen fast
ganz entzogen ist. Bis in die Nähe des Wendekreises aber, also bis
zur Südgrenze der eigentlichen Kulturoase Aegyptens reichen noch
manche tropische Gewächse: ungefähr der sechste Theil vonKotschy';^
nubischen Pflanzen verbreitet sich bis Oberägypten .
AVeit inniger ist der Zusammenhang Sudans mit dem tropischen
Arabien, von welchem es nur durch die Meerenge von Aden getrennt
wird. Hier wächst der Cät-Straucli {Cat/ia edulis), dessen Knospen
als Nervenreiz den Thee übertrefl^en sollen, auf den Gebirgen beider
Küsten, hier konnte die Kultur des Kaff'eebaums aus der afrikanischen
Heimath leicht nach Yemen vei'pflanzt Averden. Scliouw^-)
betrachtete Südarabien als ein selbständiges Vegetationsgebiet, welches
er nach den Balsamsträuchern {Bakanwde7idr(m) benannte, die
auch nach Sudan und Ostindien verbreitet sind. Allein nach der
Darstellung Botta's^^), dessen Sammlungen leider nicht vollständig
bearbeitet worden sind, ist die Physiognomie Yemens mit der des
östlichen Sudan übereinstimmend. Die Wälder besteheii ebenfalls
aus Acacien und haben viele Pflanzenformen mit dem Sennaar gemeinsam,
ausser den Mimosen die Sykomoren-, die Sodadaform, die
Dornsträucher, die blattlose Leptodenia. Die Succulenten werden
hier durcli die Aloeform, deren Milclisaft im Handel nach der
Gvisebach , Vegetation der Erde. Tl. \{)