
436 XX. Flora der tropischen Anden Südamerikas. Schneelinie. - Baumgrenze. 131
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Synanthereenbäume am Pichincha — 12600
Gürtel von Zwergbäumen [Polyle^ns] am Chimborazo. 12200'bis
Alpine Region. J0200'—14780' (Schneegrenze).
Region alpiner Sträucher [Chitquiraga] — 12800' [am Pichincha
~ 13300'] 20).
Bambnsengesträuch [Chiisqiiea] — 14100'.
Region alpiner Stauden [Culcitiimi] am Pichincha — 141)00'^i).
Nackte Region (Humboldt's Lichenenregion). 14200'—14780'
P e r u a n i s c h - b o l i v i s c h e An d e n [10* - 2 0 S . B. p i ) ,
Westabhang und Hochland (ohne Wald).
Kiistenregion (tropische Kulturgewächse). 0'—^3750'.
Regenlose Region der G-aruas — 1400'.
Region des Winterregens. 1400 '—3750 '.
Sierra (europäische Cerealien: Sommerregen).
Westliche Sierra. 3750'—10800'.
Westseite der östlichen Kordillere (östliche Sierra). 7500'--10200'.
Alpine Region. 10800 '—16200' [Schneegrenze22); lokal 17380'].
Region alpiner Sträucher [Chuquiraga.Baccharis) — 13100' [Senecio
ylacialis am Sorata — 15400 '23)].
Hochebene zwischen beiden Kordilleren (Punaregion). 10200 ' bis
13100'.
Ostabhang der östlichen Kordillere.
[Tropische Region (Montana). 950'—4700'.]
Kulkirgewächse des Pisang, Zuckerrohr und der Coca — 0250 '23)^
Gemässigte Region. 4700 '—10200'.
Region der Cinchonen (Ceja de la JVTontana). 4700' —7500';
Baumgrenze am Sorata aus Alnus und Escallonia, 8700 '23).
Region der Ericeen. 7500'—10200'.
Alpine Region. 10200' bis Schneegrenze.
Aus der Vergleichung der Regionen mit denen láexikos erhellt,
dass der Einflnss der geographischen Breite auf die Temperatur im
Verhältniss zu andern ihr Niveau bestimmenden Bedingungen von
verschwindender Bedeutung ist. Dies kann man nach den Temperaturbeobachtungen
selbst auch nicht einmal anders erwarten. Die
Schneegrenze liegt am Aequator nur etwa 800 Fuss höher, als in
der Nähe des nördlichen Wendekreises. In Peru dagegen und Bolivien,
wo die Wärme und Dürre des Plateauklimas in gleichem
Sinne elevirend auf sie einwirken, hebt sie sich zuweilen 2500 Fuss
höher, als in Quito. Stets entspricht sie der Linie, wo der jährliche
Schneefall mit der Auflösung des Sclmees in Tropfen oder Dampf
im Gleicligewichte stehen : von der Trockenheit der Lxift ist ihre
Lage daher ebenso abhängig, als von -der Wärme. Alle Unterschiede
ihres Niveaus, welche diesseits xmd jenseits des Aequators auf den
tropischen Anden bestehen, können als eine Folge der ungleichen
plastischen Gestalt des Gebirgs betrachtet werden.
Die Schneelinie pflegt mit den Vegetationsgrenzen in einem gewissen
Verhältniss zu stehen: die Abweichungen, welche wir in
höheren Breiten fanden, konnten aus den physiologischen Bedingungen
des Pflanzenlebens abgeleitet .werden. Auf den tropischen-
Anden bietet die Baumgrenze ein verwickeltes Problem, welches an
ähnliche Verhältnisse in Ostindien erinnert, ohne doch , wie dort,
unmittelbar aus der verschiedenen Bildung der Gebirge in der Nähe
des Aequators und Wendekreises erklärt werden zu können. Wie
auf dem Himalaja die asiatischen Baumgrenzen bei Weitem höher
liegen, als in Java, so steigt auch der mexikanische Hochwald
4000 Fuss höher, als in Quito am Aequator und bleibt auch an denjenigen
Abhängen der südamerikanischen Anden, die aus den Passatwinden
kräftig befeuchtet werden, überall weit unter den mexikanischen
Werthen zurück. Nicht der ungeeignete Boden vulkanischer
Gerölle, wie in Java, nicht Mangel an Wärme oder Feuchtigkeit kann
der Depression der Wälder zu Grunde liegen, die in dem ganzen
Zuge der Kordilleren von Neu-Granada bis Bolivien sich gleich
bleibt, mag die Oberfläche des Gebirgs aus Laven oder krystallinischen
Gesteinen bestehen, mag dasselbe schmal oder plateaumässig
erweitert, mag es feucht oder dürr sein. Dass hier noch weniger,
als in Mexiko, ein mittlerer klimatischer Grenzwerth des Baumlebens
erreicht werde, scheint daraus hervorzugehen, dass einzelne, wenn
auch nur zwerghaft wachsende Arten von Bäumen , weit oberhalb
des Hochwalds gefunden werden, am Chimborazo, wie am Orizaba
in Mexiko. Aber warum bleiben die Stämme dieser Bäume klein,
wenn nicht aus klimatischen Ursachen? Die Anhäufung der höchsten
Vulkankegel der Erde und anderer Bergkolosse, von denen viele
sich weit über die Schneegrenze, an 20000 Fuss und höher erheben
und deren Zusammenhang bald durch nackte Hochflächen, bald durch
tief eingeschnittene, warme Thalfurchen unterbrochen wird, giebt zu
jenen mit beispielloser Gewaltsamkeit eintretenden Erschütterungen
der Atmosphäre Anlass, die eine'Folge -der Ausgleichungen der
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