
276 XIII. Prairieengebiet.
Nordamerikanische Salzwüste. — Südliche Prairieen. 277
ist der Juli der einzige Monat, in dem es keine Nachtfröste giebt
In den Waldungen am Stromufer hingegen erhält sich das Laub bis
m den Oktober. Erst im November gefriert der Missouri, dann bleibt
der Schnee liegen und schwindet erst wieder im März. Die Erdkrume
in diesen Prairieen besteht aus einem sandigen Thonboden
der oft salinische Gemengtlieile einschliesst. Dennoch würde er für
den Ackerbau fruchtbar genug sein, wenn der vom Hochlande der
Rocky Mountains unaufhörlich wehende Wind ihn nicht so sehr austrocknete.
Die Indianer bauen hier zwar Mais, aber mit Erfolg
nur in den Stromniederungen, die gegen den Westwind geschützt
sind. Kulturoasen von Bedeutung können in den Prairieen überhaupt
nur da entstehen, wo, wie am Salzsee von Uta, eine Irrigation
des Bodens möglich ist. Auch in Neu-Mexiko ist der Ackerbau allgemem
an künstliche Bewässerung gebunden, wird aber, wie Emory 3]
bemerkt, unter amerikanischer Herrschaft stets darnieder liegen,
weil die bei einem solchen System nothwendige despotische Verwaltung
der Gemeinden zu wenig mit den dortigen Sitten übereinstimmt.
Aus der höchsten Bodenanschwellung der nördlichen Prairieen
[5600 Fuss2)] erheben sich die Rocky Mountains als waldige Ketten
oder m einzelnen Gipfeln, zwischen denen die Pässe, die hinüberführen,
den Steppencharakter bewahren. Sobald die Ansiedler, die
mit ihren Lastthieren vom Missisippi nach Kalifornien ziehen diese
Wasserscheiden uberschritten haben, beginnen die Schwierigkeiten
das Vieh zu ernähren und zu tränken. Auf der Abdachung zum
Tieflande wurde die Ebene von zahlreichen Flusslinien durchschnitten,
nur selten fehlte es an trefflichen Weideplätzen, wo die Büffel
zur Jagd einluden und in unermesslichen Schaaren die Einöde belebten.
Nun aber ist selten noch ein jagdbares Thier zu erbeuten
es folgt zwischen den Gebirgspässen und der Sierra Nevada im
Niveau von etwa 4000 bis 5000 Fuss, ein wüstes, zum grossen Theile
nnbewohnbares Hochland, eine vom Oregon und Colorado umflossene
Mulde mit vereinzelten Hebungssystemen, die nach Bodenbeschaffenheit
und Gefälle mit den unwirthbarsten Gegenden Persiens verglichen
werden kann. Dies ist die nordamerikanische Salzwüste
welche nach Fremont i) das grosse, innere Bassin genannt wird!
Hier ist der ebene Boden ohne Wasser, ohne Graswuchs, viele
Tagereisen weit dürr und quellenleer; die Binnengewässer, die in
den Gebirgen entspringen, versiegen in der Wüste oder in salzigen
Seen. Von den Prairieen des Missouri und Oregon unterscheidet
sich die Salzwüste durch excessive Dürre, felsigen Boden mit vulkanischen
Gesteinen, durch allgemeineren Salzgehalt der Erdkrume
und zufolge dieser Bedingungen durch den Mangel an Weidegründen.
Doch giebt es da, wo die von den Gebirgen einströmenden Flüsse
weniger tief in die Ebene einschneiden, oder vermöge der aufgesetzten
Bergmassen selbst gewisse Linien, auf denen, wie in der Sahara,
die Durchmärsche selbst mit Heerden möglich sind, oder auch von
der allgemeinen Oede ausgesonderte Oasen, unter denen die der
Mormonen von Uta die bedeutendste zu sein scheint. In der Breite
dieser Ansiedelungen (41 ^ N. B.) ist der Durchmesser der Salzwüste
am grössten und beträgt wenigstens 120 g. M e i l e n V o n hier aus
nehmen die Niederschläge sowohl in westlicher als in südlicher Richtung
rasch ab und fehlen zuletzt auf weiien Strecken ganz , indem
von der Binnenseite der Sierra Nevada bis zum Gila (SS^N. B.)
regenlose Landschaften sich ausdehnen. Da auf allen Seiten die
Salz wüste von höheren Gebirgen umgeben und durchsetzt wird, so
hat jede Luftströmung, aus welcher Richtung sie auch wehen mag,
ihren Wasserdampf verloren, ehe sie das Innere dieser Mulden erreichen
kann. Am Südrande, wo der Gila sich mit dem unteren
Colorado vereinigt, beträgt die jährliche Regenmenge nur 3 Zoll.
Die Vegetation besteht im Bereich der ganzen Salzwüste fast nur aus
zerstreut wachsenden Chenopodeensträuchern {Sarcobattis, Atriplex
canescens) und geselligen Artemisien, oft ist der Boden von organischem
Leben durchaus entblösst.
Während im Norden die Prairieen durch die Baumgrenze des
Waldgebiets am Saskatchawan und Kolumbia scharf abgeschlossen
sind, ist der üebergang zu den tropischen Landschaften Mexikos im
Süden ein allmäliger und wird durch ununterbrochene Hochebenen
vermittelt. In Neu-Mexiko verlieren sich die Ketten der Rocky
Mountains in der Fläche des Hochlandes, durch einen weiten Raum
ist hier der Zusammenhang der grossen Meridiangebirge Amerikas
unterbrochen. Da diese Lücke zwischen den Rocky Mountains und
den mexikanischen Anden durch das Tafelland der südlichen Prairieen
gleichmässig ausgefüllt wird und die nach Westen oder nach
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