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der plastischen Gebirgsgestalt auf die Anordnung der Kegionen, dass
in Abessinien Baumformen bis in die Nähe ewigen Schnees reichen
und doch nirgends grosse Waldgürtel vorhanden sind, am Camerún
hingegen die Bäume in das gemässigte Klima kaum eintreten, die
tropischen zu dichtem Urwald verbunden sind.
Ueber die Gebirgsregionen im Süden des Aequators fehlen genauere
Nachrichten bis jetzt fast ganz. Den ewigen Schnee des
Kilimandscharo erreichte Decken nicht und über seine botanischen
Sammlungen ist wenig bekannt geworden. Die Waldgrenze
des gegen 17500 Fuss hohen Berges wurde im Niveau von
9400 Fuss überschritten, die Schneelinie aus der Ferne auf etwa
16000 Fuss geschätzt^«). Am Küstengebiete Quathlambain
Natal, welches 10000 Fuss hoch sein soll, bekleidet tropischer Wald
die unterste Region über den Mangroven, dann folgen Bergsavanen
und darüber ein Waldgürtel von Podocarpus, allein die Niveaugrenzen
sind nicht gemessen worden.
Tegetationscentren. Der verhältnissmässig geringe Reichthum
der Flora von Sudan ergiebt sich schon aus dem beschränkten
Umfange der Pflanzensammlungen, welche bisher wissenschaftlich
bearbeitet worden sind. Die Ausbeute Leprieur's und Perrotet's
während eines fünfjährigen Aufenthalts in Senegambien wurde auf
1600 Pflanzenarten geschätzt, und selbst diese Ziifer ist wahrscheinlich
zu hoch, da in Hooker's Niger-Flora, welche alle damals (im
J. 1849) von der ganzen afrikanischen Westküste bekannten Gewächse
aufzählt, nur 1870 Phanerogamen erwähnt werden. Das
auf die umfassenden Sammlungen Schimper's, Dillon's und Petit's
gegründete Werk Richard's über die Flora von Abessinien enthält
1652 Arten, und erst Mann ist es durch seine Thätigkeit an der
äquatorialen Westküste gelungen, ein Material herbeizuschaffen,
welches sich auf 3000 Arten belaufen soll. Vergleicht man damit
die Ergebnisse aus anderen Tropenländern, zum Beispiel den Umfang
der Sammlungen Humboldt's, Martins' und Gardner's aus Amerika,
Wallich's und der Niederländer aus Asien, von denen jede
einzelne auf 6—8000 Arten geschätzt werden kann, so darf man
annehmen, dass Sudan nicht halb so viele verschiedene Organisationen
erzeugt hat, wie andere Gebiete von ähnlichem Klima. Noch
viel auffallender aber erscheint die Pflanzenarmuth des tropischen
Einförmigkeit der Flora. 141
Afrikas, wenn wir ihr den Reichthum der Flora des Kaplandes
gegenüber stellen, wo auf so engem Räume und auf einem geognostisch
übereinstimmenden Boden nicht selten Sammlungen entstanden
sind, welche die aus dem Sudan angeführten um das Drei- bis Fünffache
in ihrer Artenzahl übertreffen. Diese Gegensätze können hier
so wenig, wie anderswo, aus physischen Bedingungen erklärt werden,
sie sind eine Eigenthümlichkeit der Vegetationscentren selbst.
Nicht die Einförmigkeit des Klimas und der plastischen Gestalt der
Oberfläche erläutert die Armuth der Flora von Sudan genügend, da
die Anzahl der endemischen Arten in den einzelnen, genauer erforschten
Gegenden zu gross ist und also eine Reihe selbständiger
Vegetationscentren bereits nachgewiesen werden kann. So fanden
sich in der nubischen Sammlung Kotschy's nach Schnizlein's Untersuchung
unter 400 Arten 120, die bis zur Westküste von Senegambien
und Guinea verbreitet sind, 44 0 auf Nubien eingeschränkt.
Die Vegetationscentren selbst zeigen sich "dürftig in ihren Erzeugnissen,
sowohl im Tieflande, als im Gebirge. Mann hat in der oberen
Region des Camerún nur 237 Phanerogamen45) aufzufinden vermocht,
und unter diesen ist wenig mehr als ein Drittheil, also ungefähr
dasselbe Verhältniss endemischer Arten enthalten, wie in jener
Sammlung aus den Ebenen Nubiens. Noch weit geringfügiger war
Mann's Ausbeute bei seinen wiederholten Besteigungen des über
10000 Fuss hohen Gebirgs von Fernando Po (über dem Niveau von
5000 Fuss nur 76 Arten). Reicher als Nubien ist Senegambien an
eigenthümlichen Pflanzen, und die grösste Zahl endemischer Arten
hat bis jetzt Abessinien geliefert: etwa 1200 Arten, also mehr als
zwei Drittheile der Gesammtzahl iß), erschienen zur Zeit der Herausgabe
von Richard's Flora als endemische, aber hie von sind jetzt
gegen 120 abzurechnen, die Mann am Camerún wiedergefunden hat.
Abessinien hat denselben Vulkanboden, wie der pflanzenarme Camerún,
aber allerdings einen weit grösseren Umfang und eine mannigfaltig
gegliederte, reicher bewässerte Oberfläche. Sennaar und
Kordofan, wo Kotschy sammelte, sind gewiss ebenso fruchtbar wie
Senegambien, ebenso wechselnd in der Vertheilung von Wald und
Savanen, und doch war die Ausbeute jenes unermüdlichen Reisenden
so unbedeutend. Die ungleiche Ergiebigkeit der verschiedenen Vegetationscentren
scheint auch von der geologischen Geschichte Afrikas
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