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160 IX. Kalnliari.
Gegenden Eisbildung oder ßeif, und einmal schneite es sogar einen
ganzen Tag lang. Noch im Oktober, also in der Mitte des Frühlings;
ereignete es sich einmal, dass das Thermometer früh Morgens
— R. unter dem Gefrierpunkt stand, aber an dem Nachmittage
auf 22 0 Wärme stieg. Vergleicht man BurchelFs Messungen, die in
die Jahre 1811 und 1812 fallen, mit den Angaben der neueren Zeit,
so findet sich keine solche Verschiedenheit, dass man annehmen
müsste, die fortschreitende Ausrottung der Wälder habe seitdem
einen nachweisbaren Einfluss auf die, Wärme der Kalahari geäussert.
Yegetationsformen. So gross auch die Aehnlichkeit der
Temperaturverhältnisse ist, welche die beiden Wendekreiswüsten
Afrikas verbindet, und so sehr diese Uebereinstimmung der physischen
Lebensbedingungen durch die Dürre des Bodens und durch
die sandige oder steinige Beschaffenheit der Erdkrume gesteigert
wird, so erinnert die Vegetation der Kalahari doch nur selten an die
Oede der Sahara. Ein grosser Theil des Tafellandes ist mit Holzgewächsen
bedeckt, in gewissen Gegenden kommen Savanen vor,
deren Graswuchs denen Nubiens nicht nachsteht, und wo der nackte
Wüstenboden jedes organischen Bildungstriebes beraubt scheint,
harren nur die überall verborgenen Keime des befruchtenden Regens,
um sich zu entwickeln. Die einzige Landschaft, die wahrscheinlich
nirgends zum Weidegrunde sich eignet, ist die Küstenregion, die,
bald aus lockeren Sauddünen gebildet, bald nackt von anstehendem
Felsgestein, das Bild der Sahara wiederholt und nur eine äusserst
dürftige Vegetation, hier und da ein wenig verkümmertes, niedriges
Gebüsch von graugrüner Färbung oder ärmliche Grashalme erz
e n g t U n d doch hat gerade dieser regenlose Landstreifen in der
Welwitschia die merkwürdigste Pflanzenform des ganzen Gebiets geliefert,
die, durch eine meisterhafte Monographie erläutert uns
nun als eins der höchsten Kunstwerke erscheint, welches die organische
Natur unter den ungünstigsten Bedingungen und mit den einfachsten
Werkzeugen geschaffen hat.
Doch haben wir hier nur die klimatische Seite dieser Organisation
zu besprechen, und hiefür ist es sogleich charakteristisch, dass
das Gewächs, Avelches von den Eingebornen am Kap Negro Tumbo
genannt wird, von Welwitsch gerade hier in Süd-Benguela ; 1 S. B.
liolzgewächse. Welwitschia. 161
entdeckt ward, wo die Regenlosigkeit der Küste beginnt. Eine völlig
dürre Ebene, G g. Meilen landeinwärts von cler Hafenstadt Mossamedes
(15<'), triigi ausser der Welwitschia nur weniges Gras und
keine andere Vegetation. Der zweite bekannte Standort liegt im
Daraara-Lande, wo Andersson und Baines die Welwitschia in der
Nähe der Walfischbai und weiter südwärts (23—25" S. B.) beobachteten.
Neben der Walfischbai mündet de^r periodisch iiiessende
Swakop-Fluss, an dessen Ufern das Gewächs üppiger gedeiht. Regen,
berichtet Andersson, fällt auf dasselbe selten oder niemals herab.
Es wird daher dessen mächtige, grosstentheils unterirdisclie Holzmasse
durch das Grundwasser des Flusses, sowie durch die reichlichen
Thauniederschläge ernährt, welche der 'Küste des Damara-
Landes eigen sind und, jede Nacht den Boden befeuchtend, nur
durch die Winternebel unterbrochen werden, die ebenfalls die Pflanze
feucht erhalten. Berücksichtigt man zugleich die tropische Gleichmässigkeit
der Temperatur dieser Wüstenküste, so bestehen die
äusseren Lebensbedingungen der Welwitschia darin, dass sie
ununterbrochen vegetiren kann, oline durch irgend einen erheblichen
Weclisel der Jahrszeiten, weder durch Kälte noch Trockenheit
zu periodischem Stillstand ihrer Bildungsprocesse genöthigt
zu sein.
Als Pflanzenform scliliesst sich die Welwitschia, die zu der
Familie derGnetaceen gehört und also systematiscli der in der Sahara
einheimisclien Gattimg Epliedra zunächst verwandt ist, durch ihre
vegetativen Organe an die Zwergpalme, indem ihre Holzmasse keilförmig
in den Erdboden eingesenkt ist und, wie eine flache Tafel
oder Tischplatte, nur wenige Zoll hocli aus dem Boden hervorragt.
Aber im Alter übertrifft sie, da ilir transversales Wachsthum nicht,
wie bei den monokotjdedonischen Holzgewäclisen, beschränkt ist, die
Zwergpalmen bedeutend durch die horizontale Entwickelung ihrer
Holzmasse, deren Umfang zuweilen 12 bis 14 Fuss erreicht. Das
Merkwürdigste in der äusseren Organisation der Welwitschia aber
besteht darin, dass sie während einer, wie behauptet wird, hundertjährigen
Dauer ihres Lebens und stetigen Wachsthums überiiaupt
ausser den Fruclitzapfen nur zwei LJchilfähnliclie, schlaff niedergestreckte
, aber unvergängliche Blätter erzeugt, die aus den eingefurchten
Seiten des Holzkörpers entspringen. Dies sind die
Gri sei) a c h , Vegetation der Erde. II.