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So scharf die grosse Ordnung der Nager als solche durch ihren
Zahnhau von den übrigen Säugethieren getrennt ist, so hat doch die
natürliche Grnppirung derselben in Unterabtheilungen bis auf die neueste
Zeit keinen glücklichen Erfolg gehabt, obgleich sie auf das Mannigfaltigste
versucht wurde. Zwei gediegene Arbeiten, die eine von Water-
house (Observations on the Rodentia etc. Loud. Mag. of Nat. hist.
1839), die andere von Prof. A. Wagner (Gruppirung der Nager in
natürliche Familien etc. Wiegmann Archiv für Naturgesch. 1841. I.
p. 111), haben endlich die sehr gefühlte Lücke ausgefüllt. Erstere
ist etwas zu einseitig, da ausschliesslich ein einziges Moment, nämlich
der Unterkiefer, hervorgehoben wird, wobei wenig scharf begränzte
Abtheilungen entstehen, was weniger der Fall bei den Familien ist,
wo der ganze Schädelbau berücksichtigt wird. Bei Professor Wagner’s
Arbeit ist aber eben so sehr auf das ganze Knochengerüste, als auch
auf die VVeichtheile Rücksicht genommen und 1. c. die Charactere der
Familien mit Umsicht und Genauigkeit angegeben. Rer Verfasser hat
später in Schreber’s Säugethieren Supplem. IV. V. mit grosser Sorgfalt
die Genera und Species dieser Ordnung beschrieben und tjabei
seine früher vorgeschlagene Eintheilung gerechtfertigt. W ir werden
bei der Beschreibung der peruanischen Nager diese letztere Classification
zu Grunde legen.
GEOGRAPHISCHE VERBREITUNG.
Es gibt kaum einen Theil der bewohnten Erde, welcher nicht
irgend einen Repräsentanten dieser Ordnung aufzuweisen hätte. Innerhalb
der Polarkreise und unter dem Aequator, in den brennend heissen
Ebenen der Tropen und an der Glänze des ewigen Schnees, auf den
höchsten Gipfeln der mächtigen Gebirgszüge treten uns Nager entgegen
und wetteifern in ihrer Verbreitung mit den Raubthicren. Ihre numerische
Verkeilung yariirt aber nach den Localitäten sehr bedeutend;
einen interessanten Beleg dafür gibt Peru. Von den 25 Species »)’
die wir hier aufzuzählen haben, kommen am Küstenstriche nur drei
yor, während in der Waldregion die vierfache Anzahl gefunden wird.
Auffallend ist es, dass von allen diesen Arten keine einzige durch alle
Regionen vorkömmt, wie wir Beispiele hed den drei vorhergehenden Ord-
nungen gesehen haben, Entweder erstreiken sie sich vom Mittelstriche
nach Westen, oder kommen im Oststriche und Weststriche, aber nur
in den tiefer gelegenen Regionen, zugleich vor, oder sind einem von
denselben feigenthümlich. 12 Arten sind bis jetzt nur in Peru gefunden
worden, 7 kommen auch im östlichen tropischen Südamerika vor,
5 nach Süden in Bolivia und Chile und 3 fast überall, wö der Mensch
sich eine bleibende Wohnstätte aufgeschlagen hat.
Den ansgebreitetsten Verbreitungsbezirk kaben die Genera Sciurns,
Hesperomys und Dasyproctä, denn sie kommen in den unteren Regionen
des Ost- und des Weststriches vor. Dem Oststriche ist keine
Gattung eigenthümlicM). Im Mittelstriche und dem Oststriche zugleich
findet sich nur Eriomys;. im ersteren ausschliesslich die Gattungen La-
gidium, Octodon und Acodön. Dem Mittelstriche und Weststriche
zugleich gehört keine Genus an; für den Weststrich sind folgende
charakteristisch: Echinomys, Lepus, Ccelogenys, Hydrochcerus, für die
untere Waldregion: Myopotamus; für die Cejaregion: Sphingurus und
Drymomvs für die tiefe und heisse Waldregion.
Die Nager haben in Peru ihre Elevationsgränze bei 16,000' ü. M.
ihr Maximum, sowohl an Genera und Species, als auch Individuen
erreichen sie zwischen 2 ^ 6 0 0 0 ' ü. M. im Oststrieh; diesem folgt an
Artenmenge der Weststrich, an Individuenmenge aber der Mittelstrich.
) Mär sind“ überzeugt, dass die Anzahl der in Peru vorkommenden Arten von Nager die an-
gfgehene Nommer bedeutend übersteigt, besonders in der Familie der Morina, bei der es So
i H i i S,lcl* d,e B l ™ verschaffen; aber wir können hier nur diejenigen aufnehmen,
Existenz daselbst mit Sicherheit nachgewiesen ist.
Die Gattung Cavia, wenn man C. cobaya als Hausthier nicht mitzählt.