
Ph. erythromos und oporaphilum, dass wir mit Schmetterlingsscheeren
und Handtüchern • gegen sie zu Felde rücken mussten und uns oft
genöthigt sahen, die Hütte zu verlassen, denn sie stürzten sich immer
gegen die Lampe und löschten sie aus und kehrten, auch nach Entfernung
der Früchte und nach wiederholtem Wegjagen, immer wieder
zurück. Fast jede Nacht fingen wir in den kleinen Fallen, wenn wir
Früchte als Köder auflegten, eine Blattnase. W ir haben das Ansaugen
der Phyllostomen häufig an Früchten, aber auch an Thieren beobachtet.
Mit halb geöffneten Flügeln setzen sie sich auf den auserwählten Punkt,
setzen die Schnauze auf und reiben sachte mit derselben, als ob sie
die Stelle abschaben wollten, so lange, bis die Zähne die äussere
Bedeckung durchbohrt haben; ist das geschehen, so ziehen sie die
Flügel-an den Leib zusammen,. strecken sich etwas aus und appliciren
erst dann die Saugnäpfchen. Die Annahme einiger Beobachter, als
werde der Saugapparat früher als der Biss angebracht, um den Theil
zu betäuben und gegen diesen empfindungslos zu machen, können wir
nicht theilen, denn wir haben immer die Abdrücke der Zähne vor
denen der Saugnäpfchen gesehen, wenn wir eine Blattnase wegscheuchten,
die eben im Begriffe war, sich anzusaugen; Hessen wir das Thier
aber bis zum vollständigen Ansaugen sitzen, so sahen wir letztere
ebenfalls sehr deutlich. Eben so wenig haben wir das so bekannt
gewordene Fächeln mit den Flügeln während des Saugens je bemerkt,
ohne desshalb die Möglichkeit davon abzusprechen; wohl aber sahen
wir eine leichte Bewegung des Körpers der Länge nach wie ein Hinauf-
und Herunterrutschen (nicht mit dem Athmen zu verwechseln, wobei
der Körper mehr gehoben wird). Nach unserer Ansicht sind die Phyllostomen
von der Natur nicht zum Saugen von Blut, sondern von
Früchten angewiesen, werden aber durch den Zufall, besonders durch
Hunger, auf ersteres geführt und setzen es, indem sie Geschmack daran
finden, so lange fort, als sich Gelegenheit dazu darbietet. Es ist
bekannt, dass ste besonders einige Hausthiere, ja sogar Menschen
ansaugen; Pferde und Rinder, also Thiere, die kurzes, glattes Haar
haben, sind ihren Angriffen vorzüglich ausgesetzt. Es ist uns nicht
bekannt, dass Hunden, Katzen, Schweinen,- Ziegen oder Schafen von
Blattnasen Blut entzogen wird, was wir nicht dem leiseren Schlafe
dieser Thiere, sondern der längern Körperbedeckung zuschreiben. Ob
sie auch den' wilden Thieren mit kurzen, glatten Haaren, z. B. der
Felis concolor, F. onza etc. nachstellen, muss dahin gestellt bleiben -
wir bezweifeln es aber sehr. W ir hatten ein Maulthier zwei Monate
lang neben unserer Hütte, in welcher sich alle Abende Dutzende von
Phyllostomen einfanden, ohne dass sie während dieser ganzen Zeit
versucht hätten, dasselbe durch feindliche Angriffe zu belästigen, bis
einer von ihnen, wahrscheinlich vom Hunger getrieben, die Bahn
brach und von nun an dem armen Thiere so sehr zusetzte, dass es
alle Morgen dicht mit Blutkrusten bedeckt war. W ir konnten es nur
von dem Erschöpfungstode erretten, indem wir ein Liniment aus Kam-
pherspiritus, Seife und Naplita bereiteten und ihm damit alle 5 bis
6 Tage einmal den Rücken einrieben; der penetrante unangenehme
Geruch dieses Mittels war so wirksam, dass sich kein Blutsauger
mehr an das Maulthier wagte. W ir erprobten später an andern Lokalitäten
diese Einreibungen mit demselben günstigen Erfolge. Es ist
leicht erklärlich, dass an den Orten, wo viele Lastthiere oder Rindvieh
beisammen sind, wie in den Plantagen, und wo keine Versuche
gemacht werden, diese Thiere zu schützen, die Phyllostomen, wenn
sie einmal angefangen haben Blut zu saugen, zu gefährlichen Feinden
und zu einer währen Landplage heranwachsen können und so die
Klagen vieler Reisenden, welche wegen Erschöpfung ihrer Thiere in
die unangenehmsten Verlegenheiten gerathen, zu rechtfertigen. Was
endlich noch die, schon oft in Zweifel gezogene, Frage betrifft, ob die
Blatthasen sich auch an Menschen wagen, so können wir sie durchaus
bejahend beantworten und führen folgendes Beispiel (freilich das einzige
uns mit Sicherheit bekannte) an. Ein betrunkener Indianer legte sich
des Abends im Hofe einer Plantage schlafen; bald wurde er von einem
Ph. erythromos umschwärmt, welcher auch nicht zögerte, sich auf die
Nase des Schläfers niederzulassen und die Blutentziehung zu beginnen.
Nach ungefähr einer Viertelstunde rollte er vollgesogen über das Gesicht
des Indianers herunter und wurde lebend ergriffen. W ir haben
das Exemplar mit nach Europa gebracht.
Geographische Verbreitung. Die Phyllostomen kommen nur in der
Waldregion, aber in grosser Menge, vor und ziehen die feuchten,