
ü. M. erhabenen Wälder, also durch das Flachland und die niedern
Waldregionen von Brasilien, Guyana etc. verbreitet sich der B. pte-
rocles. Höher hinauf erscheinen Formen, die es auf den ersten Anblick
zweifelhaft machen, ob sie zu B. pterocles oder B. tricolor gezählt
werden dürften. In Mato grosso, an der brasilio- bolivianischen
Gränze, tritt schon der B. tricolor auf, der sich von 3 0 00' ü. M. durch
die höhern Waldregionen der Cordilleras, Sierra bis zur Küste des
stillen Oceans ausbreitet. Sowohl unter dem Aequator als in den kalten,
südlichen Theilen Chile’s wird er getroffen; je näher der Linie,
desto höher im Gebirge; je näher der kalten Zone, desto mehr in den
Niederungen.
4. Gen. CIMCAETUS« Vieill.
1. C. SOLITARIÜS. Tsch. Taf. II.
C. ardesiacus; hypochondriis femoribusque nigricantibus; cauda fascia
alba in medio et altera angusta in apice.
Der ganze Körper, sowohl oben als unten, ist dunkel grauschwarz,
nur die Weichen und Schienen sind tiefer gefärbt; die Fittigfedern
und der Schwanz sind ganz schwarz; über letzteren verläuft ungefähr
im hintern Drittel eine breite weisse Binde. Die Schwanzspitze ist von
einem schmalen weissen Saume eingefasst. Es ist keine Spur von auf-
richtbarer Haube auf dem Kopfe.
Die TVachshaut und die Tarsen sind lebhaft gelb, der Schnabel
schwarzbraun, die Nägel dunkel graubraun, die Dis lebhaft braun.
Ganze Länge 2 ' 3", Schnabel 1" 11'", Flügel 1' 7" 10"', Tarse
4 " 8 '". Verhältniss der Tarse zum Flügel 1 : 3.
W ir haben nur ein einziges Exemplar von diesem Adler gesehen.
W ir beobachteten ihn mehrere Tage in der Umgegend unserer Hütte
in den dichten Urwäldern des Chanchamayo, ehe es uns gelang, ihn
zu erlegen. E r hielt sich immer auf den höchsten Bäumen auf und
flog beim geringsten Geräusch weg, kehrte aber lang darauf wieder
zurück. Es war ein Männchen; sowohl nach dem Gefieder, als nach
der Schwierigkeit, mit der sich die Haut von den Muskeln trennte, zu
urtheilen, war es ein altes Individuum.
3. Gen. MOMPMNUS® Cuv.
Der Schnabel ist von der Länge des Kopfes, fast gerade an der
Basis, stark, hoch, mit abgerundeter Firste und einem starken Zahne
am Tomienrande. Die Nasenlöcher sind lang, schmal, fast vertical.
Die Flügel sind kurz, die Schwungfedern verhältnissmässig lang; die
Tarsen dick, stark, nackt, beschildert; die Zehen sind kurz; die Nägel
sehr stark gebogen, gross, schärf, besonders der des Daumens.
»Cuvier theilte bei Aufstellung seines Genus Morphnus dasselbe in
zwei Abtheilungen; 1. mit unbefiederten Tarsen: F. guyanensis Daud.
und F. urubitinga Lin.; 2. mit befiederten Tarsen: F. occipitalis Daud.
und F. ornatus Daud. Wras Cuvier unter dem Namen Morphnus begriff,
nannte Vieillot Spizaetus. Die spätem Autoren, denen die Unterschiede
der beiden Cuvier’schen Abtheilungen hinlänglichen Grund zu einer
Trennung darzubieten schienen, haben den Namen Spizaetus für die
hierher gehörenden Falken mit befiederten Tarsen beibehalten und so
das Genus Morphnus auf diejenigen mit unbefiederten Tarsen beschränkt.
Dieser Annahme ist man bis auf die neueste Zeit eben so allgemein gefolgt,
als man jede andere Beschränkung des ursprünglichen Genus
Morphnus für einen Verstoss gegen die Gesetze der Priorität und die
historische Entwickelung der Systematik betrachten muss 2). Eine genauere
Untersuchung des Genus Morphnus in seiner jetzigen engen Be-
gränzung ergibt uns eben so deutlich den F. guyanensis als Typus, als
es den F. urubitinga L. als vielfach abweichend, irriger Weise liieher
gestellt, wegweist. Nach Entfernung dieser Art (siehe Genus Hypo-
morphnus) bleibt somit nur die eine, von Cuvier an die Spitze gestellte
Species, welche zugleich Typus ist, zurück. Ich habe derselben eine
*) Die Hauptkennzeichen des so begränzten Genus Spizaetus sind: befiederte Tarsen, entwickeltere
Zehen, proportionirtere Krallen, schwächerer, weniger hoher Schnabel, grössere, mehr
rundliche Nasenlöcher. C.
~l J» Kaup 1. c. pag. 115 beschränkt den Namen Morphnus auf diejenigen Arten, welche
befiederte Tarsen haben, »weil Cuvier den Namen Morphnus den Griechen entlehnte und ein den
Griechen entlehnter Name nicht leicht auf Formen der neuen Welt übertragen werden kann.«
Die Durchführung dieser Ansicht würde zur Verwerfung vieler guter Gattungsnamen führen, das
Gesetz der Priorität auf das empfindlichste verletzen und das Heer der Synonyme unnöthiger
Weise noch mehr yergrössern. C.