
durch Genickbisse tödten. —4-. Das Fleisch schmeckt gut, ist aher auf
keine Weise mit dem unseres europäischen Hasen zu vergleichen. Die
feine lange Wolle wird abgerupft, was sehr leicht geht, da sie beim
leisesten Ziehen ausfallen, und gesponnen. Aus den Haaren werden
gewöhnlich Handschuhe gestrickt, die zwar sehr warm sind, aber doch
nur sehr kurze Zeit dauern. ' Zweckmässiger ist ihr Gebrauch mit
Vicufiawolle untermischt zu Schärpen, mit denen sich die Reisenden
Gesicht und Hals einhüllen, um sich gegen den schneidenden, eiskalten
Punawind zu schützen. Die Felle werden auch ausgefiihrt. W ir haben
uns in Berlin in mehreren Pelzwaaren-Magazinen nach den sogenannten
Chinchillafellen ungesehen und unter denselben drei verschiedene
Species gefunden, nämlich kleine feine von E. laniger, zum Werthe
von 15 — 20 Thaler das Dutzend, und grössere, weniger weiche zu
4— 6 Thaler das Dutzend; letztere gehörten den beiden Species von
Lagidium an; es sind aber gewöhnlich unter zehn Fellen acht von L.
peruvianum und nur zwei von L. pallipes. Man hat bisher fälschlich
angenommen, dass die Felle der Viscachas von Peru über Buenos-Ayres
nach Europa ausgeführt werden. Alle Felle von JNordbolivia nnd Peru
werden in den Häfen der Westküste, vorzüglich in Cobija, Aricä und
Islay verschilft. Nur die von Südbolivia und den nördlichen chilenischen
Cordilleras gelangen über Buenos-Ayres in den europäischen
Handel. Es ist daher auch, wie oben schon bemerkt, sehr unwahrscheinlich,
dass die Felle von Enomys Chinchilla über die argentinische
Republik nach der alten Welt gelangen sollten, da diese Thiere
fast ausschliesslich im Weststriche leben.
Da Garcilaso de la Vega so häufig bei den Viscaclias citirt wird
und dpeh nur Wenige gelesen haben, was er darüber sagt, so halten
wir es nicht für überflüssig,’ hier wörtlich zu übersetzen, was er in
den Coment. reales part. prim. Lib. VIII. Cap. XVII. Fol. 216 über
diese Thiere sagt: »Es gibt noch eine andere Art von Kaninchen
»(vorher sprach er von der Cavia copaya), welche man Viscacha nennt;
»sie hat .einen langen Schwanz wie. die Katze und lebt in W ü s te n ,
»wo ewiger Schnee vorhömmt, aber nichts desto weniger geht man
»dahin und tödtet sie. Zur Zeit der Könige (Incas) nnd viele Jahre
»nachher (was auch ich noch erlebte) gebrauchte man das Haar der
»Viscacha und spann es allein, nm an den feinen Kleidern, welche
»man webte, verschiedene Farben hervorzubringen. Ihr Haar ist hell
»pardelfarben (pardo claro) aschgrau und ist weich und fein; es war
»von den Indianern sehr geschätzt und nur für die Kleider der Edeln
»gebraucht.«
Aus dieser Angabe von Garcilaso de la Vega, die eine der ausführlichem
der ältesten Schriftsteller über Südamerika ist, sieht man
leicht, wie wenig ein bestimmter Schluss daraus auf die eine oder andere
Species zu ziehen sei. Wenn übrigens noch eine Deutung gestattet
werden könnte, so möchten wir sie nach dem Gesammtcindrucke
der Färbung auf L. pallipes beziehen.
Geographische Verbreitung. Der Verhreitungsbezirk der beiden
Arten dieser Gattung liefert einen neuen Beweis für ihre specifische
Verschiedenheit. Während nämlich L. peruvianum nur auf dem südperuanischen
und auf dem bolivianischen Plateau vorkömmt, dehnt sich
L. pallipes über die Puna- und Cordilleraregion des mittlern und nördlichen
Peru bis nach der Bepublica del Ecuador aus. Diese geographische
Verbreitung erinnert an die von Eriomys laniger und E. Chinchilla,
von denen erstere auch ausschliesslich dem aussertropischen Südamerika
angehört. Nur die Puna - und Cordilleraregion werden von den
Viscachas bewohnt, also eine Höhe zwischen 1 2 ,0 0 0 ||f 16,000' ü. M.
Tiefer als 11,000/ steigen sie nicht nach der Sierraregion hinunter;
wenn man hin und wieder schon bei 9— 10,000' Viscachas sieht, so
sind sie immer einzeln oder paarweise, nie aber wird man jene zahlreichen
Schaaren finden, welche höher hinauf den kahlen Felsen und
der stiefmütterlichen Vegetation allein noch das Gepräge des Lebens
aufdrücken. Wenn aber Beisende von Viscachas in tiefer gelegenen
Thälern sprechen, so sind ihre Angaben irrig und beruhen auf einer
Verwechselung mit E. chinchilla: Der höchste Punkt, auf dem wir
eine sehr grosse Schaar von Viscachas beobachtet haben, liegt auf
einer Höhe von 15,800' ü. M. am Ostabhange des Huajracocha. Das
Maximum an Individuenzahl erreichen beide Species zwischen 1 2 —
14,000' ü. M.
Im Februar 1840 beobachteten wir in der Provinz Jauja auf den
Altos de Gonzac, zwischen der Hacienda von Gonzac und Yanacocha