
Durchschnitte 52 Procent. Viel bemerkenswerther ist es jedoch in dem
Ostabhang der Binnencordillera und höchst überraschend für den Reisenden
, der am Morgen sein mit Schnee bedecktes Nachtquartier verlässt
und wenige Stunden später selbstgepflückte Früchte der heissen Tropen
geniessen kann.
Die Schwierigkeit einer naturhistorischen Höheneintheilung von
Peru wird auch noch durch eine Menge Localverhältnisse vermehrt, die
Jeden, der dieselben nicht genau erwägt, zu bedeutenden Irrthümern
verleiten können. Folgendes möge als Beispiel dienen: Auf einer Höhe
von 10,000| gedeihen unter 12° S. B. in einem engen Thale die
Pfirsiche und Mandeln im Ueberflusse, ja sogar Weinreben, Feigen
und Gitronen gelangen im Freien bei etwas sorgfältiger Pflege zur
Reife; während unter etwas ungünstigem Verhältnissen, z. B. in einem
windigen offenen Thale, diese Früchte 3 0 00' tiefer ihre Gränze haben.
Andere ähnliche Beispiele werde ich noch anzuführen Gelegenheit haben.
Bei der Eintheilung, die ich hier weiter auseinander setzen
werde, habe ich sorgfältige wiederholte allgemeine Beobachtungen
immer mit genauer Erwägung der zufälligen Abänderungen zu Grunde
gelegt. Zu bemerken ist, dass diese Angaben fiir die ganze horizontale
Ausbreitung von Peru gelten, denn die näher dem Aequator gelegenen
Theile dieses Landes zeigen unter übrigens gleichen Bedingungen nur
sehr unbedeutende Verschiedenheiten von den 15 — 20° südlicher
gelegenen.
L W E S T A B D A C H U N G .
A. KÜSTENREGION.
Das Meer und die Geschöpfe, deren Existenz unbedingt an dasselbe
gefesselt ist, verbunden mit höchst interessanten meteorologischen
Erscheinungen, erlauben, aus dieser Region zwei scharf begränzte
Unterabtheilungen zu machen, die ich als eigentliche Küstenregion
und Binnenregion bezeichnen werde.
a. Eigentliche Kästenregion.
0— 1500' ti. M.
Von dem Flusse von Loa bis zu dem von Tumbez erstreckt sich
ein Sandstreifen von 540 Stunden Länge und 6 ~ -2 0 Stunden Breite,
der von den Flüssen, welche von der Cordillera herunterfallen, vielfach
durchschnitten wird. Dadurch wird sein Character jedesmal verändert
denn längs der Ufer dieser Flüsse bilden sich Oasen, die durch Cultur,
wenigstens fiir einen Theil des Jahres, in fruchtbare Felder umgewandelt
werden, besonders wenn zu einem Hülfsmittel Zuflucht genommen wird,
welches auf den nahe gelegenen Inseln, als Huano1), im Ueberfluss
gefunden wird. Die Oasen verlängern sich nach Osten in der Richtung
der Flüsse, und gehen in die zweite Region über. Zwischen diesen
kleinen Flussgebieten liegen ausgedehnte Flächen, hin und wieder von
nackten Hügelreihen durchschnitten. Ein schmutzig weisser feiner
Triebsand bedeckt diese schauerlich öden Gegenden; vergebens lechzt
der erschöpfte Reisende nach einem Trunk Wasser und hofft in jeder
der von den steilen Grünsteinwänden eingeschlossenen Schluchten, den
hier ersterbenden Sprösslingen der Andes, eine Quelle zu finden, um
sich und sein hinsinkendes Thier von einem vielleicht nahen schrecklichen
Tode zu erretten, aber umsonst. Dreissig bis vierzig Stunden
weit wechselt nur Sand auf Hügeln mit Sand im Thale. Furchtbar
ist der Eindruck, den bei der brennenden Sonnenhitze das Durchreiten
eines lang ersehnten, aber nun versiegten Flusses macht, besonders
wenn sich auf seiner entgegengesetzten Seite wieder ein Sandmeer
ausbreitet, dessen Gefahren durch die von wirbelnden Winden fortrückenden
Medanos erhöht werden. Diese wandernden Sandhügel
ändern ihre Lage, je nach der Stärke des Windes, oft sehr rasch.
Ihrem Fortrücken setzen nur die Querketten eine Gränze, sonst würden
die fruchtbaren Oasen in Kurzem in sterile Sandflächen umgewandelt
werden. Die genauere Beobachtung dieser queren Gebirgszüge giebt
den sichersten Maassstab fiir die Richtung der herrschenden Winde.
W ir finden, dass an ihre südliche Abdachung sich enorme Massen von
Flugsand anlehnen, die vom Winde von Mittag dahin geschauert werden.
Die Nordabdachungen, wenn auch nicht steiler als die südlichen, sind
nur spärlich mit Sand bedeckt, von demselben oft ganz entblösst. Wenn
eine Hügelkette etwas entfernt vom Meere der Richtung der Andes
parallel läuft, so ist gewöhnlich ihr W^estabhang fast ganz frei von Sand,
0 Ueber den Huano werde ich weiter unten in der Ornithologie das Nähere mittheilen.
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