
Der ganze Unterleib, Steiss und die untern Flugdecken sind schnee-
weiss.S
chnabel in der Basalhälfte roth, an der Spitze schwarz; Tarsen
hochroth; Iris braun.
Ganze Länge 10", Schnabel 1" 10'", Flügel 8 " 9 "', Tarse 1" 10"'.
Verkältniss der Tarse zum Flügel 1 : 5,5.
In den MSS. von Orn. v. Humboldt p. 78 etc. findet sich, diese
Species betreffend, folgende interessante Beobachtung: »Der Ligli lebt in
grossen Sckaaren in den Sümpfen der ganzen Provinz Quito; man siebt
deren, die 2 — 500 Individuen zählen; sie kommen mit grosser Genauigkeit
den 5. Mai dort an und fliegen mit so grosser Schnelligkeit,
dass man sie in Riobamba, Quito und dem Tliale von Ibarra am nämlichen
Tage durchziehen sieht. Sie bleiben in der Provinz bis zum
Anfänge Octobers. Bei der Laguna von Coles, nördlich vom Paramo
von Huatillo, aus der der Rio de Ghambo entspringt, beobachtet man
eine höchst eigentümliche Erscheinung; indem nämlich diese Vögel
darüber wegfliegen, ergreifen sie sich zu zwanzig mit den Füssen und
Schnäbeln zu einem Knäuel und fallen in den See, worin sie sterben.
Die Indianer fangen diese Knäuel in Säcken und essen die Vögel. Die
Ursache dieser Erscheinung ist nicht leicht zu erklären, da keine verderblichen
Dämpfe aus diesem See aufsteigen.«
Ausser diesen beiden Species finden sich auch noch der weit verbreitete
Ch, virginianicus Borkh. und der vom Prinzen Maximilian aus
Brasilien beschriebene Ch. brevirostris.
Vorkommen. Der Ch. virginianicus lebt theils an der peruanischen
Küste, theils längs der grossen Flüsse des Ostabhanges der Cordilleras.
Der Ch. brevirostris kömmt in ungeheurer Menge am Strande
des stillen Occans vor; man kann oft 50 bis 40 Exemplare auf einen
Schuss erlegen. Das Fleisch schmeckt sehr angenehm. Der Ch.
JVinterfeldtii lebt an den nämlichen Localitäten. Die Indianer nennen
ihn »Chorlito grande«, den Ch. brevirostris »Chorlito chico«. Der Ch.
resplendens lebt nur in den höchsten Punaregionen zwischen 15—IßjOOO7
ü. M., immer schaarenweise. Sein Geschrei ist sehr unangenehm kreischend.
Wenn man sich diesem Vogel nähert, fliegt er schreiend
auf und setzt sich einige Schritte weiter wieder auf die Erde und eilt
so meilenweit dem Reisenden voraus. Die Indianer nennen ihn »Frailesco«
oder »Ligli«. Das Weibchen legt drei hellgelbe, fast ganz runde Eier.
5. Genus. STIBEPSIiLAS. Dlig.
I. ST. COLLARIS. Temm.
Die peruanisehen Exemplare von St. collaris stimmen mit den
europäischen in der Färbung vollkommen überein, doch sind jene, wie
auch die brasihanischen, etwas weniger gross, ohne dass die relativen
Grössenverhältnisse abweichen. W ir haben diese Species in den
heissen Regionen beider Abdachungen der Cordilleras gefunden.
Zweite Familie. ARDEADJ3.
Reiher.
4. Genus. A K D E A . Lin.
Peru besitzt keine ihm allein eigenthümliche Species dieser Gattung.
Von den sechs Arten, die wir dort beobachtet haben, kommen
die A. egrelta Wils, und die A. candidissima Jacq. in grosser Anzahl
an den Ufern des stillen Oceans vor. Dort lebt auch die A. candida Lin.,
die wir auch auf den Hochebenen und besonders in den gemässigten
Thälern der Sierra in sumpfigen Feldern gesehen haben. Ausschliesslich
der heissen Waldregion gehören die übrigen drei Species an:
A. cocoi Lin., A. agami Lin. nnd A. tigrina Lin. Diese letztere steigt
bis zu 4 0 0 0 ' ü. M. und erstreckt sich durch ganz Peru, während A.
cocoi nur im nordwestlichen Theile dieses Landes gefunden wird.
S. Genus. AACTICOMAX. Steph.
I . N. AMERICANUS. C. Bonap.
Durch alle Regionen von Peru wird diese Species gefunden, in
den heissen jedoch seltener als in den gemässigten und kalten. An
den Lagunen der Sierra trifft man diesen Vogel schaarenweise, wo er
am Ufer schläft und dann mit Leichtigkeit todt geschlagen werden kann.
Sein Fleisch, das nicht angenehm schmeckt, wird von den Indianern
häufig genossen. Sic nennen ihn seiner trägen Lebensweise wegen
»Paxaro bobo« (der dumme Vogel).