
welche gewöhnlich keine Flinten haben oder doch nur solche, die in
einem durchaus unbrauchbaren Zustande sind, begnügen sich den Bären
wegzutreiben oder ihm seine Beute abzujagen. Zu diesem Zwecke vereinigen
sich mehrere Indianer und verstecken sich mit starken Knüppeln
bewaffnet. Wenn der mit seiner Beute beladene Maisräuber bei
dem Hinterhalte vorbeikömmt, so fallen sie über ihn her und prügeln
ihn so lange, bis er den Mais fallen lässt und sich wüthend gegen
einen der Cholos wendet; dieser ergreift die Flucht, der Bär verfolgt
ihn, holt ihn aber nie ein, da das Terrain dem Verfolgten günstiger
ist und er gewöhnlich nach den Hütten zueilt. Unterdessen sammeln
die zurückgebliebenen Indianer den Mais zusammen und freuen sich
ihres wiedererrungenen Eigenthums. Eine seiner Lieblingsnahrungen ist
die Frucht des Omero (Phytelephas macocarpa Buize. Pav.), die er
mit sehr .grosser Geschicklichkeit ausgräbt und mit vieler Vorsicht auf-
beisst, um sich nicht an den spitzigen Höckern der Schale zu verletzen.
Man findet häufig grosse Massen dieser entkernten Schalen. Eben so
geschickt versteht er die niedrigen Sträucher der Guayaven (Psidium
pomiferum) umzubiegen, um der Früchte habhaft zu werden. Das E rlegen
dieses Bären ist sehr leicht, da man ihm bis auf zwei oder drei
Schritte nahe kommen kann; aber in den feuchten, heissen Urwäldern
gehört die Erhaltung der Haut zu jenen fast unbesiegbaren Hindernissen,
die den reisenden Naturforscher zur Verzweiflung bringen.
Die Indianer erzählen sehr viele Beispiele von der grossen Vorliebe
der Bären für Frauen und deren Entführungen durch diese Thiere;
eines besonders machte vor mehreren Jahren grosses Aufsehen und
wurde in den Öffentlichen Blättern vielfach wiederholt. Eine Indianerin,
welche sich allein von ihrem Dorfe entfernt hatte, wurde von
einemv grossen männlichen Bären aufgegriffen und mit nach seiner Höhle
geschleppt. Nach Verlauf von ungefähr drei Jahren wurde die Vermisste
von einem Cholo in einer Schlucht mit dem Bären entdeckt.
Durch ein allgemeines Aufgebot der Indianer versammelte sich eine
kleine Armee, welche gegen den Frauenräuber zu Felde zog, denselben
tödtete und die unglückliche Gefangene befreite. Sie war auf das
furchtbarste durch Wunden und Geschwüre entstellt und überlebte ihre
Erlösung nicht lang, denn sie starb drei Tage nachher. Ihre Leidensgeschichte
wurde theilweise von ihrem Beichtiger, dem sie kurz vor
ihrem Tode noch alle überstandenen Qualen offenbarte, bekannt gemacht.
, W ir möchten diese Thatsache nicht ganz in Zweifel ziehen, da
uns sehr viele ähnliche Beispiele in den verschiedensten Punkten von
Peru erzählt wurden.
Sowohl der U. ornatus als auch der U. frugilegus werden zuweilen
lebend nach Lima gebracht und von den Indianern für Geld gezeigt,
und werden hin und wieder von ihnen abgerichtet, besonders zum
Blasebalgziehen der Schmiede.
2. Genus. NASUA® Storr.
Form. denk? denk inc. e , denk lan. yirr, denk mol. §TTrl*
Die Thiere, welche dieses Genus bilden, charakterisiren sich durch
einen etwas gestreckten Körper, einen Schwanz, der beinahe von der
Länge des.Körpers, schlaff und behaart ist; besonders aber durch einen
langen, knorpligen, beweglichen, keilförmig abgestutzten Rüssel. Die
Ohren sind klein, eiförmig; die Augen mittelgross. Die Beine sind
niedrig; die Sohlen nackt; an Vorder- und Hinterfüssen fünf Zehen,
die bis über die Hälfte zusammengewachsen »sind. Die Nägel sind
stark, comprimirt, convex und vorn abgestutzt.
Die Schneidezähne sind schmal und etwas nach vorn gerichtet.
Zwischen dem Eckzahn und dem äussersten obern Schneidezahn ist
jederseits eine Lücke. Die oberen Eckzähne sind zweischneidig und
etwas nach aussen gebogen; die unteren sind dreischneidig; an der
äussern breiten Seite ist nach unten eine Längsfurche, die oft als starke
und tiefe Rinne sich entwickelt; die innere Seite ist in der Mitte mit
einer starken Leiste versehen, an deren Seite tiefe Aushöhlungen liegen.
Die drei ersten Rackenzähne sind Lückenzähne; der erste im Oberkiefer
steht frei, die übrigen dicht an einander. Der Reisszahn hat auf der
inneren Seite zwei Höcker, auf der äussern drei Zacken, von denen der
vorderste der kleinste ist. Von den folgenden Höckerzähnen ist der
vordere länger und schmäler, der hintere breiter und kürzer. Der erstere
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