
Weibchen werden ausschliesslich zur Fortpflanzung gebraucht und nur
wenige Männchen zu diesem Zwecke reservirt, die übrigen aber alle
zum Lasttragen benutzt.
W ir können demnach auch keineswegs den Angaben von Herrn
Meyen 1. c. p. 82 beipflichten, dass és »nach unserer heutigen Erfahrung
keinem Zweifel mehr unterworfen sei, dass das Llama und Paco Vom
Huanaco abstammen und diese nur durch den Zustand als Hausthiere
durch Jahrhunderte so abgeändert worden seien«. Dass einzelne Hua-
naco’s gezähmt wurden und sich in diesem Zustande ganz wohl befanden,
beweist durchaus nichts für Hrn. Meyen’s Satz; um so weniger,
da wir bis jetzt noch nicht einmal wissen, ob sich die Huanaco’s in
der Gefangenschaft auch fortpflanzen; uns ist kein einziges Beispiel davon
bekannt; wir bezweifeln unter diesen Verhältnissen durchaus den
fruchtbaren Coitus, da auch die Vicuna sich in der Gefangenschaft
nicht fortpflanzt, was wir nach den sorgfältigsten Beobachtungen mit
Bestimmtheit angeben .können.
Noch bleiben uns einige weniger wichtige Punkte zu berücksichtigen
übrig.
Pag. 65 heisst es, das Huanaco lebe in Rudeln von 7 , 8 , 10, ja
100 Stücken. Die erstem Zahlen sind richtig, die letztem aber sehr
übertrieben; denn wenn sich auch die Männchen (wie wir weiter unten
sehen werden) zuweilen in Rudeln versammeln, so übersteigt die Zahl
der Individuen nie die Zahl von 25 oder 50 Stücken; vielleicht hat
auch hier wieder eine Verwechselung mit den Llama’s stattgehabt, was
bei einiger Entfernung leiebt geschehen kann, da sich diese Thiere
sehr ähnlich sehen.
Pag. 65 sagt der Verfasser, dass auf der Flucht dié altern Männchen
den Weibchen und Jungen durch Stossen mit dem Kopfe nachhelfen!!
Diese fabelhafte Nachhülfe ist noch von Niemanden ausser von
Hrn. Meyen beobachtet worden. Bei jedem Rudel Weibchen ist ‘nur
ein Männchen, welches immer den Rückzug deckt und auf der Flucht
mindestens 4 — 5 Schritte hinter den Weibchen zurückbleibt. Da aber
die Huanaco’s, wie alle übrigen Aüchenia’s, beim Laufen den langen
Hals mehr horizontal strecken und wiegend auf und nieder bewegen,
so ist wohl sehr willkürlich diesen Bewegungen ein Zweck untergeschoben
worden, der gegen alle treue Beobachtung spricht. Da alle
ohne Ausnahme, Weibchen und Junge, beim Galopiren nicken, so
müsste man annehmen, dass sich alle mit dem Kopfe fortstossen. Solche
falsche Angaben würde man auch bei einem Aeosta und Molina
aufs Strengste rügen.
Pag. 71 wird angegeben, dass die Huanaco’s in der Noth ausserordentlich
hohe Sprünge zu machen vermögen und ohne Ansatz über
Geländer springen, über die sie mit dem Kopfe nicht hinüberschen
können. Auch hier müssen wir bemerken, dass weder andere Beobachter
noch unsere eigenen Versuche mit Meyen’s Angabe übereinstimmen;
es ist offenbar die Springfähigkeit dieser Thiere viel zu hoch
angeschlagen. Nur so viel ist richtig, dass sie über eine Leine von
3*/s höchstens 4 Fuss Höhe setzen, aber nur in der grössten Noth
wenn sie hitzig verfolgt werden und vorher eine Strecke gelaufen sind.
Was das Moromoro anlangt, so ist es allerdings nur eine Farbenahänderung
vom Llama und speciell die, bei welcher Schwarz und Weiss
vorherrscht; dass sie aber, wie Meyen p. 81 angibt, durch Grösse und
durch Struppigkeit der Wolle ausgezeichnet sei, ist ebenfalls unrichtig;
in den beiden letztgenannten Verhältnissen unterscheidet es sich
durchaus nicht vom gewöhnlichen Llama.
Die übrigen Angaben über Llama und Paco werden wir im Schlusskapitel
der Säugethiere noch näher erörtern und hier nur noch wenige
Worte über die Vicuna hinzufdgen. W a s Meyen darüber bemerkt,
ist sehr unbedeutend, enthält aber doch einen grossen Irrthum; denn
er sagt p. 84, dass die Vicuna im Allgemeinen um einen Fuss kleiner
sei als das Huanaco. Aus der oben angegebenen Vergleichungstabelle
gehen die Unterschiede am deutlichsten hervor. Uebrigens hat Herr
Meyen, wie er p. 83 selbst bemerkt, nnr ein junges Thier dieser Spc-
cies gesehen. Eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zwischen
Huanaco und Vicuna ist die Grösse der Klauen; denn bei den jungen
Huanaco’s, welche kaum etwas mehr als die Hälfte einer ausgewachsenen
Vicuna messen, sind sie schon um einen Drittheil grösser und
Tiel flacher als bei der letzteren. Bei der ausgewachsenen Vicuna aber,
•e nicht bedeutend kleiner, wohl aber viel schmächtiger als ein aus-
30