
überzeugen, und eine Menge von Pferdefellen, die von diesen Vögeln
ganz zerfetzt waren, gesehen. Die gewöhnliche Weise, wie ein todtes
Pferd oder dgl. verzehrt wird, ist folgende: Zuerst werden diejenigen
Theile, welche am wenigsten Widerstand bieten und wo die Haut am
weichsten ist, weggerissen, besonders die Augen, die Ohren, die Zunge
und um den After; hier machen sie gewöhnlich ein grosses Loch; um
in die Bauchhöhle zu gelangen. Ehe diese Oeffnung zu gross ist, vertreiben
die Indianer gewöhnlich die Gondor, legen starke Schlingen in
das Loch und entfernen sich; bald kehren jene wieder zu ihrer Beute
zurück und fangen sich leicht mit den Füssen oder dem Kopfe in den
Schlingen. Wenn sich eine grössere Anzahl dieser Vögel auf einem
Thiere versammelt, so reichen die natürlichen Oeffnungen nicht hin, um
ihrem Heisshunger rasche Befriedigung zu gewähren; sie reissen sich
also einen künstlichen Weg auf, gewöhnlich an der Brust oder am
Bauche. Die Indianer behaupten, der Gondor wisse ganz genau, wo
das Herz der Thiere liege und suche immer dieses zuerst auf.
Es ist schwierig, genau die Kraft, die der Gondor im Schnabel und
Halse besitzt, anzugeben. W ir glauhen nicht, dass er im Stande ist,
mit einem Gewichte von mehr als 8 — 10 Pfund im Schnabel wegzufliegen.
Einmal beobachteten wir, wie ein solcher Vogel einen Llama-
magen mit seiner Contentis, der sehr schwer war, wegschleppte; er
war aber nicht vermögend, damit aufzufliegen. Die Füsse sind zum
Greifen ganz untauglich, wohl aber dienen sie als mächtige Hebel,
wenn mit dem Schnabel eine grosse Kraft ausgeübt werden soll.
An der Küste besteht die hauptsächlichste Nahrung des Gondors
in gestrandeten Wallfischen, Delphinen, Otarien etc.; nach der Angabe
einiger Beisenden soll er sich auch von Mollusken nähren; wir haben
nie im Magen eines solchen Vogels Ueberreste von kaltblütigen Thieren
gefunden. W ir hielten während drei Monaten an Bord eines Schiffes
einen Gondor, um ihn nach Europa zu bringen; er wurde mit Salzfleisch
gefüttert, welches er zwar frass, jedoch nur wenn ihn starker Hunger
dazu zwang; nie aber berührte er die Eingeweide der an Bord geschlachteten
Hühner. So lange wir durch die Breiten segelten, in denen die
Diomedeen und die grossem Procellarien Vorkommen, bekam er Albatrosse,
Proc. capensis und vittata in reichlicher Anzahl und frass täglich
mehrere derselben; am gierigsten verlangte er aber nach dem warmen
Blute der für den Kajütenbedarf geschlachteten Hämmel. W ir erhielten
diesen Gondor ganz jung und gaben ihn einem Bekannten, der sich
anerboten hatte, denselben zu pflegen. Nachdem ihm die Flügel gestutzt
waren, wurde ihm eine Kette mit einem sechs Pfund schweren
Stück Eisen an den linken Fuss gebunden, welches er den ganzen
Tag mit sich in einem grossen Hofe herumschleppte. Als er anderthalb
Jahre alt war, flog er mit seinem Eisen aus dem Hofe auf einen
Kirchthurm, von wo ihn die Gallinazos hinunter trieben. Einem Neger,
der ihn auf der Strasse ergriff, um ihn in den Hof zurückzutragen,
biss er ein Ohr glatt am Kopfe ab. Kurze Zeit darauf verfolgte er
einen dreijährigen Negerjungen, warf ihn auf die Erde und verwundete
ihn mit seinem Schnabel so sehr am Kopfe, dass der Kleine bald
darauf starb. Am Bord des Schiffes verwundete er ebenfalls mehrere
Matrosen, die ihn neckten oder sich ihm unvorsichtig näherten.
Um die Gondore festzubinden, bedient man sich in Ghile und Peru
eines langen, schmalen Streifens von ungegerbtem Leder, welcher mit
dem einen Ende durch die durchgehenden Nasenlöcher gezogen und
geknüpft wird, mit dem andern aber an einen in die Erde geschlagenen
Pflock festgebunden wird. W ir haben in Valparaiso in einem
Hofe vierzehn auf diese Weise gefesselte Gondore gesehen.
D’Orbigny scheint ein grosses Gewicht auf die sehr übel riechende
Ausdünstung des Gondors zu legen und sagt, wiewohl mit Unrecht,
dass man dieselbe fortwährend an ihm finde. "Während der ganzen
Seereise haben wir nur zweimal diesen üblen Geruch bemerkt, und
zwar nur dann, wenn der Vogel fauliges Fleisch gefressen hatte. Da
Aas seine Hauptnahrung ist, so ist es ganz natürlich, dass diese ekelhaften
Speisen sich auch durch die Ausdünstungen kund geben, welche
aber durchaus nicht vorhanden sind, wenn das Thier eine Zeit lang
gehungert hat oder mit frischem Fleisch gefüttert wird.
Es ist eine bekannte Tliatsäche, dass der Gondor, wenn er. sich
vollgefresscn hat, nicht auffliegen kann, sondern immer vorerst durch
wiederholtes Heraufwürgen und Auswerfen eines Tlieiles seiner Nahrung
sich leichter macht. Auch mit leerem Magen kann er ohne Anlauf
sich nicht von einer horizontalen Fläche auflieben, wesshalb er
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