
ton Peru eingezogen haben, sprechen ganz bestimmt gegen Meyen’s
Angaben 1. c. p. 78, zufolge welcher die Indianer sich an bestimmten
Tagen zu Freudenfesten versammeln, um den Llama’s beim Bespringen
der Mutterthiere behülflich zu sein. Es scheint uns eine so unnatürliche
Hülfeleistung auch um so unwahrscheinlicher, da wir in den Provinzen
Juin und Yauyas unzählige Mal die Begattung der Llama’s beobachtet
haben. Dieser Akt geht erst nach dem Ausbruche der rasendsten
Brunst vor sich, indem sich die Thiere beissen, schlagen, stossen,
niederwerfen und bis zur grössten Ermattung herumjagen; wenn sie
nun ganz erschöpft sind, legt sich das Weibchen mit vorgestrecktem
Halse und 'mit untergeschlagenen Beinen auf den Bauch; das Männchen
lässt sich über dem Körper des Weibchens auf die Vorderkniee nieder,
knickt mit den Hinterfussen ein und bringt dann mit Leichtigkeit
den Penis in die Scheide. Die Schwierigkeit der Begattung liegt also
weniger im »introitu penis«, als in der Heftigkeit der Brunst. Das
Männchen ist oft so erschöpft, dass es mit heraushängender Zunge
zitternd sich vom Akte erhebt. Wenn vielleicht zur Begattung dieser
Thiere die menschliche Hülfe nöthig wäre, so könnte sie sich höchstens
darauf beschränken, das lange, ermattende Herumrennen zu vermeiden.
Die Indianer treiben sehr häufig die schändlichste Unzucht mit den
brünstigen Llama’s; es existirte daher zu den Zeiten der spanischen
Herrschaft ein Gesetz, welches den jungen unverheiratheten Indianern
bei Todesstrafe verbot, eine Heerde weiblicher Llama’s zu hüten;
durch den Befreiungskrieg wurden die Cholo’s auch von diesem Gesetze
befreit und überlassen sich aufs Schaamloseste ihren thierischen
Lüsten.
YVir haben die Begattung der Huanaco’s nie und die der Vicuna’s
nur ein Mal zu sehen Gelegenheit gehabt; es schien uns, als ob sich
die Brunst bei diesen Thieren weniger heftig als bei den Llama’s äussere;
die Stellung während des Coitus war übrigens ganz die gleiche.
Die Weibchen aller Auchenia-Arten werfen nur ein Junges,
welches ungefähr vier Monate lang saugt, bei den Llama’s gewöhnlich
etwas länger; sehr häufig saugen bei dieser Art sogar die Jungen
vom zweiten Jahre mit denen vom ersten zugleich. Die Weibchen
haben vier Zitzen und nicht zwei, wie irriger Weise oft angegeben
wird.
Schliesslich müssen wir noch einer sonderbaren, allen Species dieser
Gattung zukommenden, Eigenschaft Erwähnung thun; es ist nämlich
die des Auswerfens von Geifer oder von halb verdautem Futter.
Gereizt oder auch ohne Veranlassung speien sie den Mageninhalt nach
ihren Umgebungen; besonders heftig thun es die Vicuna’s, welche
denselben auf mehrere Schritte hin werfen; diese breiige Kräutermasse
riecht ausserordentlich unangenehm und färbt die Haut stark grün.
Speien diese Thiere längere Zeit nach dem Fressen, so dass das Futter
schon grösstentlieils verdaut ist, so ist der Auswurf hellbraun oder grau,
auch ganz klar und riecht sehr sauer. W ir haben niemals beobachtet,
dass sich die Vicuna’s oder Llama’s gegenseitig bespucken, sondern
immer nur andere Thiere, besonders aber Menschen und Hunde.'
Die Kultur scheint bei den Llama’s diese Gewohnheit bedeutend vermindert
zu haben, denn sie lassen sich ganz ruhig bepacken ohne
zu^speien, während die Paco’s und Vicuna’s schon beim harmlosen
Vorbeigehen Freund und Feind mit reichlichen Ladungen überschütten,
was doppelt unangenehm ist, da sie meistens nach dem Gesichte zielen
und selten fehlen. Diese Fähigkeit, verbunden mit der Geschicklichkeit
im Ausschlagen, der Stärke des Stossens mit dem Kopfe, der
Schärfe der Eckzähne und der Schnelligkeit des Laufes, gibt diesen
Thieren sehr vorteilhafte Verteidigungswaffen, so dass sie nicht als
so wehrlos betrachtet werden dürfen, wie man bei dem ersten Anblicke
wohl glauben möchte.
Geographische Verbreitung. Die geographische Verbreitung, die
ein sehr wichtiges Moment für die specifische Unterscheidung der
Thiere ist, hebt die Verschiedenheit zwischen A. huanaco und A. Lama
noch mehr hervor; erstere Species ist über die Hochebenen von ganz
Südamerika, vom Aequator bis nach Patagonien hin, verbreitet, während
letztere nur auf die halbe Ausdehnung dieses Erdstriches beschränkt
ist. Schon in Mittel-Peru werden die Ulama’s selten und
müssen von Süden her eingefuhrt werden und verschwinden in Nord-
Peru ganz. Um den Gebirgshnoten von Asangara ist ihr wahres Vaterland;
dort erreichen sie ihr Maximum sowohl an Individuenzahl, als
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