
Lebensweise. Die drei hier beschriebenen Drosseln kommen in
ihrer Lebensweise mit den europäischen ziemlich überein. Sie sind
Berliner Museum besitzt, ganz entschieden darthut. Ich habe desshalb den Pallas’schen Species-
namen für diese Art beibehalten, sowohl da er älter als der von Wilson gegebene »solitarius«,
als auch weil letzterer Name schon mehrfach anderweitig in demselben Genus vergeben ist. Die
von Naumann in Deutschland beobachtete und von Brehm aufgeführte Art gehört hierher. Wil-
son’s Abbildung (tab. 43. fig. 2) stimmt durchaus nicht mit seiner unverkennbar auf diesen Vogel
gehenden Beschreibung und ist als ganz verfehlt zu betrachten. Bei den sonst ganz kenntlich dar-
gestellten Abbildungen Wilson’s ist es auffallend, dass dieser Vogel, durchaus im Widerspruche
mit der Beschreibung, die ganze Oberseite mehr olivengrünlich gefärbt hat, wodurch die Abbildung
weit eher auf Turdus Swainsonii zu deuten wäre;, doch lässt sich nirgends nachweisen, dass
Wilson diese Art gekannt hat, und so bleibt nichts übrig, als seine Abbildung für eine sehr
schlechte derjenigen Art zu nehmen, für welche er sie ausgegeben hat.
2. TU RD U S W I L S O N I I B o n a p . S y n . p . 76. — T u rd u s m in o r G m . S y s t. 1 . p . 809. N o . 82. —
Tu rd u s mußtelinus W ils , (nec G m .) V. p . 98. ta b . 43. fig. 3. - Tu rd u s W ilso n i A u d u b . O m . B io g r .
I I . p . 362. — id . B ird s o f Am e r . ta b . 167. — M e ru la m in o r Sw s . F a u n . B o r , A m e r . I I . p . 179.
ta b . 36. (fig . o p tim a I ) — Tru d u s W ilso n i A u d u b . S y n . p . 90. N o . 145.
Die ganze Oberseite hellbraun, mit rostgelblichem Anfluge (wie der Rücken von Turdus muste-
linus Gm., melodus Wils.); Unterseite weisslich; die Seiten des Halses und die Brust hell rostgelb
angeflogen und mit halb erloschenen, länglichen, hellbraunen Flecken besetzt; Seiten des Bauches
und die Weichen hellgrau. Die dritte Schwinge die längste, vierte etwas kürzer und länger als die
zweite, die fünfte bedeutend kürzer als die zweite. Schwänz etwas abgerundet; Schnabel länger
als bei beiden verwandten Arten.
Die Originalbeschreibungen von Bonaparte sind mir leider nicht, zugänglich. Da Bonaparte
indess den Namen Turdus Wilsonii an die Stelle von T. mustelinus Wils, gesetzt hat, weil mit
letzterem Namen schon von Gmelin eine andere Art (Turdus musicus Wils.) bezeichnet war, so
kann über die Identität der Art kein Zweifel sein. Nach der von Wilson gegebenen Beschreibung
und Abbildung seines Turdus mustelinus sowohl, als nach den hierauf bezüglichen Beschreibungen
von Nuttal und Audubon, ist diese Art identisch mit Merula minor Sws., obgleich Swainson seine
Verwunderung darüber ausdrückt, »dass diese Art den neueren amerikanischen Naturforschern
entgangen sei«. Schon der von Wilson seinem Turdus mustelinus ziemlich bezeichnend gegebene
Beinamen »tawny thrush« hätte Hm. Swainson auf die Identität seiner Merula minor, mit Turdus
mustelinus Wils. = Turdus Wilsoni Bonap. führen können, während die von ihm irrthümlich als
Turdus Wilsoni bezeicbnete Art doch in keiner Beziehung »tawny brown« ist. Da nun Swainson
nachweist, dass der von ihm als Merula minor beschriebene Vogel der ächte Turdus minor Gm.
sei. so wäre somit Turdus Wilsoni Bonap. und Turdus minor Gm. ein und dieselbe Art; es
möchte indess rathsamer sein* den Namen Turdus Wilsoni beizubehalten, da der Name minor Gm.
in Folge der verschiedenartigen Deutungen bald auf die eine, bald auf die andere Art zu mehr-
facher°Verwechslung und Verwirrung der Synonymie der verschiedenen Arten beigetragen hat.
3.. TU R D U S S W A IN S O N I I Cab. — M e ru la W ilso n ii Sw s . (nee B o n a p .) F a u n . B o r . Am e r. I I .
p . 182 e x d . S y n o n ym .
Die ganze Oberseite sriinIM olivenbraun, mit hellbräunHcbem Anfluge (wie die oberen
Schwanzdeclfedern von T. mustelinus Gm., melodus Wils.)Unterseite weisslich; ein Fleck zwischen
Nasenloch und Auge, die Seiten des Halses, die Kehle und die Brust hell .bräunlichgelb
angeflogen und mit deutlichen, herzförmigen, schwarzbraunen Flecken (welche indess kleiner als
meistens auf der Erde, wo sie Würmer und Insekten suchen, hüpfen
auf niedrige Sträuche und singen angenehm. Jung eingefangen lassen
bei Turdus guttatus sind) besetzt; Seiten des Bauches und die Weichen schmutzig olivenfarben;
Schwanz schwach ausgerandet, fast gerade; Schnabel merklich kürzer als bei beiden verwandten
Arten. Die dritte Schwinge die längste, vierte kaum kürzer und länger als die zweite, fünfte
bedeutend kürzer als die zweite. — Hiernach würde also Turdus Swainsonii in Bezug auf das
Längenverhältniss der Schwungfedern mit T. Wilsoni Bonap. fast ganz übereinstimmen; es zeichnen
sich indess die Schwung- und Schwanzfedern von T. Swainsonii durch grössere Breite, als
dies bei T. Wilsoni Bonap. der Fall ist, aus. Swainson’s Angabe weicht von der meinigen darin
ab , dass er die zweite und vierte Schwinge als gleich lang und kaum eine Linie kürzer als die
dritte angibt. Das von mir geschossene Exemplar ist indess in vollständig ausgewachsenem, gut
erhaltenem Gefieder.
Es ist auffallend, dass bei der.-so vielfachen und gründlichen Bearbeitung der nordamerikanischen
Ornithologie weder Wilson, noch Nultal, Bonaparte *) und Audubon dieser dritten Art
Erwähnung thun. Swainsön allein beschreibt dieselbe, hält sie aber irrthümlich für Turdus Wilsoni
Bonap., während sie in der That eine neue, von ihm noch nie beschriebene Art, seine
Merula minor vielmehr aber mit Turdus Wilsoni Bonap. identisch ist. Ich habe während meiner
Reise in Nordamerika in New-Jersey im Monat October ein Exemplar dieser Drossel geschossen,
welche in allen Beziehungen (mit alleiniger Ausnahme des Längenverhältnisses der Schwungfedern)
ganz vollkommen mit der von Swainson beschriebenen Art übereinstimmt und entschieden von
den beiden vorhergehenden Arten sich specifisch unterscheidet. Da der von Swainson für diese
neue Art angewandte Namen der vorhergehenden Art zukommt, diese bis jetzt also noch ohne eigentümlichen
Namen ist, so habe ich dieselbe, um an ihren ersten verdienstvollen Entdecker zu
erinnernTurdus Swainsonii genannt. Es ist sehr zu bedauern, dass Hr. Swainson, welcher die
beiden vorhergehenden Arten so vortrefflich hat abbilden lassen, nicht auch für diese noch nie
abgebildete Art eine Abbildung geliefert hat.
Iiängenmaasse dieser drei Speeles.
T. guttatus. Wilsonii. Swainsonii.
Ganze L ä n g e .............................. . • •' Bei ausgestopften Exemplaren etwa 7'
Schwanz.................................................. 2" 1Ö'" 2" 8'" 2" 9'"
3" 6,5"' 3" 9'" 3" 10,5"
Schnabel vom Mundwinkel bis zur Spitze — 10'" — 8,5'" — 10,5"
L a u f ....................................................... 1" 2'" 1" 2'" 1" 1'"
Geographische Verbreitung.
Die so interessante geographische Verbreitung dieser kleinen Drosseln macht eine Sichtung
ihrer Synonymie zur Vermeidung jeder Verwechslung und Vermengung, wie dies bisher öfter der
Fall warr um so notwendiger. Der Norden von Nordamerika ist als der eigentliche Stand- und
Brüteort aller drei Arten zu, betrachten. Von hier aus gehen sie zum Wintern in die südlichen
Staaten von Nordamerika und einzelne Individuen wohl bis Mexico. Die auffallendsten bis jetzt
bekannten Wanderungen sind : 1. Dass Turdus guttatus im Monat December mitten in Deutschland
angetroffen war. Da Muscicapa guttata Pallas, wie ich oben nachgewiesen habe, ein Vogel dieser Art vor
*) l n se in e r Geographical List o f Birds (1 8 3 8 ) pag. 17 fä h r t Bonäparte zwar die h ie r heschriebenen
drei Arten a p f, gibt a b er n u r die Nam en, u nd zwa r, wie aus den angeführten Synonymen h e rv o rg eh t,
allein a u f die h ie r berichtigten Angaben von Swainson basirt.