
anstrebenden Gipfel Garciloso de la Vega zur Bemerkung vcranlassten:
»es sei dies eine, weder von Menschen, noch Thieren oder Vögeln
jemals betretene, unersteigbare Gebirgskette« und bis zum Flussgebiet
des obern Maranon in N. O.; es bildete also einen keilförmigen Landstrich,
dessen Basis unter 2° IX. B. und dessen Spitze 34° 3 0 ' S. B.
lag. Um das Jahr 1315 fanden einige der von Basco Nunez de
Balbao von Panama auf Entdeckungen ausgesandte Seefahrer die Küste
des Yncareiches und benannten sie aus Missverständniss Peru. Dieser
Name blieb auch dem Lande. Der Marques de los Atabillos D. Francisco
Pizarro gründete schon 1530 die erste Stadt an der Küste und
eroberte mit unglaublicher Schnelligkeit das ganze Reich, indem er
Anfangs noch, dem Scheine nach die kaiserliche Hoheit der Yncas
anerkannte; doch auch diese verschwand durch die Ermordung von
Thupac Amaru und seines ganzen kaiserlichen Hauses unter der Regierung
des fünften Vicekönigs von Peru, D. Francisco de Toledo; und
die Spanier wurden alleinige Besitzer dieses Landes. Unterabtheilungen
zur bequemem Regierung des Staates waren nöthig, und es wurde
in Chile nach Süden, Peru in der Mitte und in Quitu nach Norden
geschieden. Unbedeutend waren die Gränzahänderungen während beinahe
drei Jahrhunderten bis im Süden das verhängnissvolle Freiheitspanier
aufgepflanzt wurde. Chile erklärte sich unabhängig von der
spanischen Herrschaft. Quito (Columbia) folgte; Peru erkämpfte sich
seine Freiheit am letzten. Neue Gränzen wurden festgesetzt, neue
Staaten wurden geschaffen. Peru biisste am meisten ein; aus seinem
grossen südlichen Plateau wurde die Republik Bolivia gestempelt.
Beinahe jedes Decennium änderten diese jungen Staaten ihre Gränzen,
gewöhnlich durch verderbenbringende Invasionskriege. Gegenwärtig
nun, dreihundert und fünfzig Jahre, nachdem Peru seine grösste
Ausdehnung erreicht hatte, sind seine Gränzen festgestellt, wie folgt:
In Norden, westlich von den Andes, der Fluss von Tumhez; östlich
von dieser Gebirgskette sind sie unbestimmt, das Flussgebiet des
mittlern Maranon wird sie einst liefern; im Süden der Fluss Loa und
die bis auf achtzig Leguas sich erstreckende Sandwüste von Atacama.
In S. W . der Fluss des Desaguadero, die Laguna de Chucuito, das
Querjoch von Huillca-nota, welches sich von S. W . nach N. O. erstreckt;
im O. das Flussgebiet des Ucayalli und die unermesslichen Wald-
regionen zwischen diesem und dem Yvari. Die ganze Westgränze
wird vom stillen Ocean gebildet. Die geographische Breite lässt sich
genau angeben, sie liegt zwischen 5° 3 5 ' S. B. und 21° 4 8 ' S. B.
Die geographische Länge in ihrer ganzen Ausdehnung zu bestimmen
ist bis jetzt noch unmöglich, wegen der Schwierigkeit bis an die Ostgränzen
vorzudringen; ich werde hier nur die geringste und die grösste
bekannte Ausdehnung in geogr. Länge angeben; die erstere ist bei
18° 2 0 ' S. B. und beträgt nur 50 geogr. Minuten, nämlich von 72° 6 '
bis 72° 5 6 ' W . B. Par. Der westlichste Punct am stillen Ocean liegt
unter 85° 3 1 ' W . B. Par. Der östlichste ungefähr 17 Grad weiter nach
Osten also zwischen 66 und 67° W . L. Par.
II. PHYSISCH-GEOGRAPHISCHE VERHÄLTNISSE.
A. GEBIRGSSYSTEME.
Der mächtige Gebirgszug der Andes *) durchstreicht Peru in der
Richtung von SS. O. nach NN. W . und begleitet die Ufer des stillen
Oceans im Durchschnitte in einer Entfernung von 60—70 engl. Meilen;
an einigen Punkten jedoch viel näher, an andern (bei Islay) wieder
entfernter. Nördlich von der obenangegebenen Südgränze von Peru,
dem Flusse von Loa, geht der mit diesem nach der Küste zu conver-
gierende Seitenast von Pica von N. O. nach S. W .; und begränzt
nach Norden die Sandwüste von Atacama. Der Hauptzug aber setzt
sich, seine Richtung beibehaltend, fort und bildet die Westgränze des
westlichen mehr als 13,400 Fuss über M. erhabenen bolivianischen
Plateau. Die mittlere Höhe ihrer Gipfel ist hier 16,200'; sie sind
*) Das Wort Andes kömmt sehr wahrscheinlich von Anta-suyu her. Anta, Metall im Allgemeinen,
besonders aber Kupfer, Suyu heisst District, Landestheil, Abtheilung bei Feldern im
Allgemeinen. Anta-suyu wäre also ein Metalldistrict. Die Provinzen alle, welche sich an die
Cordilleras anlehnten, wurden früher, theilweise auch noch jetzt mit dem Namen Anta-suyu
bezeichnet. Im täglichen Gebrauch wurde nun das Wort District nicht immer ausgedrückt, um
es aber anzüzeigen, die Endung a in is umgewandelt, und es entstand das Wort Antis, welches
noch von allen alten Schriftstellern gebraucht wurde. Die Spanier sprachen später dieses Wort,
wie die meisten der Quichuasprache, unrichtig aus und so entstand Andes, welchem Worte der
spanische Ausdruck Cordilleras, womit jeder grosse Gebirgszug bezeichnet wird, vorgesetzt wurde.