
der Nasenlöcher annähert; von ihnen aber unterscheidet es sich durch
die kürzen Flügel, deren vierte Fittigfeder die längste ist; durch den
längeren Schwanz, die schmächtigeren Läufe; durch das unbestimmte,
weiche Gefieder, welchem der Charakter der Kraft, den wir bei den
wahren Falken so sehr ausgeprägt finden, abgeht. Vigors 1. c. hat
ganz richtig diese Gattung als ein Bindeglied der beiden Unterfamilien
der Habichte und Falken aufgestellt; nur möchten wir bei seiner Diagnose
des Genus Zool. Journ. I. pag. 328 und 558 das auszusetzen
haben, dass er die dritte und vierte Schwungfeder als gleich lang angibt,
während die vierte die längste ist und die dritte und fünfte fast
gleich lang sind. W ir stellen also das Genus Harpagus noch zur
Unterfamilie der Accipitrinae; auch durch die doppelt gezähnten
Tomicnränder weicht es von den typischen Falken ab und stimmt
ausserdem in mehr Merkmalen mit jener Abtheilung überein als mit
dieser.
»Die beiden zum Genus Harpagus gehörenden Arten (H. diodon
Vig. [Falco diodon Temm.] und H. bidentatus Vig. [Falco bidcnLatus
Lath.J) vereinigte Lesson irriger Weise unter dem Namen Diodon bra-
siliensis in eine Species. Dieser Annahme hin ich früher auch gefolgt,
habe aber seitdem, abgesehen von der Färbung des Gefieders, genügende
specifische Unterschiede für beide Arten gefunden. J . J . Kaup
spricht in seinem neuesten Werke (Classification etc.) die Veberzeugung
aus, »dass sie bei näherer Untersuchung des Flügels zwei Untergeschlechter
(Subgenera) bilden werden« l). Es lässt sich indessen im
Flügelbau der beiden Arten nichts auffinden, was zu einer generischen
Trennung berechtigen könnte, und es ist desshalb wohl zu vermuthen,
dass Kaup’s Veberzeugung nur aus der irrthiimlichcn Angabe des Prinzen
Maximilian zu Neuwied geschöpft ist, welcher bei Falco diodon die
zweite Schwinge als die längste angibt, da es doch bei beiden Arten
die vierte ist. Ob J . J . Kaup die conscquente Durchführung seiner
Fünfzahl, und mithin auch beim Genus Harpagus, je gelingen werde,
möchte doch entschieden zu bezweifeln sein.« Cabanis. i)
i) Möchte Hr. J. J. Kaup doch bedenken, dass es nur durch eine treue Naturbeobachtung
gelingen wird, einstens die Feststellung eines natürlichen Systemes zu erreichen, und dass jeder
Versuch, bei dem die Wahrheit einer einmal gefassten Idee geopfert wird, eitel ist.
In historischer Beziehung bemerken wir, dass der generische Name
Harpagus von Vigors 1824 aufgestellt und in einer ausgezeichneten
Abhandlung über die Falken wissenschaftlich begründet wurde. Nur
wenig später, auch 1824, ist der von Spix vorgeschlagene Bidens.
Diodon ist von Lesson 1831 und Diplodon von Nitzsch 1840 gebildet
worden.
1. H. BIDENTATUS. Vigors.
Der ganze Oberkörper ist schwarzgrau ; auf der Hauhe und der
Stirne am dunkelsten. Die Fittigfedern sind am äussern Fahnenbarte
einfarbig schwärzlich 5 am innern Fahnenbarte aber haben sie an ihrer
Endhälfte auf der obern Seite dunkel braungraue, auf der untern
weissc Querhin den, und an der Basalhälfte am Rande zwei bis drei
weisse Flecken. Auf den Schwungfedern und Eckflügeln verlängern
sich diese Flecken am innern Fahnenbarte bis zum Schafte und bilden
Querbinden, die von aussen und bei gefalteten Flügeln nicht gesehen
werden können. Der Flügelbug ist weiss. Auf den Schwungfedern
verhält es sich ähnlich. Hier werden die Querbinden durch den Schaft
unterbrochen, sind aber auf dem äussern Fahnenbarte immer viel deutlicher
als auf dem innern, denn dort sind sie am Rande ganz weiss
und hier sind sie graubraun. Die Kehle, die untern Flug- und
Schwanzdecken und der Steiss sind ganz weiss. Brust, Bauch und
Schienen sind röthlichbraun, die Weichen etwas blässer.
Die Wachshaut ist gelblich; die Zügel graublau; der Oberkiefer
an der Basis und an den Tomienrändern weisslich, im übrigen Verlaufe
dunkel schwarzbraun. Der Unterkiefer ist an der Basis schwarz,
im übrigen Verlaufe weisslich; die Spitze ist graubraun. Die Läufe
sind orangengelb, die Nägel schwarz. Die Iris blutroth.
Ganze Länge 1' 3", Schnabel Tarse 1" 6"'. Verhältniss
der Tarse zum Flügel 1 : 5,6.
In etwas jüngerm Alter ähnlich dem vorhergehenden, aber die
Kehle hat einen grauen Längsstreifen; die Federn der Brust und des
Vorderbauches haben an der Spitze einen leisen weisslichen Saum;
auf dem Hinterbauche und dem Steisse sind abwechselnd graue und
weisse schmale Querbinden.