
angeblich aus Chile stammenden Bären. W ir haben aber alle Ursache
zu vermuthen, dass das Thier in Nordperu, und zwar in Truxillo, an
Bord genommen wurde; denn dieser Hafen ist | der einzige an der
ganzen Westküste, nach welchem lebende Bären aus dem Innern zum
Verkaufe gebracht werden.
Die zweite, Von uns als U. frugilegus aufgefiilirte, Species kann
unmöglich als blosse Geschlechts- oder Altersvarität von U. ornatus
betrachtet werden 5 denn beide Geschlechter dieser letztem Art stimmen
vollkommen mit einander überein, nur ist der von uns beobachtete
Stirnbogen beim.Weibchen etwas kleiner. Junge Individuen haben wir
freilich von U. frugilegus nicht gesehen, aber doch alte ausgewachsene
von U. ornatus, welchen die ohen angegebene Färbung zukömmt. Die
einzige Abweichung des Alters liegt bei diesem in der etwas mehr
weissen oder gelblichen Färbung der Schnauze. Wenn man aber, wie
es auch bei Nasua geschehen ist, auf die Färbung keine Rücksicht
nehmen will, so kann man freilich die beiden Species in eine vereinigen;
dagegen aber sprechen der verhältnissmässig kürzere Kopf , die
kürzern Sohlen und die viel gedrungenem Formen bei U. frugilegus.
Die einzige Bemerkung, welche wir aufgefunden haben und die
mit Sicherheit auf den U. frugilegus bezogen werden kann, findet | sich
in den MSS. von Hi •n* von Humboldt pag. 4 9 5 , wo es heisst: ,,I1
„est certain que l’ours que j ’ai decrit a Riobamba n’est pas toujours
„frontin et qu’on en voit avec la face toute noire.a Im nämlichen
MSS. pag. 81, No. 66 wird der U. ornatus folgendermassen erwähnt:
„Ursus de la Province de Quito: aterrimus pilis splendentibus, cauda
„brevi, gula, genis, naso et fronte niveis. Auriculae acutae, longiores.
„Magnitudo U. arctös.u
Mit dem grössten Vergnügen ergreifen wir hier die Gelegenheit, um
dem um die Naturwissenschaften so hoch verdienten Hrn. Baron Alexander
von Humboldt unsern tief gefühlten Dank auszudrücken; denn
er machte uns mit seiner bekannten ausgezeichneten Liberalität ein
Geschenk aller seiner zoologischen Manuscripte seiner Reise im südlichen
Columbia und Peru nebst einer Anzahl werthvoller, von seiner
Hand angefertigter zoologischer und vergleichend anatomischer Zeichnungen.
Da diese Manuscripte einen reichen Schatz noch unbekannter
Beobachtungen über die Lebensweise von Säugetkieren und Vögeln
enthalten, sowie wichtige andere zoologische Notizen, so werden wir
es uns zur Pflicht und zur Ehre machen, dieselben unter Hinweisung
der Nummern und der Pagina des Manuscriptes am betreffenden Orte
in unserer Fauna aufzunehmen.
Lebensweise und geographische Verbreitung. Ueber diese beiden
Verhältnisse ist für die* ■südamerikanischen Bären noch nichts bekannt
gemacht worden, da sie von den ältern Reisenden nur nominal, von
den neuem gar nicht erwähnt wurden. W ir bähen schon bemerkt,
dass sie im Vergleich mit den katzenartigen Raubtkieren in Peru selten
Vorkommen. Nach Ulloa 1. c. sind sie in einigen Pi •ovinzenwdes nördlichen
Südamerika aber häufig; da jedoch keine Beschreibungen angegeben
sind, so ist nicht zu ermitteln, welche Species gemeint sei; wir
vermuthen aber, es sei U. frugilegus, weil sonst gewiss die auffallende
Gesichtszeichnung angeführt worden wäre. Der U. ornatus erstreckt
sich durch die grösste Ausdehnung der Anden in Südamerika, da Exemplare
aus Neu-Granada, Peru und Bolivia bekannt sind; er bewohnt
die Punaregion, wo man ihn in den steinigen, unfruchtbaren Schluchten
hin und wieder^antrifft; sehr häufig findet man seine Fährten in dem
frischgefallenen Schnee und auf dem moorigen, wreichen Rande der
Sümpfe. Seine Nahrung besteht aus jungen Rehen, Vicunas und Gua-
nacos; auch gefallene Lasttliicre werden ihm oft zu Theil, wenn nicht
der Condor sich früher dieser Beute bemächtigt. Die Punaregion
scheint er selten zu verlassen, denn es sind uns nur wenige Beispiele
bekannt, dass er in der Nähe der höchsten Cordillerenpässe gesehen
worden ist.
Der U. frugilegus zieht die wärmeren Regionen vor, besonders
die Cejaregion, auch steigt er bis in die mittlere Waldregion hinunter.
Im nördlichen Peru kömmt er auch in der Sierraregion vor,
wenn die uns mitgetheilten Angaben richtig sind. Dieser Bär lebt fast
ausschliesslich von Vegetabilien und nähert sich sehr dreist den Wohnungen
der Indianer. In der Waldregion richtet er in den Maisfeldern
der Cholos grossen Schaden an; kurz vor Sonnenuntergang hegieht er
sich in die Cliacras, bricht die Maisstengel mit den milchigen Kolben
ab und ‘schleppt ganze Bürden davon nach seiner Höhle. Die Cholos,
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