
Der Schwanz ist sehr deutlich zweizeilig, seiner ganzen Länge
nach auf der Mittellinie schwarzbraun ; die Zeilenhaare sind gelhlich-
weiss. an der Basis, in ihrem grössten Theile hellbraun, nach der
Schwanzspitze hin werden sie aber fast ganz schwarzbraun. Die Spürhaare
sind lang, die längsten meisten sind schwarzbraun oder
glänzend schwarz, einige aber ganz weiss. Die Sohlen sind ganz
schwarz.
Länge von der Schnauzenspitze bis zur Schwanzwurzel 1,^ 2 /y, des
Schwanzes ohne Haare 10", mit Haaren 1' 1". Länge des Ohres 2 "
2'", Breite an der Basis 1" 3"'. Länge der Hinterfüsse 3 " 4'".
Beim et Transact. of the Z. S. I. 4. p. 532. tab. 43 hat diese Spe-
cies von der vorhergehenden zuerst unterschieden und sie Lagotis pal-
lipes genannt. So sehr sich beide Arten, nur nach Beschreibungen zu
urtheilen, ähnlich sehen, vso wenig ist bei genauerer Untersuchung eine
Verwechselung derselben denkbar.
Die kürzern Ohren und Spürhaäre, die dunklere Färbung mit gelb-
licbbraunem Anfluge und den zahlreichen schwarzen Wellen und die
röthlichen Füsse sichern hinlänglich die Diagnose. W ir haben ausserdem
die Beschreibung nach einer Menge Exemplare entwörfen-, so genau
als möglich gegeben, um jeder fernem Verwirrung möglicherweise
vorzubeugen.
Lebensweise. Die Viscachas leben gesellschaftlich in Löchern an
kahlen Felsen, wo kaum noch eine dürre, spärliche Vegetation zu entdecken
ist. Kurz nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang entwickeln
sie ihre grösste Thätigkeit. Sie scheuen das Sonnenlicht; an
schattigen Orten sind sie den ganzen Tag munter und ausserhalb ihrer
Wohnung. Sieht man sie nur an Felsen, die halb im Schatten stehen,
so sind alle daselbst versammelt und keine in der Sonne. Ihre Nahrung
besteht aus Gräsern, dürren Wurzeln und Moosen; um dieselben
zu erhalten, entfernen sie sich oft mehrere hundert Schritte von ihren
Löchern; werden sie dann aufgeschreckt, so fliehen sie in die nächste
Felsenritze. Sie graben sich keine Höhlen, sondern benutzen vorhandene
Löcher und Spalten der Steine. Beim Fressen setzen sie sich,
wie die Kaninchen, auf die Hinterbeine, ohne sich der Vorderpfoten
zum Halten der Speise zu bedienen; beim Saufen halten sie den
Schwan« mehrentheils aufrecht, in der Ruhe aber gestreckt. Sie springen
nicht wie die Kaninchen, obgleich die Hinterbeine so viel länger
als die vordem sind, sondern mehr wie die Mäuse. Unglaublich ist
die Behendigkeit, mit der sie an fast senkrechten Felsen im IVu zwanzig
bis dreissig Fuss in die Höhe klettern. Vor Menschen sind die
Viscachas nicht sehr scheu, wohl aber Vor Hunden. W ir sind mehrmals,
wenn wir ausruhten, rings von diesen Thiei-en umgeben gewesen,
ohne dass sie im mindesten Furcht gezeigt hätten, ja sie liefen sogar
dem Maulthierc zwischen den Beinen durch. Wenn man auf sie schiesst,
so verschwinden alle wie durch Zauberschlag und erst nach einer viertel
oder halben Stunde wagen sich einige der kühnsten aus den Höh-
len, um nach dem Feinde zu sehen. Man muss diesen Thieren immer
nach dem Kopfe zielen, um sie auf der Stelle zu tödten, sonst sind
sie für den Jäger verloren, denn wenn sie auch hur noch einen Funken
Leben haben, so schleppen sie sich zum nächsten Loche. Ihre
Zahl ist sehr gross; wir sind auf den Altos de Huajracocha in einem
Tage bei mehreren Tausenden vorbeigeritten, und haben meilenweit
alle Felsen damit bedeckt gesehen.:
Die Fortpflanzung der Viscachas muss ausserordentlich stark und
an keine bestimmte Jahreszeit gebunden sein, denn wir haben in allen
Monaten trächtige Weibchen erlegt. Sie haben viele Feinde und werden
stark verfolgt. Die schlimmsten sind die grossen Raubvögel und
unter diesen besonders der Condor; wir haben oft Gelegenheit gehabt
zu sehen, wie beim Erscheinen eines solchen Vogels sogleich die grossen
Colonien der Viscachas verschwanden und erst lange nachher und
mit vieler Vorsicht hervorkamen ; ferner Füchse und die Schäferhunde
(Cams Inga;), Die Indianer stellen ihnen sehr nach, sowohl der Felle
als des Fleisches wegen. Des Abends legen sie denselben Schlingen
ror die Löcher und können bestimmt darauf zählen, dass am Morgen
fest m jeder Schleife eine Viscacha stecken werde, viele aller machen
sich durch Zerreissen der Schlinge wieder frei. Auch mit Mustela
agilis jagen die Indianer diese Thiere, was wir indessen, nie-selbst gesehen
haben, cs wurde uns jedoch von sehr glaubwürdigen Personen
u g erzählt. Das Wiekel soll immer, einer Viscacha auf dem
ackejg sitzend* wieder aus der Höhle kommen und dieselbe dann