
auch an Körperentwickelung. Das Huanaco hat sein Maximum mehr
nach Norden, im mittlern Peru, kömmt aber auch nach Süden noch
sehr häufig vor. Der Verbreitungshezirk Ton A. paco ist noch beschränkter
als der von A. Lama, denn schon in Mittel-Peru haben sie
ihre Nord- und im mittlern Boliyia ihre Südgränze; sie nehmen also
vorzüglich das Plateau der Anden ein, welches während der Regierung
der Spanier mit dem Namen Alto-Peru bezeichnet wurde. Eine ausgedehntere
Verbreitung als diese beiden Species, jedoch beschränkter
als A. huanaco, hat die A. Vicunia, denn sie kömmt in ganz Peru,
im südlichen Theil der Republica del Ecuador und bis in den mittlern
der Repnblica de Boliyia yor nnd wird durch ganz Peru fast in
gleicher Häufigkeit gefunden. Alle vier Arten kommen darin überein,
dass sie die Hochebenen der Westküste von Südamerika, die Kette der
Anden, bewohnen. Die Elevationsverhältnisse bieten bei ihnen unbedeutende
Abweichungen dar. Ihr wahres Vaterland beginnt bei 13,000'
ü. M.; von hier aus steigen sie bis über 16,000' ü. M., so hoch als
sie noch Nahrung finden. Zwischen 14 — 13,000' erreichen sie ihr
Maximum.
Die A. vicuna und A. huanaco steigen in Peru nie unter die angegebene
Höhe hinunter; letztere aber finden sich in den kalten Zonen
von Südamerika schon bei einer Höhe von 7 — 80 00' ü. M.; ihr Auftreten
steht mit der Verringerung der Temperatur im geraden Verhältnisse.
Die beiden als Hausthiere gehaltenen Species müssen oft, durch
die Kultur gezwungen, in viel wärmern Thälern leben, wo sic sich
aber nie wohl befinden. Am Westabhange der Cordilleras trifft man
die Llama’s zuweilen schon bei 5000' ü. M., aber nur während der
feuchten Jahreszeit; am Ostabhange werden sie oft als Lastthiere an
den Rand der drückend heissen Urwälder getrieben und sterben daselbst
bei einem Verweilen von mehreren Tagen sehr bald. Das
Paco erträgt das Klima unter 8000' ü. M. durchaus nicht. TVenn
diese Thiere nach heisseren Regionen gebracht werden, magern sie
ab, verlieren die Haare, werden traurig und gehen nach kürzerer oder
längerer Zeit zu Grunde.
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2. Genus. W T O § . Lin.
Form, dent.: Dent. incis. dent lan. dent. mol. §9§.
Der Kopf ist gross, seitlich comprimirt und mit einem zwei- oder
mehrgabligen Geweihe versehen, welches zu gewissen Zeiten abgeworfen
und durch ein neues ersetzt wird. Die Augen sind gross und
haben an ihrem vordem Winkel einen bedeutenden Thränensack. Die
Ohren sind ziemlich lang, schmal und zugespitzt. Der Körper ist
schlank, der Schwanz sehr kurz, die Gliedmassen schmächtig und lang,
meistens mit vier Zehen, zwei vordem grossem und Zwei hintern kleinern
höher liegenden. Die Nägel sind klauenförmig; der Pelz ist
trocken, spröde, steif und dicht.
Die Schneidezähne des Unterkiefers liegen stark nach vorn und
etwas nach aussen und sind schaufelförmig; das mittelste Paar ist
das grösste. Die drei ersten Backenzähne des Oberkiefers bestehen
aus einem, die folgenden aus zwei Pfeilern; jeder derselben ist durch
eine Schmelzfaltc in zwei halbmondförmige, convex nach innen gerichtete
Flächen getheilt; die Schmelzfalten des ersten untern Backenzahnes
bilden eine unregelmässige länglichrunde Figur, bei den übrigen
vier halbmondförmig convex nach aussen gerichtete Flächen auf zwei
Pfeilern; nur der hinterste hat noch einen hintern Pfeiler mit einer
halbmondförmigen Fläche, deren hier also fünf vorhanden sind.
Da diese Gattung auch in Europa durch grosse und charakteristische
Species vertreten wird, so ist leicht einzusehen, dass sie schon
von Linne' als solche erkannt, in der ersten Ausgabe seines Systema
Natura; 1755 aufgefuhrt wurde. Von den zahlreichen Arten, welche
dieses Genus bilden, haben wir nur drei in Peru gefunden, nämlich:
1. C. RUFUS. F. Cuv.
Ber ganze obere Theil des Körpers ist glänzend braunrotli, in
der Sonne goldroth; der untere ist falb. Die Stirne und die äussere
Seite der Ohren sind dunkel röthlichbraun, beinahe wie die äussere
Seite der Gliedmassen. Die Lippen sind weisslich gesäumt; von der
nämlichen Farbe sind die Keble und die Innenseite der schwach behaarten
Ohren. Der Hinterbauch, die innere und hintere Seite des
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