
Localitätsverhältnisse den emsigsten Bestrebungen des Naturforschers
unüberwindliche Hindernisse entgegenstellen und nur zu leicht den
Verlust der mühevoll errungenen Schätze herbeifuhren. In diesen beiden
Regionen werden künftige Reisende noch durch lange Jahre eine eben
so reiche als interessante Ausbeute finden. Mögen sie die Früchte
ihrer Anstrengungen glücklicher in den sichern Hafen bringen, als es
mir möglich war!
NVenn auch die vorliegende Arbeit noch viele Lücken hat, so
holfe ich doch, dass sie günstig aufgenommen werde, da sie zum
erstenmale die Naturforscher mit der Fauna eines in Europa bisher in
zoologischer Beziehung fast ganz unbekannten Landes vertraut macht
und besonders auch einen nicht unwichtigen Beitrag zur Kenntniss der
geographischen Verbreitung der Thierwelt in Südamerika liefert.
Ich gebe mich zugleich auch der Hoffnung hin, dass diese erste
Fauna eines Landes des grossen südlichen Continentes der neuen W e lt
andere Reisende und Naturforscher ermuntern werde, ähnliche Arbeiten
über Südamerika zu unternehmen, und vorzüglich das ungeheure Material,
welches zu einer Fauna von Brasilien in d<jn europäischen
Museen theils noch ganz unhenutzt aufgestauet liegt, zu ordnen und
in einem abgerundeten Ganzen zu veröffentlichen.
Es war meine Absicht, mit Hülfe gelehrter Mitarbeiter auch die
Fauna der niedern Thierklassen auszuarbeiten, aber ich muss leider
von diesem Plane abstehen, da die Herausgabe eines so grossen
Werkes die Kräfte eines Verlegers, wenn er nicht von einer Regierung
unterstützt wird, übersteigt. Ich habe aber Sorge getragen,
dass die neuen Gegenstände aus diesen Klassen in entsprechenden
Zeitschriften veröffentlicht werden.
W IEN , im botanischen Garten.
1. Juli 1846.
J. J. von TSCHÜDl.
EINLEITUNG.
Die genaue Kenntniss der physisch - geographischen Verhältnisse
eines Landes ist zur richtigen Auffassung seiner Fauna oder Flora
durchaus nothwendig. Wenn gleich einem scharfsinnig beobachtenden
Naturforscher durch das blosse Vorweisen, der in einer Gegend gefundenen
Thiere oder Pflanzen nach den verschiedenen Abweichungen der
Formen sogleich ein allgemeines Bild des Landes gegeben ist, so
bleiben ihm dennoch manche Räthsel ungelöst, welche er vergebens
aus der Analogie mit andern Ländern aufzuklären sich bestrebt. Auf
Anwesenheit von Meeresküsten, grossen Flüssen, sandigen Flächen,
hohen Gebirgszügen und ausgedehnten Wäldern schliesst er leicht aus
dem Vorherrschen oder Zurücktreten derjenigen Formen^ die an diese
Localitäten gehunden sind; aber ihre Wechselverhältnisse und die
dadurch bedingten Typenänderungen kann er, auch bei den vollständigsten
Materialien, welche ihm Sammlungen alleine darhieten, nur
höchst unbestimmt erratken und erst die genauen Localitätenangahen
und geographischen Schilderungen der Reisenden werden ihm klar
enthüllen, was er vorher nur dunkel geahnet hat. Bei den Gegenden,
welche die Erzeugnisse des eisigen Nordens und der brennenden Tropen
in sich vereinigen, ja dieselben oft neben einander gleichzeitig erzeugen,
sind diese Darstellungen besonders wichtig, wresshalb ich auch fiir die
in vorliegendem W erke zu bearbeitende Fauna von Peru, eine gedrängte
geographische Skizze dieses Landes zu geben für nothwendig halte.