
geographischem als politisch geographischem Standpunkte betrachtet
werden muss.
Die Säugethiere, die wir hier nun speciell behandeln werden,
bestätigen durchaus das eben Gesagte. Mehrere derselben können als
typisch für Peru gelten; sie erstrecken sich aber auch nach Brasilien
und dem Aequator (einige Alfen), andere gehören den angränzenden
Ländern an, streichen aber nach Peru herüber; wieder andere sind
genau an dieses Land gebunden und zwar nur an kleine Distrikte
desselben (mehrere Handflügler, Raubthiere, Nager und Didelphen),
während endlich einige sich in einer nur durch die Cultur unterbrochenen
Kette von der Südspitze von Patagonien durch das ganze südliche
Amerika über den Isthmus Ton Panama nach Nordamerika fortsetzen
und erst in den kältesten Theilen dieses Landes sich Yerlieren, wie
dies mit dem amerikanischen Löwen, der Felis concolor L. der Fall
ist. Leberhaupt finden wir, dass die Ordnung der Raubthiere auf
der ganzen Frde den ausgedehntesten, hingegen die der Rruta den
beschränktesten Verbreitungsbezirk hat.
Da an die ewigen Wechselverhältnisse zwischen der Pflanzen- und
Thierwelt die Bedingung des Vor- oder Zurücktretens der letztem auch
in ihren leisesten Abänderungen gebunden ist, so giebt uns die Kennt-
niss der physischen Beschaffenheit Yon Peru, wie wir sie in der Einleitung
aus einander gesetzt haben, schon ein richtiges allgemeines Bild
über die Ausbreitung der Säugethiere in diesem Lande.
Alle Thiere, deren Existenz von einer reichen Vegetation, Sümpfen,
grossen Flüssen und erhöhter Temperatur abhängt, finden sich nur
östlich von der Binnen- oder Mittelcordillera; die aber, welche trockene,
wenn auch sterile Gegenden nöthig haben, oder die ausschliesslich oder
doch hauptsächlich im Meere leben, nur an der Küstenregion; während
die Familien, die bei nüchterner vegetabilischer Nahrung ein kaltes
Clima vertragen, auf den Hochebenen der Andes ihre Heimath haben.
Die Ordnung der Quadrumanen findet sich in Peru nur in der
eigentlichen Waldregion; selten verirren sie sich in die untere Ceja-
region; weiter nach Norden jedoch in der Republica del Ecuador, auch
an der wasser- und pflanz enreichen Küstenregion. Die Handflügler sind,
die Puna- und Cordilleraregion ausgenommen, in allen übrigen Regionen
zu treffen. Ihr Maximum sowohl an Speeles als Individuenzahl erreichen
sie aher in der eigentlichen Waldregion und zugleich eine für Menschen
und Thiere verderbenbringende Wirksamlseit.
Die Raubthiere sind in allen Regionen ohne Ausnahme vorhanden,
aber ihre einzelnen Familien doch in denselben sehr verschieden
vertheilt. Die ganze Ahthcilung der Jnsectivora fehlt in Peru, ebenso
in Brasilien *) und wahrscheinlich in ganz Südamerika2). Von der
Abtheilung der Plantigrada kömmt nur das einzige Genus Ursus L. in
allen Regionen vor, die übrigen Genera sind alle auf den östlichen
S trich3) beschränkt (Nasua, Cercoleptes, Galictis).
Die Digitigrada sind auch hier wie überall am weitesten verbreitet
und ertragen am leiehtesten die sehr bedeutenden climatischen Veränderungen;
nur das Genus Mustela ist an den Mittelstrich gebunden,
da diese Thiere durchaus die heissen Regionen fliehen, was auch ihr
gänzliches Fehlen im östlichen nnd nördlichen Südamerika beweist.
Die Genera Lutra, Canis, Felis ziehen die heissen We st- und Ost-
strichc vor, da besonders den grossem Species des letzten Genus diese
Gegenden reichlichere Nahrung darbieten. Dass die Familie der Pinni-
pedia, sowie die Ordnung der Celaeea ausschliesslich im westlichen
Striche Vorkommen, bedarf kaum einer Erwähnung.
Sehr reich an Individuen und Species ist das Genus Didelphys,
das einzige der Ordnung der Marsupialia; die Cordilleraregion ausgenommen
findet es sich in allen übrigen vor, ist jedoch am zahlreichsten
im östlichen Striche.
Wie die Ordnung der Raubthiere, so ist auch die der Rodentia
über alle Theile des Landes verbreitet, aber in ihren einzelnen Familien*
wieder mehr oder weniger auf gewisse Regionen beschränkt. Nur im
Weststriclic ist das Genus Cavia der Familie der Subungulata. Eigen-
0 Nach Mittheilung von Hrn. Prof. A. Wagner.
2) Die bis jetzt aus Südamerika bekannt gemachten Insectivora, wie Chrysochloris rufa Desm.
(Talpa rubra americana Seba Tbes. I. p. 51, I. 32 fs. 2), Sorex surinariiensis Shaw, Erinaceus
inauris L. aus Guyana sind noch sehr dürftig gekannte Species und es mu§s sowohl ihr Vaterland
als ihr speciüscher Werth noch genauer bestimmt werden.
3) Wir bezeichnen hier als »östlichen Strich« die Regionen östlich von der Binnencordillera,
als »westlichen Strich« die westlich von der Küstencordillera gelegenen und als »Mittelstrich« die
von diesen beiden Gebirgszügen eingeschlossenen.