
Aus dem von Linné Syst. Nat. 1758 creirten Genns Mustela sind
theils nach der Anzahl der Lückenzähne, theils nach der Körperform
und nach dem Baue der Füsse mehrere Unterabtheilungen gemacht worden.
Eine derselben (deren Typus M. lutreola Linné) könnte sogar
zum eigenen Genus erhoben werden, besonders wenn einmal der Werth
der gegenseitigen Stellung der Zähne mehr gewürdigt wird. Der Marder,
von dem wir hier handeln werden, gehört zur Abtheilung der
Wiesel; wir benennen ihn
M. AG1LIS. Tsch.
)f. supra ex rufo canescens, sublus albicans.
Der Körper ist sehr schlank; der Kopf klein und sehr zugespitzt;
der Schwanz viel kürzer als der Körper, ziemlich dicht, aber kurz
behaart. Kopf, Rücken und Schwanz sind röthlichgrau ; die Basis der
Haare ist grau, ihr folgt ein breiter graugelber Ring und diesem eine
röthlichhraune Spitze. Die Schnauze ist hei einigen einfach dunkelbraun,
bei andern ist die Oberlippe weiss gesäumt. Kehle, Brust,
Bauch und die innere obere Seite der Extremitäten sind weisslichgrau,
zuweilen ganz grau ; die Basis der Haare aber immer grau. Die Füsse
sind dunkler als der Körper, fast kastanienbraun. An der Spitze ist
der Schwanz dunkler als an der Wurzel. Die Ohren sind auf der
Aussenseitc dunkelbraun, auf der innern weisslich. Die Färbung dieses
kleinen niedlichen Thieres variirt beinahe eben so sehr wie die der
europäischen Wiesel. Seine ganze Länge beträgt 9 — 1 0 " ; die des
Schwanzes 4 "—4 " 4 '" ; die des Kopfes 1" 8"'.
Esi war bisher noch keine Mustela mit Gewissheit aus Südamerika
bekannt f wenn gleich Molina 'zwei Thiere unter diesem generischen
Namen auffiihrte, M. quiqui Chile p. 288 und M. cuja Chile p. 272
und Hr. Prof. Poppig Froriép Notiz. XXVI. p. 217 dieselben wieder
aufgefunden haben will. Prof. A. Wagner Schreb. Suppl. H. p. 244
erhebt gerechte Zweifel gegen die Aüfnahme dieser Thiere in das
Genus Mustela, indem bei keinem der Zahnbau mit dem dieser Gattung
übereinstimmt, da fürs erstere f=§-, fürs letztere Backenzähne angegeben
werden. Diese, wenn auch vagen, Angaben, besonders aber
das Vorkommen eines Marders (M. frenata Licht.) in Mejico liessen
uns auch auf deren Existenz in den Anden von Südamerika schliessen
und unsere Vermuthung hat sich durch die Entdeckung der oben beschriebenen
Species gerechtfertigt. W ir glauben sogar, dass daselbst
verschiedene Arten davon Vorkommen, denn wir haben mehrere Male ein
wieselartiges Thier von beinahe zwei Fuss Länge gesehen, ohne dass
es uns geglückt wäre, eines davon zu erlegen. Auch die Angabe der
Indianer bestärkt uns in unserer Ansicht. W ir sind sehr geneigt anzunehmen,
dass auch die Mustela quiqui Mol. 1. c. wirklich zu diesem
Genus gehöre, und dass die Zähne entweder unrichtig oder nur im
jugendlichen Alter gezählt wurden.
Lebensweise und geographische Verbreitung. Das peruanische Wiesel
lebt auf den kalten, öden Hochebenen der Cordillera an sonnigen Steinhaufen
und Felsen gewöhnlich in Gesellschaft von 8 - 1 2 Stücken.
Diese Thicrchen sind so ausserordentlich behende und scheu, dass bei
dem leisesten Geräusche die ganze Schaar mit Blitzesschnelle verschwindet.
Es ist uns auch nie gelungen, eines derselben zu erlegen.
Die Indianer aber verstehen es, dieselben lebendig einZüfangen und zu
zähmen. Ein sehr zahmes sahen wir bei einer uns befreundeten Dame
in Tarma; gegen alle Fremden biss es mit Wuth und liess, sich nicht
anfassen, während es sich von seiner Herrin Alles gefallen liess; sie
öffnete ihm den Mund und steckte ihm den Finger hinein, ohne dass
es eine böse Miene dazu machte, während es bei der geringsten Belegung,
die wir machten, es zu ergreifen, grimmig auf uns lossprang.
Wenn es eingeschüehtert wurde, versteckte es sich in den Busen seiner
Gebieterin und kroch ihr bald nachher zum Acrmel heraus; An
den Wänden und Meublen kletterte es mit grosser Behendigkeit und
schlüpfte durch so kleine Ritzen und Löcher, dass wir fast an der
Möglichkeit dieses Hindurclidringens gezweifelt haben würden, wenn
wir cs nicht selbst mit angesehen hätten. Wenn es unartig war, würde
es mit einer Schnur an seinem Meinen Halsbande festgebunden; dadurch
vermehrte sich sein Zorn, so dass es zuweilen gegen die Dame auffuhr.
Mehrmals verschwand es während 8—10 Tagen und kam dann plötzlich
wieder zum Vorschein. Seine Nahrung bestand in Gemüse und
Fleisch, besonders aber liebte es Zuckerbrod in Milch aufgeweicht;
einmal machte es sich an einen Kanarienvogel, den' es auch tödtete.
15 *