
bestehe; eine Angabe, die weder auf Falco diodon Temm. noch auf F.
femoralis Temm. passt. Trotzdem fehlen auch hier nicht ausführliche
Angaben über die Färbung aller nackten Theile und geographische
Verbreitung. Welchen Werth dieselben haben, wird Jeder leicht ein-
sehen!« Cabanis.
2. F. SPARVERIUS. Lin.
Die Haube ist grau; Ohrgegend und Nacken schwärzlich; der
Rücken rothlichbraun, mit einzelnen, mehr oder weniger deutlich ausgeprägten,
schwarzen Querbinden; bei sehr alten Individuen fehlen auch
diese. Die Fittigfedern sind auf dem äussern Fahnenbarte schwarz, die
beiden ersten mit einem weissen Saume, die übrigen mit weissen Flecken
an der Basis. Der innere Fahnenbart ist an der Spitze schwarz, im übrigen
Verlaufe hat er keilförmig in einander greifende schwarze und weisse
querdreieckige Flecken. Die Schwungfedern verhalten sich ähnlich,
haben aber an der Spitze gewöhnlich einen weissen Saum. Die obern
Flugdecken sind dunkel aschgrau; die einzelnen Federn haben schwarze
Flecken in der Nähe der Spitzen. Die Schwanzfedern sind lebhaft roth-
braun; über die Spitze verläuft eine weisse Binde und vor derselben eine
viel breitere schwarze; die Schäfte der beiden mittelsten sind schwarzbraun,
der übrigen zimmtbraun. Die äussere Fahne der äussersten
Schwanzfedern ist weiss, mit einem schmalen schwarzen Streifen längs
des Schaftes. Die Kehle ist grau oder weiss, die Brust bell bräunlich-
weiss. Der Unterleib und die untern Flug- und Schwanzdecken sind
schmutzigweiss. Alle diese Theile sind mit einzelnen, länglichrunden
Flecken geziert.
Die Wachshaut ist gelb; der Schnabel schwarzblau an der Spitze,
weisslichblau in der Mitte und gelb an der Basis. Die Tarsen sind hellgelb,
die Nägel blauschwarz, die Iris gelb.
Ganze Länge 10" 6"', Schnabel 7"', Flügel 7", Tarse 1" 4'".
Verhältniss der Tarse zum Flügel 1 : 5,5.
Die Varietäten, denen diese Species unterworfen ist, gehen ins Unendliche.
Selten haben wir zwei vollkommen übereinstimmende Exemplare
gesehen. Bald ist die Grundfarbe rostroth, bald gelbbraun, oder
dunkelbraun, oder rauchbraun etc. Es ist unnöthig, die Abweichungen
näher anzuführen, da dieser Meine Falke allgemein bekannt ist. W ir
wollen nur bemerken, dass zuwieilen Exemplare Vorkommen, die einen
einfarbig lebhaft rothbraunen Schwanz und Grissum haben. Es rührt
diese Färbung von röthlichem Thone her, auf dem sich die Vögel oft
aufhalten.
Lebensweise. Der F. femoralis kömmt in Peru nicht häufig vor; wir
haben ihn nur dreimal in der tiefen Waldregion und einmal in der Sierra
gesehen; er scheint mehr dem Flachlande Brasiliens anzugehören. Der
F. sparverius hingegen ist einer der gemeinsten Vögel nicht nur in Peru,
sondern im ganzen südlichen Amerika. E r ist an kein bestimmtes Klima
gebunden; an der Küste, am Meeresufer und in den höchsten Cordilleras,
in der Sierra und in den Urwäldern, überall ist er gleich häufig. E r ist
sehr kühn und für seine unbedeutende Grösse sehr stark. Mit bewunderungswürdigem
Muthe greift er sogar Raubvögel an, die vier- bis fünfmal
grösser sind als er selbst, z. B. den Polyborus megalopterus. Dieser
Zweikampf ist merkwürdig. Der F. sparverius stürzt sich auf seinen
Gegner, der sich sogleich zur Wehr setzt und ihn mit dem Schnabel
verfolgt; der kleine Falke dreht sich mit Blitzesschnelle ab, steigt in die
Höhe und greift seinen Feind im Rücken an, der eben so rasch sich
zur Wehr setzt. So kreisen sie oft Viertelstunden lang um einander, indem
sie sich ruckweise heftig stossen. Fast immer bleibt der F. sparverius
Sieger und zerfleischt seinen mächtigem Gegner.
Die Peruaner nennen ihn Cernicalo. E r kann leicht gezähmt werden
und würde ohne Schwierigkeit zur Jagd abgerichtet werden können,
wenn sich irgend ein Jagdliebhaber die Mühe geben wollte. Das Weibchen
legt zwei bis drei Eier in einem einfachen Neste an Felsen oder
altem Gemäuer. Ueber die Brütezeit können wir nichts mit Bestimmtheit
angeben.
10. Gen. ICTINIA® Vieill.
Schnabel kurz, an der Basis gerade; Firste comprimirt; Kuppe
stark gebogen; Tomienrand des Oberkiefers mit einem Zahn, des Unterkiefers
gegen die Spitze zu ausgeschnitten; Nasenlöcher rundlich;
Wachshaut nackt; Flügel lang, dritte Fittigfeder die längste; Tarsen
kurz, dünn, beschildert; Zehen kurz, die äussern an der Basis durch