
nicht sehr scheu, sieht aber doch bei Tag’ in grosse Entfernung. Ihr
Flug ist weniger leise als der anderer Eulen und mehr gleichmässig. —
Ihr Verbreitungsbezirk ist sehr ausgedehnt; sie ist in Mejico, Surinam,
Brasilien, Uruguay, La Plata, Bolivia und Peru gefunden worden;
westlich von den Anden scheint sie nicht vorzukommen und sich auch
nicht mehr als 6000‘ ü. M. zu erheben.
14. Gen. ISUISOo Cuv.
1. B. VIRGINIANUS. Less.
Die obern Theile des Körpers und des Kopfes sind braun und weiss
marmorirt, mit einzelnen ocherfarbenen Schattirungen. Die verlängerten
Scheitelfedern sind dunkel schwarzbraun, an der Basis ochergelb, am in-
nern Fahnenbarte weiss gesäumt. Ueber die Fittig- und Schwungfedern
verlaufen abwechselnd dunkelbraune und hell ochergelbe oder graubraune
Querbinden, letztere unregelmässig marmorirt. Auf dem Schwänze verhält
sich die Färbung ähnlich, doch sind die helfen Querbinden auf dem
innern Fahnenbarte mehr gelb, die andern weisslich. Die Federn der
Schnabelwurzel sind weiss, mit einem leichten braunen Anfluge. Der
Gesichtskranz ist schwarzbraun; die Kehle und die Brust sind weiss;
Bauch und Weichen mit schmalen, braunen und breiten, weissen, unterbrochenen
Querbinden. Die untern Flugdecken sind weiss.
Der Schnabel ist braun; die Wachshaut gelblich; die Läufe und
Zehen schmutzigweiss; die IVägel an der Basis gelbbraun, an der Spitze
dunkelbraun. Iris gelb.
Ganze Länge 1' 10" (bis 2 ' 3"), Schnabel 2 " 6 " ', Flügel Ü 2",
Tarse 2 " 3 ///. Verhältniss der Tarse zum Flügel 1 : 6,3.
Nach wiederholten und genauen Untersuchungen* zögern wir keinen
Augenblick, die Strix virginiana, St. mexicana und St. magellanica in
eine Species zu vereinigen. Die einzigen Unterschiede sind in der absoluten
Grösse, nicht aber in der relativen der einzelnen Körpertheile unter
einander. Verfolgt man diese Species von der Südspitze von Patagonien
durch die Hochländer von Chile, Bolivia, Peru, Columbia, Mejico bis
hinauf nach Nordamerika, so findet man eine regelmässige Abstufung in
der Grösse, die freilich sehr bedeutend erscheint, wenn man die einzelnen
Extreme hervorhebt, aber durchaus verschwindet, so wie man die nöthi-
gen Bindeglieder berücksichtigt.
Lebensweise. Der Bubo virginianus ist ein Vogel .des kalten Hochlandes
von Südamerika. In Peru haben wir ihn in der Punaregion bis
zu 15,000' ü. M. getroffen. Bei Tag sieht er sehr wenig; man kann
sich ihm geräuschlos nähern und ihn mit Stöcken todt schlagen. Er ist
ein sehr gieriges Raubthier und greift ziemlich grosse Thiere an. In
Chacapalpa haben wir neben den Felsen, auf denen sich immer mehrere
dieser Vögel aufhielten, Ueberreste von Mephitis und Lagidium gefunden.
Die Indianer nennen ihn Chushec; ein Name, der auch bisweilen
der Strix perlata beigelegt wird.
15. Gen. OTUS» Cuv.
1. O. BRACHYOTUS, Less.
Die amerikanische Strix brachyotus zeigt weder von der europäischen
noch von der von den Sandwichinseln irgend einen specifischen Unterschied.
Es ist schwierig, zwei in der Färbung vollkommen mit einander
übereinstimmende Exemplare zu finden, da sie nach Geschlecht, Alter,
Jahreszeit und Localität sehr abweichen; die relativen Körperverhältnisse
bleiben aber immer dieselben. W ir haben brasilianische Exemplare mit
ganz weissem Bauche und dunkelbraunen Längsflammen beobachtet und
peruanische mit ochergelbem Bauche, deren Tarsen nur sehr spärlich
mit Längsstreifen überzogen waren. Bei den einen ist der Angenkreis
mehr, bei andern weniger schwarz etc.
Grösse eines peruanischen Exemplares: Ganze Länge 1 '5 " , Schnabel
1" 3'", Tarse 1" 4 1(*///, Flügel 1' 1". Verhältniss der Tarse zum
Flügel 1 : 9,2.
16. Gen. STMIXo Lin.
1. ST. PERLATA. Lichtenst.
Scheitel, Rücken, obere Flug- und Schwanzdecken und die Eckflügel
sind graubraun, mit unzähligen feinen, unterbrochenen, weissen,
wellenförmigen Querlinien und einzelnen weissen, rundlichen Fleckchen,
von denen gewöhnlich eines auf einer jeden Feder in der Nähe der Spitze
mitten auf dem Schafte sitzt. Ueber die Schwing- und Fittigfedern ver-
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