
wohl eine JSauptursache davon sein. Zwischen zwei und drei Uhr
Nachmittags beginnen sie während 4 Monaten mit einer merkwürdigen
Pünktlichkeit und dauern bis fünf oder halb sechs Uhr Abends. Wah rend
eines mehrjährigen Aufenthaltes auf diesen Höhen habe ich nie
einen Gewittersturm nach sechs Uhr Abends oder des Nachts beobachtet,
während dieselben in der Waldregion hauptsächlich nur des
Nachts eintreten. Nach dem Gewitter folgt gewöhnlich ein Schneegestöber,
welches bis gegen Morgen andauert. Vor Sonnenaufgang
jagen nur noch eiskalte Nebel von den Gebirgskämmen nach den Ebenen
hinunter und verschwinden beim Erscheinen der Sonne, die auch in
wenigen Stunden den Schnee verschwinden macht.
Im Sommer oder von Mai bis October ist der Himmel heiter,
selten entladen sich Gewitter; der Wind bläst zuweilen heftiger, als
im Winter. Die Nächte sind sehr kalt.
Es ist fast unmöglich, die mittlere Temperatur dieser Region
anzugeben; denn in vier und zwanzig Stunden wechselt sie oft um
18 bis 20° R. Mehrere Reisende^ die sich nur wenige Tage und
nur in einer Jahreszeit daselbst aufgehalten haben, haben es zwar versucht,
aber wie natürlich nur höchst unrichtige Resultate zum Vorschein
gebracht. Nach vielfältigen Reobachtungen glaube ich folgende Resultate
als sehr annähernd angeben zu können: Im Winter mittlere Temperatur
des Nachts -f- 1° 2 R., des Mittags -f- 7° 0 R. Im Sommer
des Nachts — 5° R., des Mittags + 9° 7 R.
Ein sehr bemerkenswerthes Phänomen trifft man in dieser Region
hin und wieder an; es ist den Rewohnern sehr wohl, den Reisenden
viel weniger bekannt. Herr Prof. Pöppig hat im zweiten Theile seiner
Reise in Chile und Peru darauf aufmerksam gemacht. Man begegnet
nämlich plötzlich warmen Luftströmungen, die zuweilen nur zwei bis
drei Schritt breit sind, oft aber auch mehrere hundert Fuss, und sich
rasch wiederholen. In der Hochebene, welche sich zwischen Chaca-
palpa nach Huancavelica erstreckt, habe ich sie besonders häufig in
den Monaten August und September bemerkt. Soweit meine zu wiederholten
Malen angestellten Beobachtungen reichen, ist die Hauptrichtung
dieser Strömungen die der Cordillera, nämlich von SS. O. nach NN. W .
Nicht weniger auffallend ist die ausserordentlich rasch austrocknende
Wirkung der Punawinde, welche besonders bei thierischen Körpern
in auffallendem Grade statt hat.
Die Vegetation der Puna ist arm. Gräser, und unter diesen vorzüglich
die Stipa Ichu, haben die Oberhand. Die Phanerogamen sind
repräsentirt durch die Ordnungen der Synantheren, Mutisiaceen, Malpi-
ghinen, Papilionaceen, Gentianen, Verbenaceen, Scrophularinen, Sela-
noceen etc. Von Gemüsen kömmt nur die Maca vor; sie wird auf
einer Höhe von 12,200 Fuss angepflanzt und gedeiht zu ihrer vollkommenen
Reife. Die Gerste wird bis zu 13,050' ü. M. gepflanzt,
wird aber nicht mehr reif.
In der Fauna finden wir ein auffallendes Hervortreten der Individuenzahl
auf Unkosten der Zahl der Species. In dieser Region ist
das eigentliche Vaterland der Auchenien und Lagostomen und der
Hauptwohnsitz der von Europa eingeführten Rinder, Pferde und Schafe.
An Vögeln ist die Fauna noch arm; der Condor und Polyborus
montanus, ein Specht, einige Fringilliden, Crypturen, Sumpf- und
Wasservögel herrschen hier vor. IVenige Ratrachier und einige Echsen
machen die herpetologische Fauna aus. Von Fischen finden sich mehrere
Species Siluroiden in den kleinen Flüssen der Hochebenen.
E. OESTLICHE SIERRAREGION.
1 1 ,000—8 000' ü. M.
Diese ganze Region besteht aus sanft nach Osten sich neigenden
Thälern, die von der vorhergehenden meistentheils durch schroff nach
Osten einfallende Felsenrücken getrennt wird. Viele dieser Thäler
sind offen, ausgedehnt und flach, andere, und zwar der grösste Theil,
uneben und eingeschluchtet. Die in der Punaregion ihren Ursprung
nehmenden Räche vereinigen sich hier zu Flüssen; Quellen sind sehr
selten in dieser Region, häufig jedoch kleine Seen.
W ie in der vorhergehenden Region beginnt hier im October die
Regenzeit. Die Gewitter sind dann häufig, jedoch nicht täglich wiederkehrend;
aber sehr oft von Hagel, nie von Schnee begleitet. Die
Atmosphäre ist nasskalt; der Regen dauert oft wochenlang an, ohne
aufzuhören. Im März beginnt der Sommer imd mit ihm der nächtliche
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