
der Erschöpfnngstod tausende wegrafft. Wird auf diese Weise das
stolze Huanaco zum Llama veredelt?! Oder soll es sich vielleicht zum
Paco hinunter verkümmern, zu einem Thiere, das zwar gepflegt wird,
ihm aber an Körperkraft weit nachsteht, an Zartheit der Form und
Feinheit der Wolle es übertrifft? Sollte hier die Pflege eine Verkrüppelung
begünstigen? Es leuchtet gewiss Jedem ein, dass wir diese
Verschiedenheiten als Artenunterschiede und nicht als Modifikationen,
durch den Zustand als Hausthiere bedingt, betrachten müssen.
Die Anzahl der Llama’s in Peru ist gross, sie sind aber sehr
zerstreut, indem die Männchen in kleinern Truppen von 4 0— 80 Stück
zum Lasttragen gebraucht werden, die Weibchen aber in etwas grossem
Schaaren auf den Hochebenen weiden. Herr Meyen schätzt in
seiner Reise Bd. III. p. 73 die Menge der von ihm gesehenen Llama’s
auf 5 !/2 Millionen; der Reiz der Neuheit scheint des Erzählers Phantasie
etwas aufgeregt zu haben und die Menge dieser Thiere, wie so
manche andere Verhältnisse, die dieselben betreffen, hat er in falschem
Lichte betrachtet. In den Provinzen Puno, Cusco und Ayacucho werden
sie am häufigsten gehalten und von da besonders nach den Minen
von Cerro de Paseo ausgefulirt, wo sie zum Transport der Silbermetalle
gebraucht werden. Durch die Einführung der Einhufer ist der
Preis der Llama’s ausserordentlich gesunken; kurz nach der Eroberung
von Peru wurde ein starkes männliches Llama mit 18 — 20 Dukaten
bezahlt, jetzt kostet das Stück 3 —- 4 spanische Thaler, in grossen
Parthien i y s -^ -2 Piaster. Das Gewicht, welches ein Llama trägt,
darf 5 Arobas (125 Pfund) nicht übersteigen; selten werden mehr als
100 Pfund geladen. Die Angabe von D. Gregorio de Bolivar, dass
diese Thiere 150 Pfund und die stärkern 250 Pfund tragen, ist sehr
übertrieben. Die Tagereisen, welche sie zurücklegen, sind sehr klein,
3 bis 4 Leguas sind das Maximum; die Ursache davon liegt darin,
dass die Llama’s des Nachts nie fressen und also während des Gehens
ihre Nahrung suchen oder mehrstündige Ruhezeit haben müssen.
Zum Reiten werden sie nirgends benutzt; zuweilen setzt sich ein
Indianer auf eines seiner Thiere, wenn er einen Fluss zu passiren hat
und sich nicht gerne nass macht, verlässt es aber, so wie er an das
entgegen gesetzte Ufer kömmt.
Die Angabe von Brandt I. c. p. 12 (von Meyen I. c. p. 73 wiederholt),
dass nach Ulloa die Llama’s in Riobamba als Zugthiere benutzt
werden, hat Prof. A. Wagner Schreb. Säugeth. p. 1820 schon
hinreichend aus Ulloa’s Citat widerlegt.
Die Indianer castriren häufig die Männchen, um schmackhafteres
Fleisch und längere Wolle zu erhalten. W ir können der Angabe von
Garcilaso de la Vega Coment. real. I. lib. VIII. cap. XVI, welcher
sagt: »das Fleisch von diesem grossem Vieh (den Llama’s) ist das
beste, welches es gibt (es la mejor de enantas oy se comen en el
mundo); es ist zart, gesund und schmackhaft; das von den Jungen von
4 bis 3 Monaten verordnen die Aerzte eher als das von Hühnern oder
Küchelchen« — nicht ganz beipflichten, wenigstens nicht in Beziehung
auf die Schmackhaftigkeit, und geben dem Fleisch der Vicuna’s unbedingt
den Vorzug. Sehr beliebt ist das Fleisch der nngebornen Vicuna’s
und Llama’s, welches mit spanischem Pfeffer zubereitet ein sehr
leckeres Gericht liefert.
Die Färbung der Llama’s ist sehr verschieden ; wir haben sie schon
oben angeführt; ganz weisse oder ganz schwarze sind häufig in der
Provinz Junin, besonders um Huayhnay.
Wir wollen hier noch eine Stelle aus dem werthvollen Werke
des originellen und gebildeten Abkömmlings der peruanischen Könige,
Inca Garcilaso de la Vega 1. c. lib. VIII. cap. XVI. p. 214 übersetzen,
die nicht ohne Interesse sein dürfte:
»Zur Zeit des Vicelsönigs Blaseo Nunez de Vela, in den Jahren
1344 und 1343, entstand neben andern Plagen, welche damals in Peru
herrschten, unter den Llama’s eine Krankheit, welche die Indianer Ca-
racha nennen, was so viel als Krätze ist. Es war ein höchst verderbliches',
bis dahin noch nie gesehenes Uebel; es zeigte sich anfänglich
an der innern Seite der Schenkel und am Bauche und breitete sich
von da über den ganzen Körper ans, indem es 2 bis 5 Finger hohe
Krusten zurückliess, vorzüglich aber am Bauche, wo sich die Krankheit
am meisten hinzog; cs entstanden Spalten, die durch die ganze
Dicke der Kruste bis aufs Fleisch offen waren und aus denen sich
Blnt und Eiter ergoss, so dass in wenigen Tagen die Thiere aufgeneben
wurden. Das Uebel war sehr ansteckend und tödtete zum