
dem von d’Orbigny Tab. 10 (Voy. dans l’Am. Merid.) abgebildeten,
soweit sich dieselbe m i t unserm Exemplare vergleichen lässt, übereinstimmt
und die nämliche Species zu sein scheint. Um aber zur
Gewissheit zu gelangen, ist eine Beschreibung und Angabe der Grössenverhältnisse
und des Vaterlandes nothwendig.
Von den übrigen bekannten Arten zeichnet sich diese durch die
Theilung der Ohrklappe, den sehr kurzen Schwanz und die kleinen
Nägel aus.
Lebensweise und, geographische Verbreitung. Hohle Baumstämme
sind der Lieblingsaufenthalt der Noctilionen; sie verlassen dieselben
nur bei schon angebrochener Nacht und scheinen selbst die Dämmerung
zu fliehen. Ihr Flug ist stossweise, kurz und rasch. Die Nahrung
besteht vorzüglich aus Elateren, denn wir haben immer im Hagen
derselben Reste von diesen Insekten gefunden. Bei keinem der übrigen
Handflügler ist so sehr der Charakter der nächtlichen, lichtscheuenden
Mordsucht und eines verbissenen Ingrimmes ausgedrückt, als bei dieser
Gattung. Lebend gefangen, geben sie einen schnalzenden Ton von
sich, beissen wüthend umher und suchen irgend einen Gegenstand
anzupacken, den sie auch nicht leicht wieder loslassen, wenn sie nur
für die Zähne einen Anhaltspunkt finden. W ir setzten einen N. uni-
color, der sich aus Zorn selbst in den Flügel gebissen hatte, unter ein
Glas und beobachteten, wie er während drei Stunden lang den Flügel
nicht losliess. Es erinnert diesS an die Eidechsen, die wie bekanntlich
oft Tagelang den angebissenen Schwanz nicht wieder fahren lassen.
Die Verbreitung-von N. unicolor ist ausgedehnt, deim er scheint
von 5 ^ 1 5 ° S. B. vorzukommen; im westlichen Striche findet er sich
in Peru nicht; .er steigt im östlichen nicht über 3 0 0 0 ' ü. M. und
kömmt also besonders in der heissen Waldregion vor. Das Exemplar
von N. affinis erhielten wir in Tarma 10,0 0 0 ' ü. M»; er ist da ziemlich
häufig, aber wegen seiner so sehr nächtlichen Lebensweise nur zufällig
zu erhalten; es scheint uns nicht, als ob er tief in die Waldregion
hinunter steige. Höher hinauf nach der Punaregion verirrt er sich
wahrscheinlich nur höchst selten.
5. Genus. M©L©SSUS« Geoffroy St. H.
Form, dent: dent incis. i j 4 , 4 , 4 , dent. Un. dent. mol. |= ÿ , rap.
Der Kopf ist kurz, aber breit; die Oberlippe wulstig und stark
entwickelt; der Rand der Nasenlöcher aufgeworfen. Die Ohren sind
gross, entweder nach vorn liegend oder gerade aufstehend; auf der
Stirne entweder ganz vereinigt oder nur durch einen sehr schmalen
Zwischenraum getrennt- Die Klappe ist klein und tief im Ohre sitzend.
Der Körper ist untersetzt. Die Flügel sind schmal, nach hinten stark
ausgeschnitten und ziemlich lang. Der Schwanz überragt die Schenkelhaut.
Bei sehr vielen Species befindet sich an der untern Seite des
Halées in der Mitte eine Drüse, welche eine dunkelbraune, schmierige,
übelriechende Flüssigkeit von syrupähnlicher Consistenz absondert.
Vom Skelette ist zu bemerken, dass die Ellenbogen und Kniescheibe
immer vorhanden sind und besonders erstere oft sehr gross-
die fibula vollkommen entwickelt, wiewohl schwach; die Ulna nur
rudimentär. Bei allen von uns untersuchten Exemplaren haben wir
immer den humérus genau So lang wie die Wirbelsäule vom ersten
Hals- bis zum ersten Schwanzwirbel gefunden.
Temminck hat in seinen Monographies de Mämmologie T. I.
p. 20S diese Gattung mit grosser Sorgfalt bearbeitet und darin besonders
auch die sehr bedeutenden Veränderungen, denen dié numerischen
Verhältnisse der Schneidezähne dieser Thiere nach dem Alter unterworfen
sind, ausführlich behandelt. E r hat darin gezeigt, wie durch
die Entwickelung der Basalleiste der Eckzähne im Unterkiefer die
Schneidezäkne ausgestosäen werden, so dass im vorgerückten Alter
durch das vollkommene Aneinanderstossen der inneren Seiten dieser'
Leisten sogar das letzte Paar Schneidezähne berausgedrückt werde.
Diese sehr interessante Erscheinung, die früher mannigfachen Anlass
zur Aufstellung neuer Genera gegeben hatte, wurde später vielfach
verificirt, und wir haben sie auch durch die peruanischen Molossen
bestätigt gefunden.
Nach Temminck sollen die fibula und tibia beinahe von gleicher
Stärke sein, was aber nicht richtig ist; denn erstere ist immer schwächer,
bei einigen sogar fadenförmig und kaum ein Drittel der Stärke
1 1 *