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162 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
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dass dieser Wechsel der Brüche und Hochmoore nur eine Folge verschiedener
Bewässerung sei, vielmehr ist durch die Vertheilung dieser
beiden Formationen nur der Gegensatz zwischen den klimatischen
Bedingungen der Eriken und anderer Sträucher von höherem Wüchse
ausgedrückt, welche eines kontinentalen Sommers bedürfen. Die
Vegetation empfängt ihren Charakter nicht durch die Art und Weise,
wie der Wasserabfluss gehemmt ist, sondern sie bewirkt eben, dass
die Stauungen desselben nach verschiedenen Normen erfolgen, je
nachdem sich der Humus aus Eriken oder aus Cyperaceenrasen und
Strauchwurzeln bildet.
Die Pussten Ungarns schliessen sich durch ihre Vegetation so
nahe den Steppen des südlichen Russlands an, dass man die Frage
aufwerfen muss; ob es nicht willkührlich sei, sie von ihnen zu trennen.
Die Steppe selbst hat, wo der Boden die Pflanzen einladet,
ihre von Wald umschlossenen westlichen Vorposten auch ausserhalb
der Karpaten: eine solche Bildung wird in der Gegend von Chotin
am Dnjestr angeführt, wo Galizien, Bessarabien und die Moldau
sich berühren, ähnliche werden wahrscheinlich in den Donaufürstenthümern
zu finden sein. So sind auch die Pussten in der Abwesenheit
der Holzgewächse, in dem Vorherrschen der Gramineen, in der
Mannigfaltigkeit eingemischter Stauden und der ungeschlossenen
Rasendecke, wodurch sich die Grassteppe so bestimmt von der Formation
der Wiesen unterscheidet, mit jenen Landschaften russischer
Hirtenvölker durchaus übereinstimmend. Schon vor den Thoren von
Pesth, wo ostwärts die Pussten bald beginnen, erblickt man eine bunte
Vegetation von einzeln stehenden, theils Rasen bildenden, theils einjährigen
Gewächsen, zwischen denen überall das sandige Erdreich
nackt hervortritt. Erreicht man weiterhin den natriumhaltigen Boden
in der Theissniederung oder in Siebenbürgen, so wechselt mit der
Gramineen-Pussta die Formation der Halophyten und erinnert an
die russische Salzsteppe, Es wurde indessen schon nachgewiesen,
welche klimatische Gründe der Unterordnung der Pussten unter den
Begriff der Steppen entgegenstehen, und wie ihnen eine höhere wirthschaftliche
Zukunft zugesprochen werden muss. Aber auch die Vegetation
selbst, so ähnlich ihre Physiognomie erscheinen mag, zeigt
manche Abweichungen, die auf eine Einwanderung der Pflanzen von
auswärts, nicht auf eine ursprüngliche Gemeinsamkeit hinweisen.
Pussten. — Parklandschaft am Amur und in Kamtschatka. 163
Kerner unterscheidet in den ungarischen Pussten auf dem trockenen,
salzfreien Boden drei Formationen von Gramineen ^ , die desAndropogon,
der Thyrsa {Slipa) und der einjährigen Gräser (Bromiis).
Von diesen sind nur die Thyrsarasen den Pussten und der russischen
Grassteppe gemeinsam : in der Formation des Andropogon (A. Grxjllus),
die ebenso wie jene von blüthem^eichen Stauden auf das mannigfachste
durchwirkt ist, herrscht eine Graminee, die, durch die wärmeren
Alpentliäler bis • zu den Vorbergen der Karpaten verbreitet^
auf einen Ursprung aus Südeuropa hindeutet, und was die geselligen,
einjälirigen Gräser betrifft, so sind auch diese nicht von den
Steppen abzuleiten, sondern grösstentheils dieselben Arten, welche
zu einer ähnlichen Formation im Mittelmeergebiete sich vereinigen.
Auch die Halophyten bieten mit der russischen Salzsteppe wenig
Vergleichungspunkte, theils weil sie gewöhnlich nur auf eng begrenzten
Räumlichkeiten auftreten theils weil sie viel einförmiger
sind, als dort. Die physiognomische Aehnlichkeit der Pussten und
Steppen wird durch die Verschiedenheit im Einzelnen beinahe aufgewogen,
aber der Verlauf der Entwickelungszeiten der Vegetation
ist der nämliche, eine rasch vorübereilende Frühlingsblüthe im Mai
und Juni und ein dürrer Sommer, den die Halophyten überdauern,
um im Herbste ihre Knospen zu entfalten.
Die Formation der Wiesen, deren zusammenhängende Rasendecke
mit den die Gräser begleitenden Stauden in einem angemessenen
Verhältniss steht, ist dem Räume nach, den sie einnehmen, den
Wäldern durchaus untergeordnet. In dem Amurgebiete aber und in
Kamtschatka treten an ihre Stelle ausgedehnte und nicht minder
eigenthümliche Grasfluren, die Gebüsch und Bäume in sich aufnehmen
und dadurch der Landschaft die Physiognomie eines natürlichen
Parks verleihen. Kittlitz^^^) hat diese Formation, welche das östliche
Asien mit der klimatisch übrigens so fernstehenden kahfornischen
Flora zu verknüpfen scheint, als Waldwiesen oder Grasfluren
aufgefasst und vom Ufer des Awatscha in Kamtschatka bildlich dargestellt.
Radde ^i^) entwirft davon auf seiner Reise am Amur die
genaueste Schilderung, aber nicht glücklich ist der von ihm und auch
von Anderen gewählte Ausdruck^ dieses Parkland als Prairie zu bezeichnen,
indem es zwar die hochwüchsigen Stauden mit den nordamerikanischen
Prairieen gemein hat, aber sich von ihnen durch den
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