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346 III. Mittelmeergebiet.
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über Lissabon an der Mündung des Tajo liegt, hervor, dass an der
portugiesischen Küste die Temperatur in vertikalem Sinne und namentlich
während des Sommers rascher sinkt, als vielleicht von irgend
einem anderen Pankte der Erde bekannt ist. Denn der Unterschied
der Jahreswärme von Lissabon und Mafra beträgt 2 o, mindert sich
also schon bei 350 Fuss Erhebung um einen Grad. Ein solcher
Wärmeverlust tritt am südlichen Fusse der Alpen i") erst bei einem
Niveauunterschied von 950 Fuss ein. Im Sommer sinkt die Mittelwärme
von Mafra sogar um 3 «,3 unter die von Lissabon, das Mass
der Abnahme also auf 212 Fuss. Mögen diese Ergebnisse nun auch
noch weiterer Bestätigung bedürfen und vielleicht durch örtliche Einflüsse
übermässig gesteigert sein, so werfen sie doch jedenfalls^ auf
die Depression der Vegetationsgrenzen ein neues Licht. Sie zeigen
uns den Einfluss des atlantischen Meers als der mächtigsten Wasserdampfquelle
von Europa, welche an den gebirgigen Küsten schon in
geringer Höhe die Sonne durch Nebelbildungen verschleiern kann
und die Wirkung ihrer Strahlen sogar im regenlosen Sommer abschwächt
112). Die Unterschiede in den Höhengrenzen der Vegetation
von Portugal und Granada haben daher nicht allein in dem Plateauklima
Spaniens, sondern auch darin ihren Grund, dass die Wärme
der Vegetationszeit in Portugal dem über das gewöhnliche Mass gesteigerten
Einflüsse des atlantischen Meers unterliegt, und so giebt
uns die Anordnung der Regionen von der reichen klimatischen Gliederung
dieser Halbinsel den sprechendsten Beweis. Was nun endlich
noch die westliche Grenze der Buchenwälder betrifft, so beziehen
sich die äussersten, bekannt gewordenen Standorte in Spanien auf
Galicien und auf den Aragonien zugewendeten Abhang der Idubeden.
Weder auf der Sierra Nevada kommt die Buche vor, noch scheint sie
in Portugal einzutreten, weil sie den regenlosen Sommer nicht erträgt,
der auch das Tafelland und dessen westliche Abdachung bis
zur Seeküste beherrscht. Mit dem Oelbaum hat es die Buche gemein,
dass ihre Höhengrenze sowohl west- wie ostwärts eine Depression
erleidet, aber diese ist im Westen weniger bedeutend, weil ihr Vorkommen
auf der spanischen Halbinsel so beschränkt ist. Doch beträgt
der Unterschied zwischen den westlichen Pyrenäen und Italien
doch noch 1500 Fuss und zeigt also ebenfalls noch deutlich den Einfluss
der geminderten Sommerwärme. Wäre die noch viel tiefere
' i • Verhältniss der Eegionen zu einander. 347
Depression der Buchengrenze in Aragonien, wo dieselbe noch weitere
1500 Fuss auf das Niveau von 3000 Fuss herabsinkt, als ein klimatisches
Extrem anzusehen, so dürfte man diese Erscheinung doch
keineswegs auf gleiche Ursachen beziehen. Hier, am Grenzgebirge
des Tafellandes ist, nach der übrigen Vegetation und nach der Lage
im Inneren der Halbinsel zu urtheilen, die Sommerwärme gewiss
nicht, wie an der Seeküste, vermindert, sondern man müsste diesen
Waldgürtel der Sierra de Moncayo als einen äussersten Vorposten
der Buchenregionen betrachten, der kaum noch die nöthige Feuchtigkeit
findet, und den die Sommerdürre des kastilischen Plateaus ebenso
wie die des arragonischen Tieflandes auf eine schmale Höhenzone
von 1000 Fuss Breite einengt.
Bevor wir nun zur Charakteristik der Regionen in den einzelnen
Gebirgen übergehen, ist noch die Frage zu erörtern, nach welchen
Grundsätzen ihr Umfang zu bestimmen sei. Nach der Physiognomie
der Landschaft, sofern sie auf der Grösse gewisser Pflanzen und auf
dem geselligen Zusammenwachsen der Individuen beruht, wird man
geneigt und auch völlig berechtigt sein, über der immergrünen Region,
der eigentlichen Mediterranflora noch die beiden Abstufungen
der Bergwälder und der baumlosen Höhen zu unterscheiden, das
Bereich der ersteren als mitteleuropäisch und das der letzteren
als alpin aufzufassen. Aber es ist dabei zu erinnern, dass diese
Vergleichungen keine andere Stütze haben, als dass Gewächse von
grossen Verbreitungsbezirken und bestimmte klimatische Bedingungen
von den nördlichen Ebenen aus in den höher gelegenen Gebirgsregionen
des Südens wiederkehren, während sie hier mit einer viel
grösseren Anzahl von Pflanzen in gesellige Verbindung treten können,
die Nordeuropa und den Alpen fremd sind. Eben in dieser Beziehung
erscheinen die Gebirge des Mittelmeergebiets besonders lehrreich.
Sie sind nicht bloss viel reicher an endemischen Erzeugnissen,
als die des nördlichen Europas diesseits der Alpen, sondern diese
endemischen Gewächse stehen auch nach ihrer Organisation der
Mediterranflora oft viel näher, als den Vegetationscentren höherer
Breiten. Zu ihnen gesellen sich sodann noch die vom Klima unabhängigeren
Pflanzen des Südens, die leichter aus den Thälern auf
die Höhen wandern können, als diese aus weiten Fernen Gewächse
des Nordens aufnehmen. So entsteht in den Gebirgsregionen ein