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486 IV. Steppengebiet.
Verhältniss der Steppen zix den Nachbarfloren 487
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Taxus. Aus dem Mediterrangebiete sind die Kastanie, die behaarte
Eiche (Q. pulescens) und ein Ahorn [A. Loheiii) vertreten; die breitblättrige
Erle [Alnus cordifoUa) soll dieselbe Art sein, wie die italienische
; Steven fand am westlichen Kaukasus auch die Laricio-
Kiefer, und Ruprecht erwähnt in Gurien die Pinie. Hieran
reihen sich die orientalischen Bäume, die Platane, eine Linde [T.
rubra) und eine immergrüne Eiche (Q. castaneifolia), die das südöstliche
Europa erreichen, und von diesen geht die Platane bis Indien.
Die Verbindung mit dem Himalaja ist ausserdem vorzüglich durch
den am Kaukasus noch als einheimisch zu betrachtenden Wallnussbaum
[Juglans regia) ausgedrückt, sowie durch den mehrfach erwähnten
Wachholder. Das Wohngebiet der übrigen kaukasischen
Waldbäume umfasst nur noch den persischen Elborus oder den
Taurus: nach ihrer Verbreitung zu schliessen, ist der Kaukasus
selbst wahrscheinlich die Heimath der den Ulmen verwandten Planera
[P. Richardi), die auch in Talüsch beobachtet wurde. Eine zweite
einheimische Juglandee [Pterocarya caucasica) scheint vom persischen
Elborus zu stammen, der Ausgangspunkt der oben berührten Wanderungen
der orientalischen Tanne (P. orientalis) bleibt ungewiss.
Auch die alpine Flora des Kaukasus zeigt ähnliche Beziehungen
theils zu den Alpen, theils zu den asiatischen Gebirgen bis zum Altai
und Himalaja. Ich habe mich nicht bemüht, das Verhältniss der
Arten von weiter Ausbreitung zu den endemischen zu ermitteln,
auch scheint • die Kenntniss der alpinen Region noch ziemlich
lückenhaft zu sein: indessen darf man annehmen, dass der Kaukasus
mit eigenen Centren ziemlich reichhaltig ausgestattet sei,
" wenn auch nicht in gleichem Grade, wie der Taurus und die
Alpen.
Die Verbindungen des Tieflands mit den Pussten Ungarns
wurden schon früher erörtert, ähnlich verhalten sich überhaupt die
östlichen Zonen des Waldgobiets. Nach Westen werden die Pflanzen,
welche das Steppenklima ertragen, allmälig immer seltener.
Schon jenseits Ungarns sinkt die Zahl bedeutend, das Becken von
Wien ist für einige Steppenpflanzen eine deutliche klimatische Westgrenze
.
Mit der Mediterranflora ist das Steppengebiet in der Weise verknüpft,
dass an der westlichen Abdachung Anatoliens und in Syrien
keine scharfen Grenzen bestehen, sondern ein allmäliger Uebergang
anzunehmen ist. Aus ihrer Verbreitung kann man indessen bei den
diesen beiden Floren gemeinsamen Pflanzen in vielen Fällen auf die
Richtung ihrer Wanderungen schliessen. Entweder bewohnen sie, über
die ganze Mediterranflora verbreitet, grossentheils nur solche Gegenden
des Steppengebiets, die gegen die Winterkälte mehr geschützt
sind (50), oder sie gehen umgekehrt von den Steppen aus und smd
in diesem Falle auf die östlichen Halbinseln des Mittelmeers beschränkt,
wo die Vegetationszeit sich verkürzt (64). Von dieser
letzteren Reihe sind endlich noch diejenigen Arten abzusondern, die,
nur Anatolien oder Syrien und der griechischen Halbinsel gemeinsam,
die östliche oder westliche Richtung ihrer Einwanderung aus
der Gestalt ihres Wohngebiets nicht erkennen lassen (50). Die
beigefügten Ziffern beziehen sich auf Verzeichnisse dieser Pflanzen,
deren Verbreitung im angegebenen Sinne sich aus Dokumenten
meiner Sammlung nachweisen liess: von diesen habe ich
einige charakteristische Beispiele in den Noten mitgetheilt i^S).
Das eigenthümliche Verhältniss Spaniens zu der Steppenflora wurde
schon im Abschnitt über das Mittelmeergebiet besprochen.
Die Verbindung der asiatischen Steppenflora mit der Sahara 129)
ist in den meisten Fällen auf die Grenzländer von Syrien, Mesopotamien,
Persien und Beludschistan eingeschränkt, wo der klimatische
Uebergang ebenso allmälig eintritt, wie der zur Mediterranflora
an den östlichen Küsten des Mittelmeers. Eine unmittelbare
und ausgedehnte Berührung beider Floren findet indessen fast nur
in Arabien statt, durch die geographische Absonderung werden die
Wanderungen erschwert. Dennoch würde die Vermischung der
Arten unter so ähnlichen Lebensbedingungen gewiss einen noch
höheren Grad erreichen, wenn nicht die Sahara überhaupt so arm
an Pflanzen wäre und jene mässige Anzahl von gemeinsamen Erzeugnissen
doch schon einen beträchtlichen Theil ihrer Vegetation
ausmachte (etwa 10 Procent).
Da die Flora der Sahara über Arabien hinaus bis in die
wüsten Landschaften der Niederung am Indus sich ausdehnt, so
berührt sie sich hier noch einmal mit den Steppen. Hiedurch wird
die Vermischung der afghanischen Flora mit den tropischen Formen
Indiens gehemmt, in höherem Masse, als am Südabhang des Hima