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294 III. Mittelmeergebiet.
welches zuweilen eine Höhe von 15 Fuss erreicht iwid zum Theil
aus Arbutus und anderen Gewächsen besteht, die der Oleanderform
entsprechen. In den meisten Gegenden bleiben zwar die Maquis,
wie die Formation der immergrünen Sträucher genannt wird, weit
niedriger, so dass man, aufrecht stehend, auf weite Strecken über
sie hinblicken kann, aber gegen die Gesträuche der Oleanderform
verhalten sich doch die Myrtengebüsche an der adriatischen Küste
wie Zwerggestalten. Es sind mehr als 20 verschiedene Sträucher,
welche die Oleanderform in der Mediterraiaflora vertreten, und diese
sind bei ähnlicher Belaubung in ihrer Blüthenbildung so ungleich,
dass sie zu 15 verschiedenen Gattungen und diese zu 14 Familien
gehören. Nur die Ericeen haben darunter zwei Gattungen, ausser
Arbutus noch das pontische Rhododendron, in allen übrigen Fällen
steht jede Gattung für sich allein und zählt meist nur eine oder zwei
Arten. Die Cistusrosen allein treten in grösserer Mannigfaltigkeit
auf, aber diese zeigen auch nur in zwei Arten das reine Oleanderblatt,
die übrigen sind zwar auch immergrün, aber haben nicht dessen
markig festes Gewebe und weichen auch durch die mattere Färbung
des Laubes und durch die weiche, runzelige, behaarte Oberhaut desselben
ab; nur selten sind sie grossblätterig, und einige gehören zur
Erikenform. Nach dem verschiedenartigen Bau der Blüthen und
Früchte sollte man bei den immergrünen Sträuchern auch ungleiche
Lebensbedingungen erwarten, aber gerade hier haben wir ein auffallendes
Beispiel, wie die klimatische Stellung der Pflanzen zunächst
von der vegetativen Entwickelung abhängt, wodurch eben die Eintheilung
der Pflanzen nach den Vegetationsorganen für geographische
Zwecke ihre wissenschaftliche Berechtigung erhält. Fast alle jene
Sträucher blühen ziemlich gleichzeitig im Frühling, sie wachsen gesellschaftlich
unter einander, und die meisten sind durch das ganze
Gebiet verbreitet. Ich zähle nur vier Sträucher, die auf die östlichen
Halbinseln beschränkt sind, aber eine wichtigere Ausnahme finden
wir in Spanien, wo die Vegetation der Cisten ungemein bevorzugt ist.
Das Wohngebiet der einzelnen Arten dieser Gattung ist nicht durch
den ungleichen Bau der Blätter geregelt. Alle Bildungen des Laubes,
welche hier möglich sind, kommen in Spanien vor. Unter den
Cisten, die das ganze Mittelmeergebiet bewohnen, ist eine der beiden
Arten enthalten, welche die Oleanderform vertreten {Oistus latirifolius),
O l e a n d e r - und Myrtenforrn 295
Während die drei anderen klein- und weichblat teng sind. In Span n
e i n h e i m i s c h und höchstens von hier nach dem südUchen F ankieic
u n d Algerien verbreitet sind etwa dreimal soviel Arten a s m den
ü b r i g e n Theilen des Gebiets. Aber nicht bloss deshalb büden die
C i s t L einen Hauptcharakter der spanischen Flora, sonderyuch,
weil sie auf dieser Halbinsel in viel g r ö s s e r e n Massen gesellig verb
u n d e n auftreten, so dass die Phys iognomi e der Landschaft in vielen
G e g e n d e n des Tafel landes durch sie best immt wird. Auf der Sierra
M o r e n a , die Spanien der ganzen Breite, nach von Murcia bis Algarv
i e n durchzieht und durch eine zusammenhängende ^
V e g e t a t i o n von Holzgewächsen • b e k l e i d e t , ist ein Cistus dei
O l e a n d e r f o rm (C M a s e r u s , so sehr vorherrschen , dass ^
g a n z e Quadratmeilen ausschliesslich von ihm bedeckt sind«60;. D,e
e i n gleichen, wenn sie in den Frühlingsmonaten in Blüthe stehen,
d n einfachen weissen oder rothen Rosen und sind oft noch reichei^
a l s I s e , mit Blumen beladen. In dem Bau der B l ü t ^ stummen sie
L t ganz mit einer anderen G a t tung von S t aude n oder Halbstrauchern
i H s L k e m u ^ ) überein,, die in Spanien noch weit zahlreichere ende
L e h e Arten zählt. Die Familie der Cistineen ist also m mehif
a c h em Sinne für die s p a n i s c h e n Vegetationscentren bezeichnend,^ und
d o c h findet sich in ihrem Bau nichts, was man auf das spanische
K l i m a beziehen könnte. Es Hesse sich freilich vermuthen, dass die
L k e n Ausschwitzungen von Harz, welche die Knospen und andere
O r g a n e bei dem Cistus der Sierra Morena bedecken dem kälteren
W i n t e r des Hochlandes entsprächen, aber gerade diese Art finde
. i c h auch in Südfrankreich und Nordafrika. Die Cisten liefern un
v i e l m e h r ein deutliches Beispiel von dem allgememen Gesetze^ dass
d e r Bau der Blüthen und Früchte, auf dem das System der Pflanzen
b e r u h t von den Vegetationscentren beeinflusst ward, wo sie ents
t a n d e t sind, und dass dagegen die Bildungsweise der vegeta^en
O r g a n e viel best immter von dem Kl ima abhängt, wo sie leben soll n.
So weist in dem Organismus dasjenige, was zur Erhaltung der Ar en
d i e n t , auf die unbekannten Bedingungen i h r e s Ursprungs. Was der
E n t W i c k e l u n g u-nd dem Wa chs thume des Individuums angehört, steht
i n L m deutlichen Zusammenhange mit den Kräften der unorganichTn
Natur , die auf dasselbe dauernd einwirken, und u.se Bezie-
I g e n sind daher unserer F o r s c h u n g näher gerückt, als die ersteren.