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212 II. Wakkebiet des östlichen Kontinents,
Tiefebenen bestehen solclie meehanische Hindernisse nicht, hier sind
die Vegetiitionscentreii nnr da noch deutlicher erkennbar, wo Gebirge
die Wanderung aufhalten. Eine Reihe endemischer Pflanzen besitzt
das Tiefland Ungarns, welches rings von den Karpaten und den mit
den Alpen sie verbindenden Höhenzügen umschlossen ist, und deutlich
lässt sich wahrnelunen, wie die Oeffnung des Donauthals manche
Erzeugnisse der ungarischen Flora stromaufwärts bis Wien und auf
das Marchfeld, abwärts in die bulgarische Ebene, oder wie sie das Thal
der Morawa nacli Serbien hat gelangen lassen. Das übrige Deutschhuid
hat gar keine endemische Plianzen aufzuweisen, die französischen
sind entweder (iebirgserzeugnisse, oder diejenigen, welclie der Ga s -
cogne eigen siml, verbreiten sicli ihrer klimatisclien Sphäre gemäss
mehr oder minder weithin an den Küsten des atlantischen Meers. In
der grossen Tiefebene des nördlichen Europas finden wir fast nur
klimatische Grenzen der Verbreitung, die südlichen, die westlichen,
die östlichen Arten verlieren sich nordwärts, ost- oder westwärts
ganz allmälig eine nach der anderen und ausserdem kreuzen sich die
Vegetationslinien auf mannigfaltige Weise. Auch der Ural, an dem
doch gewisse Arten eine mechanisch wirkende Schranke finden ,
wird von der Mehrzahl überstiegen und erst im östlichsten Asien
treten neue endemische Centren auch im Tieflande des Amur auf,
der von Sibirien durch den Stanowoi und Cliingan abgesondert i s t :
denn die zahlreichen eigenthümlichen Pflanzen Dauriens gehören
nicht hieher, weil ihr beschränktes Vorkommen von dem Steppeneinfluss
der Gobi und dalier von Einwanderungen aus einem anderen
Plorengebiete abzuleiten ist.
Die Vcgetationscentren der mittel- und nordeuropäisclien Gebirge
bilden, nach dem Reiclithum ihrer endemischen Erzeugnisse
geordnet, folgende Reihe: Alpen (190), Pyrenäen (88), Karpaten
(29) , Cevemien (2), Ural (1). Aus keinem anderen Gebirge sind
mir Pflanzen bekannt geworden, die demselben ausschliesslich angehörten.
Die Zift'ern beziehen sich auf die Dokumente meiner
Pflanzensammlung, die ich, um Schwierigkeiten der Systematik zu
entgehen, den folgenden Untersuchungen zu Grunde lege. Zuerst
scheint, um die Vertheilung dieser Centren zu erklären, die Grösse
und der Umfang der Gebirge in Betracht gezogen werden zu müssen.
Die Alpen haben in dieser Beziehung den Vorrang vor den übrigen
Vcgetationscentren der Gebirge. 213
Gebirgen, allein das Ueberwiegen des Endemismus der Pyrenäen
über den der Karpaten und die Abwesenheit eigenthümlicher Er -
zeugnisse auf den nordischen Fjelden fordern zu anderen Erwägungen
auf. Den nächsten Gesichtspunkt bietet die geographisclie La g e
der einzelnen Gebirge, die auf die Wanderungen von Einfluss ist.
Von einem centralen Punkte können diese, wie die Radien eines
Kreises, nach allen Richtungen gehen, wo also in grösserer Anzahl
wieder ähnliche Gebirge oder zu Ansiedelungen angemessene Verhältnisse
des Klimas und des Standorts ihnen begegnen, als wenn
sie, wie die Pyrenäen, von zwei Seiten durch das Meer beschränkt
sind. Auch in dieser Beziehung sind die Alpen für den Austausch
der Pflanzen am vortheilhaftesten gelegen, und in der That ist die
Zahl der Arten, welche sie mit anderen Gebirgen gemeinsam besitzen,
selbst abgesehen von denen, die aucli das Tiefland bewohnen,
beinahe sechsfach so gros s , als die ihrer endemischen Erzeugnisse.
Von den Pyrenäenpflanzen hingegen hat sicli nur etwa die Hälfte
derjenigen Arten, die diesseits dieses Gebirgs niclit weiter vorkommen,
auf den spanischen Bergsystemen wiedergefunden, die übrigen
sind endemisch geblieben. Ebenso ist der Austausch der Karpaten
nach Osten durch die russischen Ebenen gehindert, und auch dieses
Verhältniss ist durch eine grössere Anzahl eigenthümlicher Pflanzen
ausgesprochen. Die La g e der skandinavischen Fjelde ist zwar in
noch \veit höherem Grade geographisch abgeschlossen, aber dennoch
ist sie die ungünstigste, den Endemismus zu bewahren , weil durch
Lappland mit dem arktischen Tieflande auf der Halbinsel Kola eine
ununterbrochene Verbindung besteht, wodurch die Wanderung in
ähnliche Klimate so sehr erleichtert wird : die norwegischen Gebirgspflanzen
sind daher ausnahmslos entweder arktisch oder zugleich bis
zu den Alpen und anderen mitteleuropäisclien Höhenzügen verbreitet.
Aehnlich ist auch über den Ural zu urtheilen, der im Norden in die
arktische, im Süden in die Steppenflora ausläuft und in beiden Fällen
die Einwanderung vom Gebirge in die Ebene begünstigt. Ein drittes
Moment, welches auf den Endemismus der Gebirge einwirkt, ist ihre
klimatische Stellung, und ein viertes beruht auf ihrem geologischen
Bau. Dem wämieren Klima ist eine grössere Reihe von Pflanzen
angepasst, als dem kälteren, \mä daher wachsen die Zahlen endemisclier
Arten in südlicher Riclitung. J e mannigfaltiger endlich die
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