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316 III. Mittelmeergebiet.
früher nur wenige Bestände auf der Sierra de ßonda und einigen
anderen isolirten Bergen in der Nähe der Seeküste von Andalusien,
bis sie kürzlich auch in Kabylien auf den gegenüberliegenden Höhen
des Atlas entdeckt worden ist. Die südwestlichen kolchischen Abhänge
des Kaukasus, sowie einen grossen Theil der Kandgebirge
Kleinasiens bewohnt endlich noch eine der Rothtanne verwandte Art
{P. orientalis), welche Ledebour mit der sibirischen Tanne für identisch
hält, wogegen indessen schon nach dem klimatischen Gesichtspunkte
erhebliche Bedenken obwalten. Das Problem freilich, welches
ein so weites und zugleich unterbrochenes Wohngebiet bieten
würde, wäre nicht ohne Analogieen, da wir eine ganze Reihe von
Coniferen kennen, die auf weit entlegenen Gebirgen die Wälder zusammensetzen
und in den dazwischen liegenden Ländern nicht gefunden
werden. Unter diesen letzteren Bäumen sind die merkwürdigsten
die beiden noch übrigen Pinus-Arten des Gebiets, bei denen
eine grössere Zahl von Nadeln in derselben Scheide vereinigt ist.
Da in dem Abschnitt über die Vegetationscentren auf dieselben näher
einzugehen ist, so soll hier nur bemerkt werden, dass die eine die
Ceder des Atlas, des Taurus und Libanon ist [F. Cedrus), die andere
innerhalb des Gebiets bis jetzt nur auf einem einzigen Berge Macédoniens
und auf dem Kom an den Grenzen Montenegros, dann aber im fernen
Osten des Himalaja beobachtet wurde (P. Peuce oderP. excelsa). Aehnliche
Erscheinungen von getrennten Wohngebieten, deren Zusammenhang
dunkel ist, wiederholen sich bei den baumförmig Avachsenden
Wachholderarten, einer Gattung, die sowohl im Westen als im Osten
des Gebiets, aber nur in gewissen Landschaften hochstämmige Wälder
bildet. Diese Wachholderbäume, die im Archipel gegen 30 Fuss hoch
werden, gleichen in der Bildung ihrer Blattorgane durchaus den Cypressßn,
von denen sie sich durch ihre Beerenfrüchte unterscheiden.
Sie reihen sich daher mit diesen an die Tamariskenform, welche die
Holzgewächse begreift, bei denen die Kleinheit der den Zweigen angedrückten
Blätter durch die grosse Zahl und dichte Anordnung derselben
ersetzt wird. Bei diesen Coniferen wird die Blattnadel zu
einer grünen, dem Zweige genau anschliessenden Schuppe von festem
Gewebe, die sich oft unter das Mass einer Linie hinab verkürzt.
Indem aber diese Schuppen in dichtgedrängten Reihen die Zweige
bedecken, erscheint die Krone zwar grün, aber blattlos. In einem Falle
Nadelhölzer und Cypressenform. 317
verschmelzen diese Blattschuppen durch Anwachsen mit den Zweigen
selbst, wodurch die Form der Cypressen und Tamarisken in die der
ganz blattlosen Casuarinen übergeht. Diese Erscheinung ist dem Atlas
eigenthümlicli, in dessen Gebirgswaldungen eine solche Conifere vorkommt
[Callitris quaclrivahis). Die Systematik der Wachholderbäume
ist noch nicht genügend auseinandergesetzt , aber nach meinen
Untersuchungen bewohnt jede der drei Arten ein abgesondertes Gebiet.
Am frühsten ward die spanische Art [Juniperus thirifera) bekannt,
welche auf dem östlichen Tafellande die Wälder von Valencia
vorzugsweise bildet und bis nach Aragonien und Murcia verbreitet
ist. Derselbe Baum kommt auch in Sardinien und auf dem Atlas
vor und kehrt dann auf dem entlegenen Taurus von Cilicien in den
mittleren Waldregionen in nicht zu unterscheidender Gestaltung wieder.
Eine sehr ähnliche, aber doch ohne Zweifel verschiedene Art
( / . aegaea) bewohnt die Inseln des Archipels, wo ich sie auf Tassos bis
zur Küste hinab in der immergrünen Region beobachtete. Die weiteste
Verbreitung hat der asiatische Wachholderbaum [J. foetidissima oder
excelsa) , der Europa nur an der Südküste der Krim zu berühren
scheint und in einigermassen wechselnden Varietäten auf den höheren
Gebirgsregionen am Kaukasus und Taurus bis zur Insel Cypern vorkommt,
dann aber in weiter Entfernung am westlichen Himalaja
wiederkehrt. Von den Cypressen sind in der immergrünen Region
zwei Arten einheimisch, die Manche nur für Abänderungen einer
einzigen wollen gelten lassen. Es ist allerdings richtig, dass der
schlanke oder, wie man gewöhnlich sagt, pyramidale Wuchs, der die
italienische Cypresse so sehr auszeichnet [Cupressus senipervirens),
auch bei anderen Bäumen, namentlich der lombardischen Pappel und
bei einer ähnlichen Spielart der Eiche nur als eine Variation zu betrachten
ist, die keine tiefere Bedeutung hat. Aber die weniger bekannte
Cypressen-Art (C. horkontalis), welche ihre Krone gleich
den Wachholderbäumen weithin ausbreitet, hat auch noch feinere
Unterschiede in der Bildung der Nadeln und scheint dem Orient
eigenthümlich zu sein. Noch eine dritte Cypresse (C. glauca) wird
als ein in Portugal häufig vorkommender Baum erwähnt, der aber
daselbst nicht einheimisch ist, sondern aus Ostindien eingeführt ward.
Die ursprüngliche Heimath der italienischen Cypresse ist zwar auch
wahrscheinlich im Osten des Mittelmeergebiets zu suchen, aber als
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