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390 III. Mittelmeergebiet.
zwischen den Kolonieen und ihrem Mutterlande zu Grunde. So
weisen in Portugal zwei immergrüne Laubhölzer auf die atlantischen
Archipele {Persea indica u. Prunus lusitanica), eine besondere Cy~
presse {Cupressus glaum) auf die Seeverbindungen mit Goa. In die
Reihe der durch Kultur angesiedelten Pflanzen gehören auch einige
S u m p f g e w ä c h s e ^ welche die Reisfelder in Oberitalien begleiten,
und die, meist aus den Tropen abstammend, nicht selten irrthümlich
für endemisch gehalten worden sind. Wo aber die Ansiedelungen
nicht auf die Mitwirkung des Menschen, sondern auf physische Ursachen
zurückzuführen sind, zeigt sich der Einfluss der äusseren
Lebensbedingungen zuweilen auf überraschende Weise. Zu den
merkwürdigsten Beispielen dieser Art gehört das Vorkommen von
zwei tropischen Gewächsen, einem Cyperus und einem Farnkraut,
an den Fumarolen der Insel Ischia unweit Neapel [Cyperuspolystachyus
u. Pteris longifolia). Hier haben sie sich nur in Folge hoher
Bodenwärme eingefunden und werden durch die dauernde vulkanische
Thätigkeit zurückgehalten : denn sie wachsen mitten im aufsteigenden
Wasserdampfe, so dass man die Hand an der erhitzten
Erdkrume zu verbrennen Gefahr läuft, wenn man ihre Wurzeln ausgräbt.
In den botanischen Garten von Neapel versetzt, ertrugen sie
den neapolitanischen Winter nicht: an den Fumarolen von Ischia ist
natürlich die Wärme der Luft, von der sie umgeben sind, eine konstante
und beträgt nach Pariatore 24 ^ R. Schouw, der dieses sonderbare
Vorkommen untersuchte und der sonst immer die Einheit der
Vegetationscentren zu bestreiten pflegt, hat in diesem Falle doch
auch eine Einwanderung angenommen, weil, wie er bemerkt, das
Farnkraut Ischias auch bis nach Sicilien, der Cyperus bis Nordafrika
von den Tropen aus verbreitet sei. Er begeht die Inkonsequenz,
dass er in anderen Fällen, z. B. bei dem Austausch zwischen den
Floren von Schottland und Norwegen die Wanderung der Pflanzen,
die beiden Ländern gemeinsam sind, nicht zugeben will, hier aber,
wo doch auch ein weites Meer die nächsten Standorte trennt, jene
Bewegungen als wirksam gelten lässt, durch welche die Samenkörner
aus ihrer Heimath in die Ferne geführt wurden. Er hat indessen
keinen Versuch gemacht, die Grenzen anzugeben, bis zu welchen
nach seiner Meinung Wanderungen allein möglich sein sollten, und
es ist nicht abzusehen, weshalb ein Samen nicht ebenso leicht von
Vergleichung der Vegetationscentren. 391
Norwegen nach Schottland, als von Tunis nach Ischia gelangen
sollte. Das Eigenthümliche der Erscheinung auf Ischia besteht nur
darin, dass solche Bewegungen im Laufe der Zeit unendlich vervMfältigt
gedacht werden müssen, um zu begreifen, dass in so weiter
Entfernung auch ein so einsamer Standort, wie ihn eine heisse Quelle
bietet, und wo sie doch allein ein Ergebniss haben konnten, ihren
Wirkungen nicht entgangen ist.
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