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264 III. Mittelmeergebiet.
sind, allerdings ebenso geschützt, wie Thracien durch den Balkan.
Aber nicht bloss die Wärme des pontischen Klimas ist zu erklären,
die in Konstantinopel sich nicht erheblich geändert zeigt, sondern
auch die Feuchtigkeit des Sommers, wodnrch die Entwickelungszeit
der Pflanzen sich verschiebt. Wie könnte der Kaukasus in so weiten
Entfernungen auf den Dampfgehalt der Atmosphäre wirken, noch
dazu wo ein weites Meer dazwischen liegt? Die Ursache der Feuchtigkeit
der Pontusküste wird daher auf den pontischen Gebirgen
selbst zu suchen sein, die sich steil aus dem Litoral zu alpiner Höhe
an den nahen Grenzen Armeniens erheben und im Sommer um so
reichlichere Niederschläge entladen müssen, als ihre Axe dem zu
dieser Zeit herrschenden Seewinde, eben dem Sommerpassat senkrecht
gegenüber liegt. Zwar folgen auch noch westlich von Sinope
einige hohe Bergzüge, aber von dem nördlichen Vorgebirge Anatoliens
aus biegt sich ^ die Küste nach Südwesten, der Gebirgskamm
noch entschiedener, als das Litoral, so ärn^s nun der Sommerpassat
ihnen entlang weht oder sie unter kleinem Winkel schneidet und
also, in seiner horizontalen Richtung verharrend, den Wasserdampf
bewahrt, von dessen Verdichtung die Feuchtigkeit des Pontus, von
dessen Lösung die Dürre der warmen Jahrszeit am Bosporus abhängt.
In dem feuchteren Klima hat sich dort eine dichtere Vegetation von
Holzgewächsen an den Abhängen des Gebirgs gebildet, die nun auch
dazu beiträgt, diese Gegensätze zu erhalten und zu steigern.
Die äussersten Ostgrenzen des Mittelmeergebiets liegen auf dem
Kamm der mesgischen Gebirgskette, die den Kaukasus mit dem
Hochlande von Armenien verbindet und das feuchte Gebiet des pontischen
Rion von den trockeneren Landschaften am kaspischen Kur
trennt, in denen sich das Steppenklima ausbildet. Auch der westliche
Kaukasus selbst und das Gebirge an der Südküste der Krim
scheiden die russische Steppe von der immergrünen Vegetation, aber
in der Weise, dass auf dem Litoral der taurischen Halbinsel noch
einmal wieder die reine Mediterranflora sich wiederholt, wie in Nizza
und Illyrien gegen Kälte geschützt durch die steile Böschung der
Gebirgskette. So sind es überall die Höhenzüge je nach ihrer Anordnung,
Richtung und Höhe, die an den Küsten des schwarzen
Meers drei verschiedenartige Floren in schroffen üebergängen von
einander absondern, die Mediterranflora im Südwesten und auf dem
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Klima Nordafrikas und Syriens. 265
gegenüberliegenden Litoral der Krim, die pontische in der östlichen
Hälfte von Sinope bis zum Kaukasus,, und eine Steppenvegetation
im iiordwesten, wo der Boden flach ist und der Einfluss der Gebirge
aiifbört.
Wie nun im Osten die Flora des Mittelmeergebiets sich vielfach
mit den Steppen berührt, so grenzt sie im Süden an die Wüste, an
die regenlose Zone Afrikas und Arabiens. Die kümatischen Verhältnisse
sind hier viel übereinstimmender, als auf den Halbinseln.
Syrien auf der einen, Algerien und Marokko auf der anderen Seite,
wiewohl getrennt durch den breiten Abschnitt der tripolitanischägyptischen
Küste, wo die Sahara fast überall bis an das Meer
reicht zeigen ziemlich dieselben Yegetationsbedingungen. Der
Unterschied des kontinentalen Klimas ist hier im Osten fast aufgehoben:
das Gemeinsame, was diese Länder unter sich und zugleich
mit Andalusien und Sicilien verbindet, ist die veriängerte
Dauer der trockenen Jahrszeit und die höhere Temperatur des Winters
42) Aber wiewohl diese Verhältnisse auf die iiähe der regenlosen
Zone hindeuten, so ist doch der üebergang zur Sahara fast
überall ein plötzlicher. Noch in Jerusalem wurden 69 Regentage
gezählt, und wenige Meileu südwärts betritt man die regenlose Wüste
Arabiens. Und dabei bleibt doch die plastische Bildung des Landes
die nämliche, wogegen in Afrika der Atlas als eine natürliche Wetterscheide
zwischen der Sahara und der Mediterranflora der Küstenlandschaft
gelten kann. Alles hängt nur davon ab, ob die Regen
bringenden Aequatorialströmungen des Winters bis zu dem Erdboden
niedersteigen oder nicht: hiedurch wird eine scharfe Grenzlinie auch
in der Ebene, gebildet. Uebergangslandschaften zwischen der Mediterran
und Wüstenflora siud daher nur an wenigen Orten bekannt,
die in dem Abschnitt über die Sahara erwähnt werden sollen. In
dem Litoral von Cyreue, wo die Wüste durch einen Höhenzug vom
Meere abgesondert ist, scheint die Vegetation sich ähnlich, wie in
Algerien, zu verhalten. Die Mediterranfloa-a Syriens hat dagegen mit
der Nordafrikas nur wenig Verwandtschaft, nicht mehr, als irgend
welche andere Küstenlandschaften Südeuropas, wovon die Lrsache
zunächst wohl nur in dem weiten Abstände ihrer Vegetationscentren,
in der maritimen Sahara liegt, die sie trennt. Aber feinere, klimatische
Momente möchten doch auch wohl zu beachten sein. Die
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