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266 III. Mittelmeergebiet.
Winterregenzeit von Algier, die hier von Nordwestwinden begleitet
wird-^^) und also auf der Feuchtigkeit des atlantischen Meers beruht,
ist regelmässig ausgebildet und herrscht vom November bis Februar,
vier Monate lang, mit grosser Beständigkeit. In Syrien ist der Eintritt
der Regenzeit unbestimmter und die Niederschläge erfolgen fast
nur in vorübergehenden, aber sehr ergiebigen Gewittergüssen-^^),
wodurch sie sich den auch in der Sahara zuweilen vorkommenden
Erscheinungen näher anschliessen. Die Befeuchtung der Vegetation
ist also in beiden Ländern verschieden geordnet, und der Unregelmässigkeit
des Wasserzuflusses hat nur die Organisation der syrischen
Pflanzen Widerstand zu leisten. Algerien auf der anderen
Seite ist auch dadurch näher mit der andalusischen Flora verbunden,
dass der Atlas ähnliche Regionen absondert, wie die gegenüberliegenden
Gebirge des südlichen Spaniens. Noch an der südlichen
Abdachung des Atlas ist zwischen dem' Hochgebirge und der Sahara
eine Vegetation eingeschaltet, die mit den Steppen des andalusischen
Tafellandes zu vergleichen ist.
Endlich wird das Gebiet der eigentlichen Mediterranflora noch
durch die Inseln und Archipele beträchtlich erweitert, die überall
diese Vegetation in reinster Gestaltung entfalten und ihre Mannigfaltigkeit
häufig durch ihre eigenthümlichen Vegetationscentren erhöhen.
Von Korsika und den Balearen bis Thasos und Cypern
schliessen sie sich in ihrem Klima und ihrer Vegetation- stets genau
an die kontinentalen Landschaften an, denen sie geographisch zunächst
gelegen sind.
Nach dieser Uebersicht der klimatischen Verschiedenheiten,
durch welche das Mittelmeergebiet in natürliche Abschnitte getheilt
wird, sind nun die Einflüsse näher zu betrachten, denen die Vegetationszeit
durch die Vertheilung des Regens und die Temperaturkurve
des Jahrs unterliegt. Da aber diese Verhältnisse in den Gebirgsregionen
und Uebergangslandschaften denen des mittleren und nördlichen
Europas entsprechen, so können wir uns auf den Entwickelungsgang
der Mediterranflora beschränken, haben aber, um diesen
richtig aufzufassen, zuvor die Erfahrungen der Landwirthschaft über
die Kulturgewächse Südeuropas zu beachten.
Geht man von der höheren Wärme des Südens aus, so zeigt
sich, dass diese die Entwickelung der Cerealien auf andere Perioden
Klimatische Bedingungen der Bodenkultur. 267
überträgt, und dass, je weiter man sich von den Alpen aus Afrika
nähert, die Zeit ihrer Ernte früher eintritt. In demselben Jahre, in
welchem der Winterweizen in Rom zu Anfang Juli reif ward, erntete
man ihn in Neapel einen Monat früher, in Palermo in der zweiten
Hälfte des Mai und in Malta schon in der Mitte dieses Monats, und
da auch die Saat in den nördlicheren Gegenden früher, als in den
südlichen bestellt wird, so verhielt sich die von der Keimung bis zur
Ernte verflossene Zeit in noch höherem Grade ungleich, sie betrug
an jenen Orten der Reihenfolge nach 242, 195, 171 und 164 Tage,
in Malta war sie gegen Berlin (299 Tage) fast um die Hälfte verkürzt
. Diese Beschleunigung ist indessen nicht eine Folge schnelleren
Wachsthums, sondern davon, dass die in den Wintermonaten
stattfindende Unterbrechung desselben nach Süden allmälig aufhört.
Der Winterweizen tritt, nachdem die Saat gekeimt ist, in den Stillstand
der Entwickelung ein, wenn die Temperatur unter R. zu
sinken anfängt. In Berlin haben die 5 Monate November bis März
einen tieferen mittleren Thermometerstand, es bleiben daher 6 Monate
, der Oktober und die Zeit von April bis August für die Entwickelungsperiode
des Weizens übrig. In Palermo, wo die Mittelwärme
des kältesten Monats über 8 o beträgt, fällt dieser winterliche
Stillstand weg und die Zeit von der Saat bis zur Ernte beträgt ebenfalls
beinahe 6 Monate. Doch lassen sich, wie wir später sehen
werden, aus diesem Verhältniss nicht alle Unterschiede der Periode
erklären.
Allgemein aber entspringt für Südeuropa schon daraus ein
grosser Vorzug vor dem Norden, dass derselbe Acker dort in demselben
Jahre mehrere Früchte nach einander erzeugen kann. Schon
in den südlichen Alpenthälern, in Kärnthen, erzielt man nach der
Kornernte einen herbstlichen Ertrag von Buchweizen. In der Lombardei
sodann beruht der hohe Ertrag des Bodens nicht bloss darauf,
dass zwischen den Pflanzungen der Maulbeerbäume und den sie verknüpfenden
Weinreben auch Cerealien und andere Kulturgewächse
von noch weit längerer Entwickelungsperiode gebaut werden, sondern
erhöht sich auch dadurch, dass man mehrere Ernten demselben
Acker in einem Jahre abgewinnt. Weiterhin im Süden aber, wo die
Sommerregen der Lombardei aufhören, treten allmälig wiederum
entgegengesetzte Bedingungen des Ackerbaus hervor, indem ihn die
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