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1 0 4 IL Waldgebiet des östliclien Kontinents.
Pflanzen, welche einer längeren Vegetationsperiode bedürfen, die
ihnen das wärmere Klima gewährt, wogegen sie durch die Alpenkette
nnd die dieser vorliegende Hochfläche Bayerns und Schwabens
von dem südlichen Deutschland grösstentheils ausgeschlossen sind.
Hieraus erklärt sich der weitere Verlauf der Polargrenze der Cerris-
Eiche nach Westen, die in Italien und in'die südlichen Alpenthäler
Tyrols und der Schweiz eindringt, dem östlichen Frankreich fast
ganz fehlt, deren Gebiet dann aber von Spanien aus längs des biscayischen
Meerbusens bis zur Loire (47reicht . Sie gehört zu den
Bäumen, deren Vegetationszeit sechs bis sieben Monate zu beanspruchen
scheint, wenigstens ist dies eins der klimatischen Momente,
welche dem Südwesten Frankreichs und dem Donauthal von Wien
bis zum Banat gemeinsam sind. Die Dauer der Wachsthumsperiode
verlängert sich nämlich unter dem Einfluss der südlichen Breite in
einem stärkeren Verhältniss als unter dem des atlantischen Meers.
Sie beträgt am biscayischen Meerbusen, wo beide Einflüsse zusammenwirken,
acht, in Ungarn, wo die Breite allein in Betracht'kommt,
noch sechs bis sieben Monate : an der Buchengrenze (Königsberg) ist
sie schon auf fünf Monate gesunken . In der Tiefebene Ungarns
belauben sich die Eichen in der Mitte des April , und in der Mitte
des Oktobers tritt die Temperatur wieder ein, bei welcher dieses
stattfand; in Wien dauert die Wachsthumsperiode noch etwas länger.
Aber auch die Wärme des Sommers ändert sich in diesen Breiten
nicht mit der Entfernung vom Meere, sondern nur mit der Erhebung
des Bodens. Die Julitemperatur von Nantes, Wien und Ofen ist die
nämliche (17^): donauaufwärts ist sie bei Passau schon um mehr als
zwei Grade gesunken (14^»,5). • Dennoch giebt es nur wenige südliche
Pflanzen, die, wie die Cerriseiche, zugleich das westliche Frankreich
und Ungarn bewohnen, weil die-Gestalt der Temperaturkurve bedeutend
abweicht und der Abstand vom Meere im Osten sich durch
strengeren Winter fühlbar macht^S), Späte Nachtfröste im Frühling,
wie sie an der Donau häufig vorkommen, muss die Cerris-Eiche
wohl ertragen können, sonst könnte sie hier nicht gedeihen. Im
südlichen Europa bewohnt sie, häufig mit der Kastanie verbunden,
die untere Waldregion der Gebirge (z. B. in Rumelien 1200 bis
2700 Fuss), von der immergrünen Region ist sie ausgesclilossen.
Daher konnte sie leichter von den westlichen Pyrenäen aus in das
Zone der Cerriseiche. 1 OSwestliche,
als in das östliche Frankreich eindringen, welches durch
die Alpen und durch die immergrünen Landschaften am Mittelmeer
von den nächsten Standorten der Lombardei und Spaniens abgesondert
ist. Auch dieses Verhältniss, dass die Cerris-Eiche die immergrüne
Region Südeuropas vermeidet, steht mit der Vorstellung, dass
sie eine lange Wachsthumsperiode bedürfe, in Einklang. Denn die
Vegetationszeit der unteren Gebirgsgehänge ist daselbst von längerer
Dauer, als in der immergrünen Region der Küste, wo dieselbe durch
die Regenlosigkeit des Sommers unterbrochen wird. Es giebt in
Ungarn noch einen anderen Baum, der unter ähnlichen Bedingungen
steht, der aber die Cerris-Eiche in seinen Ansprüchen an die Temperaturkurve
nach Massgabe seiner Verbreitung zu überbieten scheint.
Dies ist die Silberlinde {lUla argentea], die nach Nordwesten nur bis
zum Plattensee geht, bis zu einer Linie, die der durch die Cerris-
Eiche bestimmten Grenze der ungarischen Flora in einem gewissen
Abstände parallel verläuft. Dieselbe findet sich sodann ebenfalls in
der warmen und doch zugleich des Sommerregens nicht entbehrenden
Bergregion Rumeliens wieder. Ueberall wird die Silberlinde von
dem tatarisclien Ahorn [Am tataricum) begleitet, der jedoch nur
scheinbar unter gleichen klimatischen Bedingungen steht, da er auch
die russische Eichenzone bewohnt, wo die Vegetationszeit von kürzerer
Dauer ist. Mag dieser Baum nun an eine höhere Sommerwärme
gebunden sein, oder mag er in Ungarn seine klimatische
Grenze nicht erreichen, so mu^s doch auch er die grössere Variation
der Temperatur ertragen, die den Tiefländern und den Gebirgen des
Ostens gemeinsam ist. Wenn wir überhaupt in den unteren Donauländern
Pflanzen des Südens wiederfinden, haben wir ihre Heimath
nicht in der immergrünen Region zu erwarten, wie es in Frankreich
häufig der Fall ist, sondern in den Gebirgen der griechischen Halbinsel.
Es fehlen die immergrünen Eichen und die Eriken der Gascogne
und so manche südliche Pflanzen, die an der Rhone bis Lyon
hinaufgehen, weil alle diese, auch wenn sie die erforderliche Wärme
finden, doch den Winter und Frühling Ungarns nicht ertragen würden.
Auf der anderen Seite ist der Wechsel der Flora von Ungarn
bis nach Griechenland hin ein sehr allmäliger und viel weniger scharf
als zwischen Deutscliland und Italien ausgesprochen, weil die griechische
Halbinsel so reichlic]i mit Höhenzügen und Gebirgen erfüllt
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