
m ••s.fi
I
•I
424 IV. Steppengebiet.
sind, einen reichlichen Ackerbau begründen, versiegen doch im Inneren
lind pflegen in der Höhe des Sommers auszutrocknen. Die
grossen Städte Persiens liegen als Centren dieser Bodenkultur dem
nördlichen und südwestlichen Aussenrande der Hochebene genähert
und in einem höheren Niveau 4000 ¡Fuss 52) Die grosse Wüste
im Innern und im Südosten entspricht einer Depression des Bodens
und senkt sich zur halben Höhe des oberen Tafellandes, in der Oase
Chabbis noch tiefer. Aber auch eine centrale Gebirgskette theilt
das persische Hochland, die des Kohrud, und soll sich an einigen
Punkten bis zur Schneegrenze erheben. Sie durchzieht Persien in
südöstlicher Kichtung von Hamadan aus, an Ispahan vorüber bis
Jezd und von da nach Kerman, bis sie zuletzt in das südliche ßandgebirge
von Beludschistan übergeht. Am ßande der Wüste erzeugt
sie eine Hochsteppe, in welcher bei Jezd neben Halophyten endemische
Dornsträucher und die durch ihre Gummiharze merkwürdigen
Doldenpflanzen Persiens den Vegetationscharakter bezeichnen.
Man rechnet überhaupt, dass ein Drittel oder nach Anderen sogar
die Hälfte der persischen Bevölkerung aus Nomaden besteht, also
Steppen bewohnt, während die übrigen Bewohner sich mit Ackerbau
und Gewerben beschäftigen .
Das persische Klima kennt, wiewohl fast überall zu Zeiten
Schnee fällt, weder die Strenge des armenischen Winters, noch die
Sommerwärme Babyloniens, ist aber doch, besonders im Norden,
noch excessiv zu nennen. Die herrschenden Winde sollen in der
warmen Jahrszeit, die vom heitersten Himmel begleitet ist, vom kaspischen
Meere kommen, ein durch die Gebirge abgelenkter Sommerpassat,
der im Winter mit äquatorialen Luftströmungen aus dem
Golf von Oman abwechselt. Die ausserordentliche Trockenheit der
Luft wird durch die Randgebirge gesteigert, aber der Winter bringt
doch mit der Aenderung des Windes regelmässige Niederschläge, oft
freilich nur von kurzer Dauer. In Schiras beobachtete sie Aucher-
E l o y 40) von der Mitte des Januar bis zur Mitte des März, in anderen
Gegenden umfassen sie den Zeitraum vom December bis zum April.
In Schiras war der Februar der Blüthenmonat, und der Frühling Persiens
wird von allen Reisenden als entzückend schön gepriesen. Die
Vegetation ist, wiewohl in den Pflanzenformen den westlicheren
Hochländern entsprechend, doch nach den Sammlungen Aucher-
Persien. 425
Eloy's, Kotschy's und Bunge's in ihren Arten zum grossen Theil
endemisch, was durch die einschliessenden Gebirge leicht erklärlich
ist. Selbst nach den einzelnen Abschnitten des Landes weichen die
Pflanzenarten erheblich von einander ab, die des Nordens und Südens
durch die Kohrud-Kette, die des tiefer gelegenen Khorasan durch
die Wüste gesondert. Auch ist der Unterschied der geographischen
Breite in Betracht zu ziehen : so reicht die Dattelkultur im westlichen
Persien nicht über Schiras (291/2 «N.B. ) hinaus. In Kerman fehlt
sie, weil diese Stadt zu hoch liegt, aber in der Oase von Chabbis
(31'') ist sie sehr erheblich 55), an diesem zum Grundwasser der
Wüste eingesenkten Punkte wird sie unter denselben Bedingungen
betrieben, wie in der Sahara. Auch in der nördlicher gelegenen
Oase von Tebes (34 O) sind die Dörfer von Dattelpflanzungen umgeben,
deren Früchte reif werden.
Die merkwürdigste Eigentliümlichkeit Persiens, die sich in
Afghanistan dann noch einmal wiederholt, besteht in den grossen
Wüsten, die beinahe den dritten Theil der Oberfläche einnehmen
und, durchaus verschieden von denen am Aral, in gewissen Gegenden'fast
unnahbar und selbst unfruchtbarer sein sollen, als die Sahara.
Die grosse Salzwüste erstreckt sich von der Elborus-Kette
bis zu den Gebirgen von Jezd und Kerman, sie scheidet die Hochebenen
von Teheran und von Khorasan. Sie bildet, wie Buhse52)
berichtet, eine nach Süden geneigte Ebene, deren tiefster auf 2000
bis 2500 Fuss geschätzten Einsenkung ein flussähnlich gestalteter,
etwas mehr als eine g. Meile breiter Salzsee entspricht, dessen Wasser
von einer Kruste fussdicken Salzes überall verdeckt wird. Nach
der Darstellung dieses Reisenden ist die persische Salzwüste des organischen
Lebens völlig beraubt: sie enthält in ihrem ganzen Umfange
nur vier Oasen, und von diesen haben nur zwei süsses Wasser.
Keine Pflanze, kein Grashalm wächst auf dem salzigen Boden, unter
dessen Oberfläche zuweilen die reinen Salzkrystalle anstehen : nur in
der Nähe des Nordrandes erblickte Buhse ein einziges Mal ehien einsamen
Halophyt. Diese Nachrichten sind von Buuge52) bestätigt
worden, indem er über die Wüste von Kerman sagt, nachdem er sie
drei Tage und drei Nächte auf Kameelen durchzogen, von so völligem
Mangel an Vegetation in jeder Jahrszeit und in einer so grossen
Ausdehnung habe er, obgleich er die Gobi aus eigener Anschauung
•• . 1
I
41. ..