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452 IV. Steppengebiet.
periodischen Wiederbelebung organischer Naturkräfte im Kampfe
mit dem Klima. So lange die Blätter sich mit Wasser versorgen
können, arbeiten sie an der Ausstattung der Zwiebel mit Nährstoffen ;
in demselben Masse, als die Ablagerungen des vorhergehenden Jahrs
zur Entfaltung der Blüthen, zur Reife des Samens und zur Ausbildung
neuer Blätter verwendet werden, wobei von den alten Organen
nur die häutigen Aussenschalen übrig bleiben, hat im Inneren derselben
wieder eine verjüngte Masse von Nahrungsspeichern für das
kommende Frühjahr den Raum der verbrauchten Stoffe eingenommen
und kann nun den langen Sommer und Winter hindurch in Ruhe
ausharren, bis die Lebensreize den Bildungstrieb aufs Neue in Bewegung
setzen. So bietet die Zwiebel der Tulpe zu jeder Zeit denselben
Umfang, dieselbe äussere Erscheinung, aber nur scheinbar
denselben Bau, ein Bild unveränderlicher Fortdauer, und doch während
des Frühlings in steten Wandlungen begriffen, wie alles Leben
mit einem stillen Strome vergleichbar, dessen Gewässer zu ruhen
scheinen, während sie stetig, unaufhaltsam an uns vorübergleiten.
Einige Liliaceen und die meisten Iris-Arten unterscheiden sich dadurch
, dass sie ihre Nährstoffe in einem Wurzelstocke niederlegen,
sind aber doch in ihrer jährlichen Erscheinungsweise den Zwiebelgewächsen
sehr ähnlich, da die unterirdischen Organe, so sehr sie
in ihrer Form abweichen, in ihrem Verhältniss zum Leben der
Pflanze wesentlich übereinstimmen. Für alle diese Gewächse erscheint
selbst die kurze Dauer des Steppenfrühlings noch wie ein
Uebermass, von dem sie nur eine Zeitspanne von wenig Tagen zum
längst vorbereiteten Wachsthum jener durch Farbenschmuck und
Grösse auffallendsten Gebilde in Anspruch nehmen, von denen die
Befruchtung abhängt, und die in ihrer eigenartigen Form doch so
einfach gebaut sind.
Im Steppengebiet ve.rtheilen sich nicht bloss die Formationen
der Vegetation, sondern auch die Pflanzenformen bestimmter, als
anderswo, nach den Einflüssen des Bodens. In noch höherem Grade,
als bei der Vergleichung der Steppen und Wüsten, zeigt sich dies bei
den Halophyten, den Erzeugnissen der natriumhaltigen Erdkrumen,
auf welche die Formen der Chenopodeen und Tamarisken grösstentheils
beschränkt sind. Die Chenopodeen sind es vorzüglich, denen
die Salzsteppe ihren höchst eigenthümlichen Vegetationscharakter
Chenopodeen- und Tamariskenform 453
verdankt. Zu den Halophyten gehören auch gewisse Stauden und
Kräuter anderer Form und aus anderen Familien, aber so bestimmt
^n den Salzgehalt des Bodens gebunden, wie die Chenopodeen, smd
wenige. Selbst diejenigen Arten, die vom Natrium unabhängig smd
und als Erzeugnisse des Kulturlandes den menschlichen Wohnstätten
folgen, finden sich da in grösserer Häufigkeit, wo salpetersaure und
Kalisalze abgelagert sind. Unter den übrigen Halophyten kernen
in der Songarei viele Cruciferen vor, in anderen Gegenden ist diese
Famiüe auf salzfreiem Boden häufiger vertreten; auch die Artemisien
sind nicht auf die Salzsteppe beschränkt.
Unter den succulenten Gewächsen ist die Chenopodeenform dadurch
bezeichnet, dass der Saft in den Blättern zurückgehalten wird,
ohne dass ihre Oberhaut wesentlich dazu mitwirkt. Fälle wo, wie
bei der Cactusform, die succulenten Axenorgane für die Blatter emtreten
kommen in den Steppen nur vereinzelt vor (Salicornieen).
Ein VOTrath von leicht löslichen Salzen im Boden hat auf der ganzen
Erde das Auftreten der Chenopodeenform zur Folge. Sie giebt den
treffendsten Beweis, dass nicht allein, wie Thurman behauptete die
«hysischen Eigenschaften des Substrats und dessen Feuchügkeit,
L d e r n auch die chemischen Bestandtheile desselben das Vorkommen
der Pflanzen bedingen. Fast überall gedeilien Chenopodeen am
Meeresufer, sowie auf dem salzhaltigen Boden aller Erdtheile. Allem
das Steppengebiet der alten Welt ist bei Weitem am reichsten mit
ihnen ausgestattet, hier erreicht die Familie die höchste Mannigfaltigkeit
des Baus, und zwar sowohl in den Blüthen und Früchten,
wie in den Vegetationsorganen. Was die Cacteen für Amerika sind,
das wird hier durch die Chenopodeen geleistet, ein unerschöpfliches
Feld wird systematischen Studien geboten. Von einer Menge emiähriger
Arten und Gattungen begleitet, wird die Vegetation der
Salzsteppe durch das gesellige Wachsthum der Strauchformen, der
Salsoleen und Suaeden zum eigenartigsten Bilde in der Physiognome
der Steppenlandschaft. Ihre Zweige sind gewöhnlich von gedrängten
Blättern verdeckt, die bald zu massigen Cylindern auswachsen bald
^u fleischigen Warzen von geringer Grösse verkürzt sind^ Durch
«ine ähnliche Belaubung reihen sich an diese Chenopodeen die Zygophylleen,
die auch bei einigen Arten und namentlich bei Nitraria
L e n holzigen Stamm besitzen. Das frische Grün, welches um so
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