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440 IV. Steppengebiet.
Niedei-iuigen der Flussthäler erhöht, hier werden die Flüsse zur
iiothwendigen Bedingung des Anbaus. Sind es also die Gebirgsketten
, die durch ihren gesteigerten Niederschlag wirken, oder in
Russlaud die Wälder jenseits der Steppengrenze, die ebenfalls Flüsse
in die öden Landschaften entsenden, so ist die wagerechte und baumlose
Oberfläche der Steppe selbst von liervorragendem Einfluss auf
ihr Klima und auf ihre Vegetation. liiedurch werden die Luftströmungen
verstärkt, die Wolkenbildungen gehindert. Man kann vielleicht
behaupten, dass alle waldlosen Gegenden der gemässigten Zone
eben oder doch nur wellenförmig gebaut sind und dadurch zur
dauernden Erhaltung ihrer Vegetation mitwirken. Aber weil die
bewaldeten Tiefländer ebenso flach sein können, wie die Steppen,
und weil die Beschaffenheit ihrer Erdkrumen ebenfalls übereinstimmen
kann, wie die Ukraine uns belehrte, so liegt die erste Ursache
der Steppenbildung nicht in ihrem Relief, nicht in ihrem Boden, sondern
in den Zuständen der Atmosphäre.
Die Gewalt der Luftströmungen steht im engsten Zusammenhang
mit den mechanischen Hemmnissen, die ihnen begegnen.
Stürme, wie sie auf dem Meere oder an dessen Küsten vorkommen,
sind im Inneren der Kontinente um so seltener, je mehr die Unregelmässigkeiten
des Reliefs ihnen entgegentreten. Selbst durch die
Bäume der Wälder werden sie schon gemässigt. Die ebenen Steppen,
wo kein Gegenstand über die Höhe eines Strauchs vom Boden
sich erhebt, gleichen daher dem Meere in den stürmischen Bewegungen
der Atmosphäre. Hier aber kommen diese Stürme, die ungeheure
Staubwolken aufwirbeln oder zuweilen wochenlang den
Schnee wagerecht über die Fläche treiben, fast nur aus östlichen
Richtungen, sie erhöhen im Winter die schneidende Kälte und im
Sommer die Dürre des Bodens durch ihre Trockenheit. Indem die
Luftströmungen, durch Widerstand ungebrochen, über einen grösseren
Raum sich ausdehnen, gewinnt die geänderte Rotationsgeschwindigkeit
des Erdkörpers einen allgemeineren und stärkeren Einfluss;
eine sanfte Bewegung muss sich allmälig.zum Sturmwinde steigern,
wenn die Aspiration auf grosse Entfernungen wirkt und der Unterschied
der Drehung unter verschiedenen Breitengraden anwächst.
Wenn auch die Feuchtigkeit des Bodens genügte, so würde es doch
den Bäumen an jedem Schutz fehlen, den häufig wiederkehrenden
Einfluss des Reliefs auf das Steppenklima. 441
Steppenstürmen Widerstand zu leisten: hier muss die Vegetation
Organe von grösserer Elasticität erzeugen,.als sie im holzigen Stamme
besitzt, oder von geringerer Oberfläche, als die Blätter einer Laubkroue.
Da die Atmosphäre ferner über einen so gleichartig gebildeten
Boden hingleitet, so fehlen die plötzlichen Temperaturunterschiede,
die je nach der Aenderung der Insolation und Strahlung,
sowie nach der Abweichung des Windes von seiner wagerechten
Bahn die Verdichtung des Wasserdampfs zu Nebel und Wolken bewirken.
Der Niederschlag, den die allmälige Abnahme der Wärme
auf weiten Entfernungen herbeiführt, ist schwach und kann ganz
aufhören, wenn die Menge des Wasserdampfs durch Gebirge verringert
wird. Die Trockenheit des Steppenklimas verstärkt die Verdunstung
der Pflanzen, und durch den Saftverlust gehen sie frühzeitig
zu Grunde, auch wenn sie d'en Stürmen gewachsen waren. Dann
aber verwesen sie nicht leicht an Ort und Stelle, sondern trocknen
zu beweglichen Körpern ein, die der Sturm, mit Staubwolken gemischt,
vor sich hertreibt. Wie auch bei mässigem Winde leichte
Gegenstände in diesen Ebenen unaufhörlich bewegt werden, zeigt
sich in einer Erscheinung, die in Russland unter der Bezeichnung
der Steppenläufer bekannt ist und von BaerS^) in ihren charakteristischen
Zügen beschrieben wird. Ein nicht gerade stürmischer Wind
hatte sich erhoben, wahrscheinlich um den Temperaturunterschied
zwischen der glühenden Steppe und dem kühleren Wolgathale auszugleichen,
und der feine Lehmstaub stieg wirbeiförmig in die Höhe
und Weite, als der Reisende diese .Steppenläufer beobachtete. »Es
sind dies sparrige Pflanzen, die beim Absterben völlig trocken geworden
sind, die der Wind nun losreisst und vor sich hertreibt, wobei
die äussersten Spitzen abbrechen, der Rest aber eine kugelförmige
Gestalt erhält und springend auf dem Boden fortrollt. Die athemlose
Eile jeder einzelnen Kugel, von denen einige {GypsopUla paniculata)
Sätze von einigen Klaftern machten, die Gesammtheit dieses zwecklosen
Rennens hatte etwas Grauenhaftes, vielleicht weil die Vorstellung
dunkel sich regte, als ob die Bewegung von ihnen selbst ausginge.
Fühlte man doch keinen Sturmwind, der Alles mit sich fortreissen
könnte.« Allein so ganz ohne Bedeutung für die Vegetation
ist doch diese Bewegung der durch ihre Dürre leicht gewordenen
Körper nicht, weil sie die Wanderung der in den Bruchstücken
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