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380 III. Mittelmeerg-ebiet.
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hind (Qiicrrus Libani u. Fraxinus syriaca) , der Storaxbaum einige
Vorberge des südwestliclien Taiirus {Liquidambar Orientale, im Niveau
von ^000 Fuss), zwei Arten von Mandelbäumen sind bis jetzt nur in
Plirygien bemerkt worden {Amygdalus orientalis u. salicifoUa). Auf
das pontisclie Gebirge bis zum westlichen Kaukasus ist eine Varietät
der Edeltanne beschränkt, welche die oberen Waldregionen begleitet
[Pinns Picea var. Nordmanniana, — 6000 Fuss). Unter den endemischen
Sträuchern berücksichtige ich nur die leicht erkennbaren
Arten, deren Verbreitungsbezirk dadurch sicherer verbürgt erscheint.
Auch sie gewähren Anhaltspunkte für die Unterscheidung der syrischcilicischen,
jonischen und pontischen Vegetationscentren. Zu der
ersten Gruppe gehören 3 Leguminosen [Psoralea Jaubertiana, Colutea
ciUcica, Cytisoßsis donjcnif'olia), 1 Ampelidee [Cissus orientalis m Oi\icien),
2 Caprifoliaceen [Loiiicera nummularifolia u. viscidula). Auf
das jonische Gebirge des Tmolus beschränkt sich da« Vorkommen
des schon genannten monotypischen, von Cytisus abgesonderten
Strauchs [Chronant/ms orientalis), und von hieraus folgt dem Zuge des
südlichen Taurus bis Cilicien eine Rosacee [Amelanchier parviflora).
Auf dem pontischen Gebirge wurde von Balansa ein immergrüner
Strauch entdeckt, der durch seine Belaubimg so auffallend ist, dass,
wenn derselbe weiter verbreitet wäre, man ihn schwerlich würd^
übersehen haben [PhiUyrea Vilmoriniana]. Zu den hervorstechenden
Eigentlmmlichkeiten der Tauruslandschaften und Syriens gehört ferner
die Erscheinung, dass verschiedene Gattungen anderer Floren
und in einigen Fällen selbst ferner Erdtheile liier durch einzelne
Arten vertreten sind, die der Gesammtvegetation als fremdartige
Glieder gegenüberstehen. Grossentheils sind dies Steppenpflanzen
(z.B. Cousinia), bei denen eine klimatische Erklärimg nahe liegt,
aber auch hier hat es doch etwas Auffallendes, wenn eine Gattung
sich von dem Steppengebiet bis zu den syrisch-anatolischen
Küsten nicht ununterbrochen ausdehnt, sondern in den Nachbarländern
fehlt und erst in entfernteren Meridianen wiederkehrt (Pohjlophium
und Arthrolepis in Persien). Indessen ist es möglich, dass
solche Lücken nur von mangelhafter Sachkenntniss herrühren und in
der Folge verschwinden werden. Dies ist aber nicht denkbar, wo
weder ein klimatischer noch ein geographischer Zusammenhang
besteht. Nur das Gesetz der systematischen Verwandtschaft benach-
Vermiscliung der Vegetationscentren. 381
barter Vegetationscentren kann dazu dienen, gewisse Fälle dieser
Art einigermassen aufzuklären. Bei einigen tropischen Gattungen,
die hier vertreten sind, ist zu erinnern, dass sie einheimischen nahe
stehen (am nächsten verbunden sind Cissus orientalis und Vitis, Anthistiria
hrachyantha, ebenfalls cilicisch, und Andropogon schon entfernter,
in noch weiterem Abstände die Raiflesiaceen Pilostylis und
aßinus). Bei der Beziehung der Platane und des Storaxbaums
[Platanus u. Liquidaynbar] zu der nordamerikanischen Flora, wovon
schon früher die Rede war, kann man nur an eine gewisse Analogie
des Klimas denken. Und hieran reiht sich auch die raonotypische
Gundelia, der einzige Vertreter der Gruppe der Vernoniaceen, der in
der alten Welt die gemässigte Zone bewohnt, während die verwandte
tropische Gattung Vernonia ebenfalls Nordamerika erreicht. Das
merkwürdigste Beispiel solcher systematischer Verknüpfungen mit
fernen Ländern lieferte endlich die Entdeckung eines Pelargonium
auf den Gebirgen Ciliciens und des nördlichen Syriens [Pelargonium
Endlicherianum), ohne dass irgend eine andere geographische Beziehung
zu den zahlreichen Arten dieser Gattung im Kaplande nachzuweisen
wäre, als dass sie auch in Abessinien. spärlich vertreten ist.
Hier zeigt sich uns aufs Neue, wie im systematischen Charakter der
Vegetationscentren das eigentlich Bestimmende uns fast immer verborgen
bleibt.
Ueberblicken wir nun das Gesammtergebniss der Untersuchung
über die Vertheilung der Vegetationscentren, so erkennen wir, dass
diejenigen Inseln, welche eigenthümliche Erzeugnisse hervorgebracht
haben, reicher an endemischen Arten sind, als gleich grosse Räumlichkeiten
des Kontinents. Aber gerade entgegengesetzt verhält sich
die Gesammtzahl ihrer vegetabilischen Produkte. Die Kataloge der
Inselfloren, welche alle beobachteten Pflanzenarten aufzählen, sind
bei gleich günstigem Boden und Klima allemal ärmer, als die Verzeichnisse,
welche sich auf Abschnitte des Festlands von entsprechender
Grösse beziehen. Auf der Insel Cypern fehlen viele allgemein
verbreitete Mediterrangewächse, wie dies namentlich schon in
Bezug auf die einförmige Bildung der dortigen Maquis bemerkt
wurde. Zu ähnlichen Betrachtungen fand sich der englische Botaniker
Prior veranlasst, als er Dalmatien und Sicilien nach einander
bereiste und ihm jenes Festland eine weit ergiebigere Ausbeute
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