
: { '
1 ;
Ii i
t
i 1
i r
•1 ' '
102 II. Wakkebiet des östlichen Kontinents.
Breiten eine Südostgrenze erhalten haben, bleiben sie von der zweiten
Zone strenger geschieden. Die Nordwestgrenze der Edeltanne
beginnt in den westlichen Pyrenäen [43i>N. B. 52)], und, indem
diese Vegetationslinie von der Anvergne ans (45 O) in gleich bleibendem
AbStande von der Küste des Kanals, der Nord- und Ostsee
(etAva 40 g. Meilen davon entfernt) Frankreich nnd Deutschland
durchschneidet, hebt sie sich in der Oberlausitz (510) und zuletzt in
Polen (52 0) am weitesten nach Norden, um von hier aus, wie es
scheint, noch innerhalb des Buchenklimas [Siebenbürgen ^3)], in eine
Ostgrenze überzugehen. So finden sich noch schöne Edeltannenbestände
an dem Nordabhang des Thüringer Waldes, wogegen der
Baum am Harze nicht mehr recht gedeihen will, wo die Versuche,
ihn anzupflanzen, nur in einigen südwestlich gelegenen Theilen des
Uebirges Erfolg hatten, die durch höhere Erhebungen gegen die
Polarwinde geschützt sind. Solche Nordwestgrenzen deutscher Gcwächse
habe ich früher auf die nach dem Meere zu geminderte
Sommerwärme bezogen , und hiezu berechtigt nicht bloss die ähniiclie
Vegetationslinie der Weinkultur, sondern auch die nahe übereinstimmende
Juliwärme von Danzig, Berlin und Erfurt«), drei
Städten, in deren Nähe manche Pflanzen der zweiten Zone in südöstlicher
Richtung plötzlich zuerst auftreten. Allein die Vegetationslinie
der Edeltanne hat eine von der Hauptgrenze der ersten und
zweiten Zone etwas abweichende Lage, sie überschreitet dieselbe in
Frankreich, kreuzt sie in der Nähe von Gotha, und bleibt im östlichen
Theile von Norddeutschland und in Polen hinter derselben zurück.
Vergleicht man die Juliwärme verschiedener Orte ^5), die der Nordwestgrenze
der Edeltanne benachbart liegen, so zeigt sich eine allmälige
Abnahme der Sommertemperatur von Westen nach Osten.
Freilich sind die Wärmeunterschiede nicht bedeutend (3—4 "), aber
es giebt auch andere Verhältnisse, welche zeigen, dass bei diesem
Baume nicht sowohl eine bestimmte Sommertemperatur als die Dauer
der Vegetationszeit die Lage seiner Nordwestgrenze bestimmt. Zuerst
sind die Standorte des Westens und Ostens nicht gleichartig. Voa
den Pyrenäen bis zum Thüringer Walde ist die Edeltanne auf den
geneigten Boden der Höhenzüge eingeschränkt, und erst in der Lausitz,
in Schlesien und Polen rückt sie in das Tiefland der baltischen
Ebene. Die meteorologischen Messungen, die sich auf Orte der
Zone der Cerriseiche. 103
Ebene beziehen, sind daher in Frankreich für die Edeltanne nicht
massgebend. Das, was südwestlich gelegene Gebirge mit nordöstlichen
Ebenen klimatisch in Verbindung setzt, ist eine verkürzte Vegetationszeit.
Sodann finde ich in der übrigens für klimatologische Fragen
noch sehr ungenügenden, forstwirthschaftlichen Literatur die Bemerkung,
dass der Baum, der überhaupt gegen Temperaturextreme
empfindlich sei ^ß), leicht in Folge von Spätfrösten seine Maitriebe
verliere . Beide Thatsachen weisen also darauf hin, dass die Edeltanne,
noch mehr als die Buche, an eine bestimmte Dauer der Entwickelungsperiode
gebunden ist. In den Gebirgen bewohnt sie fast
dieselbe Region, wie die Buche, und so fallen auch im Osten ihre
Vegetationslinien nahe zusammen, aber, indem die Edeltanne eine
Verlängerung der Vegetationszeit wegen ihrer Empfindlichkeit gegen
Schwankungen der Frühlingswärme noch weniger ertragen kann, als
die Buche, ist sie von den Küstenlandschaften ausgeschlossen. Es
geht daher aus der Vergleichung der Nordwestgrenzen der zweiten
Zone hervor, dass bei verschiedenen Gewächsen bald die Minderung
der Sommerwärme, bald die Verlängerung der Entwickelungsperiode
oder überhaupt die verschiedenen Momente des gesteigerten Seeklimas
hindernd in den Weg treten. Noch ist die Zeit nicht gekommen,
wo man im Stande wäre, die in jedem einzelnen Falle wirkende
Ursache unterscheiden und bestimmter nachweisen zu können, AVOZU
eine genaue Kenntniss der physischen Lebensbedingungen gehört,
indem jede Art ihre besonderen Eigenthümlichkeiten haben wird.
Da die Vegetationslinien, welche die erste und zweite'Zone trennen,
zwar einander genähert sind, aber nicht zusammenfallen und auch
nicht immer harmonisch verlaufen, so ist eine solche Mannigfaltigkeit
der Lebensbedingungen höchst wahrscheinlich.
Im Bereiche der ungarischen Flora ist die Cerris-Eiche {Quercus
Cern's) allgemein verbreitet und die Nordwestgrenze dieses Baums
berührt von den Karpaten aus (48« N. B.) Mähren, Niederösterreich,
Steiermark und Krain bis zur Lombardei (46 O). Den Küsten
der Ost- und Nordsee wiederum parallel verlaufend, scheidet diese
Vegetationslinie die deutsche Flora von der der unteren Donauländer.
Wie manche südeuropäische Gewächse in Frankreich mit der Kastanie
bis zu höheren Breiten reichen, so wiederholt sich diese Erscheinung,
jedoch in geringerem Umfange auch in Ungarn. Es sind dieses
I •