
342 III. Mitteímeergebiet.
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oft uugewiss bleiben kann, ob die klimatische Grenze wirklich erreicht
ist, sodann dass ausser der Wärme auch andere Einflüsse das Vorkommen
eines Baums beschränken können. Diese Schwierigkeiten
lassen sich, wenn nicht beseitigen, doch wenigstens mindern, wenn
man Bäume von allgemeiner Verbreitung auswählt, über welche genügend
zahlreiche Messungen vorliegen. Nur die Buche, die Kastanie
und der Oelbaum scheinen im Mittelmeergebiet hiezu geeignet zu
sein, aber der letztere in höherem Grade, als die beiden ersteren,
weil die Olivenkultur so weit reicht, als sie möglich ist, die Waldbäume
aber leicht unter ihrem klimatischen Niveau zurückbleiben
können.
Höhengrenze des Oelbaums.
Algarvien^f - 1400'
Sierra Nevada'')
Nizza 6)
3000 ' (Südabh. 4200
2400 '
Aetna6) - 2200'
Macédonien 102) _ . .
Phrygien io3) . . .
Lycien loo) . . . .
Cilicien99) . . . .
- 1500'
— 2000'.
Höhengrenze der Kastanie (Castanea)
Algarvien?) - 2300'
Granada 105) — 5000'
Camgou95) — 2460 '
Apennin i04) - 3000 '
Sicilien 104) — 4000'
Macédonien 102) — 3000'
Phrygien 103) - 3850'.
Höhengrenze der Buche.
Cantabrische Pyrenäen 105) . — 4500
Aragonischer Abhang dei
Sierra de Moncayo lOS)
Canigou95) . . . .
Südliche Alpen 104) . .
Apennin und Aetna lo^)
Dalmatien 106) . . .
Macédonien 102) . . .
Phrygien 103) . . . .
Pontisches Gebirge i03)
Bosnien 107) . .
Centrai-Karpaten lOS)
1200 '
1230' (lokal 2000';
— 3000 '
— 5000 '
— 5000'
— 6000'
— 3000 '
— 4400' (strauchartig — 4600')
— 4000 '
— 5540' (5700').
— 4000'
— 3000'.
Höhengrenzen des Oelbaums, der Kastanie inid der Buche. 343
Man erkennt aus den Beobachtungen sogleich, dass der Oelbaum
und die Buche in ihrer vertikalen Verbreitung sich ähnlicher verhalten,
als die Kastanie, die in südlicher und östlicher Richtung
höher ansteigt. Die beiden ersteren Bäume zeigen das schon bei der
Erörterung des atlantischen Klimas erwähnte Verhältniss, dass die
Höhengrenzen sowohl nach Westen als nach Osten sinken und in
Italien oder bei Nizza am höchsten liegen. Die Buche sodann hebt
sich noch einmal wieder im pontischen Gebirge zu einem höheren
Niveau, als in westlicher gelegenen Meridianen. Es frägt sich, ob
dieses Steigen und Sinken der Höhengrenze aus der klimatischen
Lebenssphäre der einzelnen Bäume erklärt werden kann. Ueber die
Buchengrenze habe ich schon früher loß) bemerkt, dass das See- und
Kontinentalklima, über ein gewisses Mass gesteigert, dieselben herabdrücken,
und in Italien sehen wir daher diesen Baum am höchsten
in das Gebirge sich erheben, höher als auf den Pyrenäen und in
Macédonien. Welches aber sind nun die im Westen und Osten geänderten
klimatischen Werthe, die auf die Organisation der Buche
solche Wirkungen ausüben können? Bei der Erörterung der Buchengrenze
in den Ebenen des Nordens wurde angenommen, dass, wenn
der Baum bei 8 o ausschlägt und bei 6 o seine Blätter wieder verliert,
derselbe in Gothenburg noch 5 Monate Zeit zu seiner jährlichen
Vegetation findet, in Christiania aber nicht mehr, und dass hiemit
seine klimatische Sphäre überschritten ist. Auf den beiden östlichen
Halbinseln des Mittelmeergebiets wiederholen sich ähnliche Bedingungen
im Gebirge ; die Entwickelungsperiode verkürzt sich, weil
schon am Meere der Winter länger dauert, als in Italien. Nur das
Gebiet der pontischen Flora machte hievon eine Ausnahme, und hier
hebt sich daher auch die Buchengrenze mehr als 1000 Fuss höher,
als in Macédonien und als an der anatoUschen Westküste. Die vertikale
Depression im Osten, die am Biokovo in Dalmatien ihr Maximum
erreicht, ist demnach die Folge der durch die schroffere Temperaturkurve
verkürzten Vegetationszeit. Die steilen Gehänge des
Biokovo sind ungeachtet des milden Winters der dalmatischen Küste
in dieser Beziehung noch ungünstiger gestellt, als die bosnischen
Hochlande, entweder weil dort der Boden die Bewaldung hindert,
oder weil die Wärme nach aufwärts rascher abnimmt, als auf dem
von Mittelgebirgen erfüllten Plateau Bosniens. Die östliche Depression
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