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394 IV. Steppengebiet.
vom aHgeinemsten Standpunkte aufgefasst, eine Folge der Schwere
des Wasserdampfö, dessen Dichtigkeit daher mit der Höhe rasch abnimmt,
und dessen Abnahme wiederum die Verdunstung beschleunigt.
Diese Wirkungen werden in den Gebirgsketten beschränkt, weil die
an ihren Abhängen aufwärts wehenden Winde die Wolkenbildung
befördern und die ungleiche Erwärmung wechselnder Expositionen
Niederschläge veranlasst. Fast alle Hochebenen der Erde sind sodann
von höheren ßandgebirgen eingeschlossen, die dem inneren
Räume die Feuchtigkeit entziehen, und gerade in Asien wirken in
diesem Sinne austrocknend alle Hochgebirgsketten vom Taurus bis
zum Chingan in China. Durch den heiteren Himmel endlich wird
das Plateauklima zugleich noch excessiver, wie es schon durch die
Lage im Inneren des asiatischen Kontinents sein würde. Im Sommer
erhitzen sich daher horizontal wehende Luftströmungen, wenn sie
von der kälteren Atmosphäre über dem Tieflande ausgingen, und
auch hiedurch wird die Verdichtung des Wasserdampfs im Hochlande
gehindert. Wirken auf einem von Randgebirgen umschlossenen
Räume alle diese Einflüsse zusammen, so können die Steppen Asiens
auch noch in höheren Breiten sich in unbewohnbare Wüsten verwandeln.
Mit dem Mittelmeergebiete verglichen, erstreckt sich die Regenlosigkeit
des Steppensommers , weiche die Entwicklungszeit der
meisten Pflanzen auf den Frühling einschränkt, weiter nach Norden,
als dort, und dadurch wird der räumliche Umfang gleichartiger
Lebensbedingungen bedeutend erweitert. Wenn die Polar Strömungen,
die den heiteren Himmel hervorrufen, am Mittelmeer nicht über den
45. Breitengrad hinaus den Sommer hindurch ununterbrochen wehen,
reicht ihre Wirkung in den Steppen des europäischen Russlands acht
Grade weiter nordwärts. Der üebergang ist schroff, die ausgedehntere
Zone des Sommerpassats beginnt am östlichen Fusse der
Karpaten, hält sich in gleichem Umfange über den Ural hinaus bis
zum Altai und erreicht von hier aus bis zum Amurgebiete doch immer
noch den 50. Breitengrad.
Da die asiatischen Steppen in einem Theile des Gebiets in wirkliche
Wüsten übergehen, die der Sahara in der Beschränkung des
Pflanzenlebens gleichstehen, so pflegt man dieses Verhältniss so darzustellen,
als ob dieselben Ursachen, welche das afrikanische Fests
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Verhältniss der Steppen zur Sahara. 395
land klimatisch gliedern, in Asien gleichfalls wirksam wären und
hier nach der geographischen Stellung des Kontinents in höhere
Breiten hinaufrückten. Allein die Bedingungen des Tropenklimas
müssen von denen der gemässigten Zone genauer unterschieden werden,
um die Anordnung der Vegetation in beiden Kontinenten richtig
' aufzufassen. In der Sahara weht der Passatwind, der dem Boden
die Feuchtigkeit entzieht, das ganze Jahr ununterbrochen, in den
Steppen wechselt diese Luftströmung auch da, wo die Landschaft
ebenso öde und wüst ist, im Winter oder Frühling mit dem Antipassat,
der seiner entgegengesetzten Richtung gemäss atmosphärische
Niederschläge veranlasst, die nur, wenn örtliche Einwirkungen im
Wege stehen, der Vegetation verloren gehen.
Es ist, um die Wüstenzone der alten Welt würdigen zu können,
erforderlich, auf den Ursprung der Passate und Monsune zurückzugehen.
Wenn die Sonne durch den Zenith gegangen ist, entwickelt
sich ein aufsteigender Luftstrom, und hieraus entspringt ein System
atmosphärischer Bewegungen, welche höhere und niedere Breiten in
Verbindung setzen und die Unterschiede ihrer Erwärmung mässigen.
In den heissesten Erdgürtel, wo der Luftdruck am geringsten ist,
strömen die Passate beider Hemisphären von der Seite aus ein und,
diese Bewegung wird in den oberen Schichten der Atmosphäre durch
den rückkehrenden Antipassat ausgeglichen. Ueber dem atlantischen
und stillen Meere ist zwischen den Passaten die Zone der Windstillen
oder Kalmen eingeschaltet, welche der Aspiration des aufsteigenden
Luftstroms entspricht. Wenn man auch im Inneren der Kontinente
von einer solchen Kalmenzone redet, so ist zu erinnern, dass die
beiden Passate in Afrika und Amerika und ebenso die Monsune in
Asien sich unmittelbar zu berühren und zu verdrängen pflegen, dass
also der aufsteigende Luftstrom sich zu einer Linie höchster Erwärmung
und niedrigsten Luftdrucks zusammenzieht. Dieser bald
schmale, bald sich erweiternde Aspirationsgürtel giebt durch seine
Lage einen richtigeren Massstab für die Vertheilung der Wärme in
der Atmosphäre der Tropen, als die Messungen der Temperatur, die
sich nur auf die untersten Luftschichten beziehen. Diese sind von der
Wärmeleitung aus dem Boden abhängig und geben keinen Aufschluss
über das Verhältniss der Insolation zur nächtlichen Strahlung, welches
auf den Luftdruck und die Temperatur in den oberen Räumen
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